Der Deutsche Wetterdienst ist eine Behörde, der es egal sei kann, ob sie funktioniert oder nicht. So verhält sie sich auch. Die ersten drei Tage seit Ausbruch des isländischen Vulkans habe ich das Thema für eine große Berliner Tageszeitung bearbeitet und dabei immer wieder auch versucht, Informationen aus der deutschen Wetterbehörde herauszupressen. Am ersten Tag, als nun wirklich jeder nichts anderes wollte, als Ort, Höhe und mehr Details zur Vulkanwolke zu erfahren, sagte mir die Sekretärin der DWD-Pressestelle, der Herr Pressesprecher sei vorläufig nicht zu sprechen. Ich befürchtete schon die Standardausrede, er befinde sich in einem dringenden Meeting, das ihn von seinem Job abhalte. Aber die Sekretärin hatte eine weit bessere Entschuldigung parat: Er führe gerade eine “Gruppe VIPs” durchs Haus.

Der Pressesprecher führt gerade eine Gruppe VIPs durchs Haus

Am nächsten Tag hatten die Presseverhinderer des DWD dazugelernt und führten keine VIPs mehr durchs Haus. Erreichbar waren sie trotzdem nicht. Insgesamt wählte ich ihre Nummer vielleicht 30 oder 40 Mal. Davon endeten 28 oder 38 Anrufe so, dass zuerst das Freizeichen im Hörer ertönte, gleich darauf ein kurzer Klack, gefolgt vom Besetztzeichen. Einmal erreichte ich eine Sekretärin, die mir mitteilte, die Pressesprecher könnten aufgrund der dafür benötigten Fachkenntnis keine Fragen zum Vulkan beantworten, wohl aber die Meteorologen. Sie gab mir die Nummer eines Wetterfachmanns in Hamburg sowie die des flugmeteorologischen Dienstes in Frankfurt. Die Nummer des Hamburger Meteorologen war eine Handynummer. Ich rief an. Es ertönte das Freizeichen. Niemand ging ran. Dann schaltete sich die Mailbox ein und verkündete, sie sei voll und könne leider keine neuen Nachrichten aufzeichnen. Aber ich hatte ja noch die Nummer der Frankfurter Flugmeteorologen. Und tatsächlich: Ein Mann ging ran, eher junge Stimme, nuschelte seinen Namen. Ich stellte mich vor, und er fragte zurück: “Sie sind also von der Presse?” Ich bejahte, worauf er mir verkündete, dass er mir dann keine Auskünfte erteile. Ich fragte nach dem Grund, und er schmetterte fröhlich in die Leitung: “Dafür ist unsere Pressestelle da”. Ich erklärte, dass die mich gerade zu ihm geschickt hätte. Jetzt er wörtlich: “Das ist mir egal. Ich sage ihnen gar nichts.” Darauf fragte ich ihn nach seinem Namen. Er, wieder wörtlich: “Tja, ihr Pech, wenn Sie vorhin nicht richtig hingehört haben.” Ich kochte und wählte wieder die Nummer der Pressestelle. Irgendwann hatte ich eine Sekretärin am Telefon, natürlich eine andere als vorhin. Mit größter Willensanstrengung vermied ich justitiable Beschimpfungen und schilderte, was mir widerfahren sei. Die Sekretärin merkte, dass ich nicht weiter zum Scherzen aufgelegt war und verband mich mit Chefmeteorologe Jörg Asmus, der dann all meine Fragen zur Vulkanwolke zitierfähig beantwortete. Warum nicht gleich so.

Heute habe ich frei und denke mir: Gut so, denn hätte ich nicht frei, würde ich versuchen, die DWD-Pressestelle zu einem Statement über den Zufall zu bewegen, dass fünf ihrer sechs Laser-Messgeräte defekt sind, mit denen die Vulkanwolke gesichtet werden kann. Ich hätte gefragt, seit wann die Dinger schon kaputt sind, wie lange die Reparatur dauere, woran sie kaputt gegangen seien und was man noch so fragt, um dahinter zu kommen, ob es sich um einen unvermeidlichen technischen Defekt oder um behördliche Schlamperei handelt (wovon ich ausgehe).

Ich habe mich auch gefragt, wie uns Kachelmann die Vulkanwolke erklärt hätte und ob der den DWD für seine Verschnarchtheit ausgeschimpft hätte, wie er das ja gerne mal gemacht hat, wenn der DWD etwa Sturmwarnungen verpennte, und dass Kachelmanns Firma vielleicht schnell einen talentierten Nachfolger für den immer noch in U-Haft sitzenden und vermutlich beruflich erledigten Wettermann aufbauen sollte, weil der DWD ohne Konkurrenz das Wachkoma sonst zum Normalzustand machen könnte. Und dann habe ich mich auch noch gefragt, warum der Herr Bundesverkehrsminister, dem die Vulkanwolke bisher keinen Krisenstab wert ist, eigentlich eine Wetterbehörde braucht. Was der DWD macht, könnten auch die Uni-Institute für Meteorologie erledigen. Bei denen würde man vielleicht auch leichter jemanden finden, der gerade keine VIPs durchs Haus führt oder unter akuter Pressephobie leidet.

1 Antwort
  1. elke sagte:

    Die Wolke ist unsichtbar.
    Die Boersen werden runtergehen und die Schuld hat dann der boese Computer oder die Natur.
    Die Banken haben dann keine Schuld.

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