Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Meiningen Meiningen, Thomas Waßmuth, hat sich beklagt, weil ich ein zweites Gutachten zum rätselhaften Tod des alten Mannes im dortigen Klinikum nicht erwähnt habe. Das habe ich tatsächlich nicht getan – weil das zweite Gutachten neue Fragen aufwirft. Es bestätigt die Jenaer Rechtsmedizin in ihrer Auffassung, der Tote, Rufolf F., sei eines natürlichen Todes gestorben. Der Zweitgutachter muss sich aber die Frage stellen lassen, ob er befangen war.

Es handelt sich um Prof. B. aus F. Er gutachtete, das Opfer sei womöglich an den Folgen seiner Lungenentzündung gestorben, die er bekam, nachdem er Essenskrümel eingeatmet hatte. Die scharfe Einblutung am Hals erklärt er mit der Halskrause, die seinen Kopf fixieren sollte. Der Kehlkopf des Opfers sei vermutlich schon bei der Einlieferung ins Meininger Klinikum gebrochen gewesen. Dass ein unabhängiger Pathologe später keine Spuren einer Wundheilung fand und daraus schloss, die Gewalt sei unmittelbar vor dem Tod ausgeübt worden, soll Prof. B bestreiten. Seiner Ansicht nach hat das Kortison, das der Verletzte bekam, die körpereigene Abwehr außer Gefecht gesetzt. Prof. B. aus F. bestätigt damit das Gutachten der Jenaer Institutschefin Gita Mall. Und das, so beklagt Waßmuth, hätte ich dazuschreiben sollen.

Mag sein. Das Gutachten von Prof. B. aus F. ist aber dubios, weil die Beteiligten folgenden Umstand verschweigen, der seine Glaubwürdigkeit schmälert: Prof. B. gehörte zu der Kommission, die Gita Mall auf den Lehrstuhl für Rechtsmedizin an der Uni Jena und die Leitung des rechtsmedizinischen Instituts berief. Prof. B. hat also seinen Anteil an der Karriere von Gita Mall.

Die Staatsanwaltschaft wusste davon nichts. Sprecher Waßmuth war überrascht, als ich ihm diesen Umstand schilderte. Ich habe inzwischen einige Fragen nachgereicht und möchte vor allem wissen, wer dafür verantwortlich ist, dass ausgerechnet Prof. B. das Zweitgutachten verfasste.

Prof. B.’s vollen Namen werde ich übrigens demnächst nachreichen. Ich möchte ihm allerdings vorher die Chance geben, meine Fragen zu beantworten. Ich versuche seit ca. zwei Wochen, ihn zu erreichen. Bisher hat mich sein Vorzimmer noch nicht durchgestellt. Auf den versprochenen Rückruf warte ich jetzt auch schon eine Weile – allerdings nicht ewig.

Nebenbei: Rechtsmediziner fordern öffentlich immer wieder, es sollten viel mehr Menschen obduziert werden. Viele Morde würden nicht entdeckt, weil Hausärzte die Toten oft nur oberflächlich untersuchen. Aufschlussreich ist etwa dieser Artikel. Hier haben wir es jetzt mit einem Fall zu tun, der ganz anders liegt: Der tote Rudolf F. wurde sehr genau obduziert – aber die Untersuchung war offenbar höchst fragwürdig.

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  1. […] die Staatsanwaltschaft ein zweites Gutachten und beauftragte damit den Frankfurter Rechtsmediziner Hansjürgen Bratzke. Der bestätigte die Darstellung der Jenaer […]

  2. […] Mall verweist außerdem auf das Zweitgutachten des Prof. B. aus F., der ihre Sichtweise stützt. Das Meiniger Tageblatt zitiert: […]

  3. […] ist in dem Fall der Dreh- und Angelpunkt”. Darum habe die Staatsanwaltschaft auch ein Zweitgutachten angefordert, eben das des Prof. B. aus F. Außerdem, und hier enthüllt Waßmuth eine Neuigkeit, […]

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