BeitrÀge

Wenn ein AfD-Politiker irgendeinen provokanten Satz ablĂ€sst, dann bebt Mediendeutschland bis zur Oberkante der nach oben offenen Richter-Empörungs-Skala. Wenn ein Verbrechen zur Debatte steht, bei dem ein rechtsextremer TĂ€ter schlimme Dinge anrichtete – teils wörtlich aus Aussagen vor Gericht zitiert: „Fortpflanzungsrelevante Dysfunktion“; schmerzfrei weder stehen, sitzen oder liegen können nach Bauchdurchschuss; nach Jahren immer noch „eingeschrĂ€nkte Ventilation“ nach Thorax-Durchschuss; akute psychische Symptome nach Verlust des eigenen Kindes; Selbstmordabsichten und konkrete Selbstmordversuche nach Verlust des eigenen Kindes; etc. –, wenn also konkrete Taten zur Debatte stehen, dann bebt rein gar nichts in Mediendeutschland. So etwas wird annĂ€hernd ohne Öffentlichkeit verhandelt.

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Der Einsatz der Frakturschrift ist eines der tollsten Beispiele fĂŒr fehlgeleitete Symbolik. Jeder, der Frakturschrift in politischen Kontexten verwendet, folgt einem historischen Irrweg. Die Neonazis irren, die irgendwann begannen, die „Schwabacher“ fĂŒr Propagandamaterial zu verwenden. Die linke Antifa folgt dem Irrtum, wenn sie die Schwabacher als Feindbild-Symbol benutzt. Im bayerischen Landtags-Wahlkampf arbeiten auch die GrĂŒnen mit der vermeintlichen Nazischrift und schieben sie auf einem bemerkenswert hĂ€sslichen Plakat der AfD zu, die sie allerdings gar nicht verwendet (jedenfalls ist mir nichts davon bekannt).

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AfD-Politiker Thomas Röckemann aus Nordrhein-Westfalen hat der Justiz  in einem Mem vorgeworfen, sie spreche ihre Urteile nicht mehr im Namen des Volkes. Lassen wir die FĂ€lle, mit denen er das untermauert, beiseite. Es ist nĂ€mlich egal, was diese Urteile fĂŒr sich genommen bedeuten, gemessen an der eigentlichen Aussage Röckemanns, deren Gehalt vielleicht nicht auf den ersten Blick deutlich wird. Darum nochmal – sein Vorwurf lautet: Die Justiz spreche nicht mehr im Namen des Volkes. 

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#87Prozent – was soll das sein? Bei Twitter ist #87Prozent gerade eine gut gemeinte Sammlung romantischer Selbstbekenntnisse gegen rechts und fĂŒr Bildung, Offenheit, etc. Es soll so aussehen, als seien sich jetzt alle #87Prozent einig gegen die 13 Prozent AfD-WĂ€hler. Die #87Prozent bestehen nur leider aus planwirtschaftlichen Sozialisten wie Marktwirtschaftlern, unbeschrĂ€nkten Refugees-Welcome-Verfechtern wie Obergrenze-Freunden, Klimapanischen und Klimaskeptischen, etc. Lauter Antagonismen. Die Kanzlerin dĂŒrfte es schwer haben, aus diesem weltanschaulich bunten Haufen eine Koalition zu schmieden. Den Erfindern von #87Prozent ist all das jedoch völlig egal. Ihnen geht es um die Kreation einer heilen, harmonischen Welt aller Deutschen, die angesichts der AfD nur noch das Vaterland kennen. Zwei Parteien reichen da völlig – die Guten und die Bösen. Alles andere könnte ja kompliziert werden und verwirren.

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Weiß noch jemand, wie es kam, dass wir eines Tages keine GEZ-GebĂŒhr mehr hatten sondern einen “Rundfunkbeitrag”? Das haben alle 16 Landtage im Jahr 2011 beschlossen. Es ist schwer, sich daran zu erinnern, weil es nirgendwo eine öffentliche Debatte zu dem Thema gab. Die Landtagsparteien haben die alte GerĂ€tegebĂŒhr ziemlich unauffĂ€llig durch die Quasirundfunksteuer ersetzt. Nur in Sachsen, dessen Landtag als einer der letzten das Thema durchwinkte, flackerte ein Ansatz an Kontroverse auf, die damit endete, dass Staatskanzleichef Johannes Beerbaum drohte, den Landtagen die Ratifizierung des Rundfunkstaatsvertrags komplett wegzunehmen.

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Der Fall des geschassten Welt-Redakteurs GĂŒnther Lachmann ist in seiner Krassheit natĂŒrlich ein Einzelfall. Aber er ereignet sich in einem Umfeld, in dem eine zu große NĂ€he zwischen Journalisten und Politikern und generell Journalisten und ihren Protagonisten schlechte NormalitĂ€t ist. Journalisten, die nebenbei als Berater tĂ€tig sind, sind beileibe nicht selten. Die betreffenden Kollegen machen daraus noch nicht einmal ein Geheimnis. Ich kenne einige, die nebenbei fĂŒr Agenturen arbeiten und da genau diejenigen beraten, ĂŒber die sie auch berichten. Manch einer betreibt seine eigene Agentur, sei es als richtige Firma, sei es als Einmann-Unternehmen. Manch einer wirbt sogar offensiv auf der eigenen Webseite fĂŒr seine DoppeltĂ€tigkeit als Journalist einerseits und Protagonisten-Berater andererseits.

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