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VVor einiger Zeit starb eine 99jährige Frau, die ich gut kannte. Erst vor kurzem erfuhr ich allerdings Näheres über ihren Tod. Eine, die es miterlebte, sprach lange nicht darüber. 

Ich kannte die 99-Jährige seit früher Kindheit. Mit 80 konnte sie uns Kindern noch vorführen, wie sie auf Stelzen lief. Sie erzählte uns von ihrer eigenen Kindheit in Bremen und wie sie als Kindermädchen in Portugal arbeitete. Eine eigene Familie hatte sie nie. Aber sie war ziemlich glücklich mit ihrem Leben. Irgendetwas war immer für sie zu tun. Ein oder zwei Jahre vor ihrem Tod kam sie in eine Art Sanatorium für alte Leute. Erstmals in ihrem Leben wurde sie da auch krank, dann auch schwer. Am Ende hatte sie Krebs. 

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Ich hatte ja letztes Jahr schon überlegt, ob ich den Journalistenberuf generell an den Nagel hängen sollte – weil das Einkommen streckenweise erbärmlich und der bürokratische Aufwand streckenweise aberwitzig ist. Jetzt stehe ich wie jedes Jahr vor der verspäteten Frage: Soll ich auch für 2016 einen Presseausweis beantragen oder soll ich einfach drauf pfeifen?

Tatsache ist: Wenn ich einen habe, dann vereinfacht das den Zugang zu Gerichtsprozessen. Die Gerichte sind immer manischer darauf fixiert, sich von Journalisten den Presseausweis zeigen zu lassen. Ich hatte dieses Jahr ja schon gelegentlich wieder nervtöttende Diskussionen mit Polizeiwachen, die meinen abgelaufenen Ausweis nicht akzeptierten, andererseits aber auch nicht zufrieden waren, wenn ich dann eben als gewöhnlicher Zuschauer in einen Saal wollte, dann aber wiederum ganz gern was zu schreiben dabeihätte.

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Es gehört zu den Grundfesten unserer Volksbürokratie, dass die Verwaltung dem Bürger die Zeiten zuteilt, zu denen es ihm gestattet ist, Einkäufe zu erledigen. Mit Logik hat das nichts, mit amtlicher Anmaßung dagegen alles zu tun. Den jüngsten Einblick in die Welt der Ordnungsbeamten enthüllt jetzt die Hannoversche Neue Presse. Demnach brütet das niedersächsische Sozialministerium gerade über einem Erlaß, der präzise regelt, wer wo Sonntags Schnittblumen kaufen darf.

Vor allem die Verkaufsfläche muss dafür kleiner werden, warum auch immer. Hat ein Händler mehr als 700 Quadratmeter Verkaufsläche, darf er Sonntags keine Schnittblumen mehr verkaufen. Hat er 699 Quadratmeter oder weniger, dann darf er. Allerdings nur drei Stunden lang. Das, so sind die amtlichen Besserwisser in Niedersachsen schon immer überzeugt, genüge für Waren “des täglichen Kleinbedarfs”, dem auch Blumen zuzurechnen sind.

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Installation im Foyer des Bad Aiblinger Rathauses
Installation im Foyer des Bad Aiblinger Rathauses

Installation im Foyer des Bad Aiblinger Rathauses

Bad Aibling ist eine kleine Stadt im Landkreis Rosenheim und offenbar für ziemlich unkonventionelle Ideen gut. So will Bürgermeister Felix Schwaller im Ortskern sämtliche Verkehrsschilder, Ampeln, Zebrastreifen und ähnlich überflüssigen Kram abreißen. So etwas nennt man neudeutsch Shared Space, kostet nichts, zwingt Autofahrer zum Selbergucken und hat überall da, wo es schon existiert, Verkehrstote abgeschafft (Ernsthaft! Keine Ironie!). Vorher reißt Aibling sein Rathaus ab, ebenfalls eine gute Entscheidung. Es handelt sich um einen dieser absurd hässlichen 70er-Jahre-Kästen, die landauf, landab die Innenstädte verschandeln. Den Abriss zelebriert die Stadt mit einer spektakulären Kunstaktion. Die nunmehr ehemaligen Amtszimmer sind Galerie, die Flure auch.

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Der Deutsche Wetterdienst ist eine Behörde, der es egal sei kann, ob sie funktioniert oder nicht. So verhält sie sich auch. Die ersten drei Tage seit Ausbruch des isländischen Vulkans habe ich das Thema für eine große Berliner Tageszeitung bearbeitet und dabei immer wieder auch versucht, Informationen aus der deutschen Wetterbehörde herauszupressen. Am ersten Tag, als nun wirklich jeder nichts anderes wollte, als Ort, Höhe und mehr Details zur Vulkanwolke zu erfahren, sagte mir die Sekretärin der DWD-Pressestelle, der Herr Pressesprecher sei vorläufig nicht zu sprechen. Ich befürchtete schon die Standardausrede, er befinde sich in einem dringenden Meeting, das ihn von seinem Job abhalte. Aber die Sekretärin hatte eine weit bessere Entschuldigung parat: Er führe gerade eine “Gruppe VIPs” durchs Haus. Weiterlesen

Die BBC macht vor, wie sich eine öffentliche Medieninstitution gegenüber der Öffentlichkeit zu verhalten hat. “Die BBC braucht eine radikale Generalüberholung”, heißt es – ja wo? – auf der Webseite der BBC höchstselbst. Bei den deutschen Staatssendern ist so etwas unvorstellbar.

Anlass für den Bericht in eigener Sache war eine Stellungnahme der “mitte-rechts” angesiedelten Denkschmiede “Policy Exchange”. Sie fordere eine massive Senkung der Kosten für Unterhaltung, Sportrechte und Showprogramme vor allem für junge Zielgruppen.

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Daeng Khamlao

Als kleines Kind kam Daeng Khamlao mit ihrer Mutter nach Deutschland. Ihre Eltern vergaßen einen Eintrag in ihrem Kinderpass und das Original ihrer Geburtsurkunde. Als Konsequenz ist ihr Aufenthaltsstatus bis heute ungeklärt – und, dank zusätzlicher Behördenschlamperei, auch der ihres Sohnes (2), der eigentlich deutscher Staatsbürger ist.

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