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Merkt Ihr es auch? Die Wechselstimmung im Land?

16 Jahre Merkel. Vier Legislaturperioden Stillstand. Drei davon in einer großen Koalition. Der Sorte Bündnis, von der es zurecht heißt, sie zerbrösele die Demokratie. Eineinhalb Dekaden abnehmende Debatte. Verengte Diskurse in Medien und Politik. Konstant sinkende Wahlbeteiligung. Inhaltliche Auszehrung des Landes und der Regierungspartei. Die Digitalisierung verschlafen. Moderne Bildungspolitik verschlafen. Herausforderungen bei Energie und Klima verschlafen. Nicht einmel der Tritt derjenigen, die vor vier Jahren AfD wählten (und erstmals die Wahlbeteiligung wieder erhöhten) wirkte. Merkel machte wieder große Koalition. Für Sicherheit und Stabilität, also Stillstand und Ablehnung jeder Veränderung.

Nur leider ist die Welt nicht so, wie Merkel das gern hätte. Sie verändert sich. Die Technik entwickelt sich rapide. Das Wissen der Menschheit wird umfassender. Die alten Ängste vor der Kernkraft sind schon lange nicht mehr angebracht. Man muss vielleicht nicht zu den schnellsten gehören wie der Althippie Stewart Brand, ein früherer Kumpel von Steve Jobs. Der hat schon vor Jahren die Risiken von Kernkraft und Klimawandel verglichen – und kam zu einem eindeutigen Resultat: Kernkraft ist gut. Aber man sollte unter keinen Umständen zu den bockbeinigen Blockierern gehören, die sich gegen jeglichen Fortschritt stemmen und zwanghaft auf dem Stand der 1980er verharren.

Wechselstimmung: Raus aus dem Kokon und rein ins Leben

Wechselstimmung: Schmetterling aus dem Kokon geschlüpft

Dass Merkel das Land so lange beherrschen konnte liegt naturgemäß am Land selber und an seiner Bevölkerung. Die ist kollektiv vergreist, und zwar zugleich an Lebensjahren und an geistiger Beweglichkeit. Deutschland ist eine Nation, die sich nur noch am Rollator bewegt. Der Hang zu allgemeiner Technik-Skepsis und moralischer Mystifizierung des Lebens lässt alles erstarren.

Bis zu dem Punkt, an dem die Widersprüche unerträglich werden. Man muss dem Corona-Virus vielleicht dankbar sein, aber der Umgang mit der Pandemie hat die deutschen Schwächen tatsächlich unerträglich deutlich gemacht.

Da sind auf der einen Seite die Jungen und die Innovativen. Kinder haben zwei volle Schuljahre verloren. Sie werden die Folgen bis an ihr Lebensende spüren, wegen verschlechterter Lern-, Ausbildungs- und Berufschancen. Sie spüren sie schon heute schmerzhaft: Die Kinderpsychiatrien aller Krankenhäuser sind überfüllt, neue kleine Patienten werden nur noch aufgenommen, wenn sie konkret selbstmordgefährdet sind. Manifeste Depression wird nicht mehr behandelt. Studenten haben ihre Unis monatelang nicht von innen gesehen. Freiberufler, Künstler, Gastronomen und viele andere kämpfen um ihre Existenz, übrigens auch mit Finanzämtern, die gnadenlos Geld eintreiben und Konten pfänden, auf denen nichts zu pfänden ist.

Und auf der anderen Seite haben sich gleichzeitig Beamte großzügig ihre Bezüge erhöhen lassen und erhielten dazu Corona-Sonderprämien. Auch die Gehälter öffentlich-rechtlicher Bediensteter stiegen, wie auch die Renten und die Diäten der Mandatsträger. Heldenprämien auch für die Zuarbeiter der Bundestragsabgeordneten, was manchen dann doch wenigstens etwas peinlich war. Die, die Schüler, Studenten, Eltern, Gastronomen und überhaupt alle Menschen mit bürokratischer Regelwut erschlagen, hatten selber nicht die geringsten Einbußen, wurden aber so behandelt, als hätten sie welche gehabt. Richtiger wäre es ja wohl gewesen, Beamten und öffentlich Bediensteten die Bezüge zu kürzen, um die gröbsten Schäden ohne überbordende Schuldenlast für die Jungen zu beseitigen.

Entsprechend ist die Stimmung im Land. Die Debatten sind vergiftet. Das liegt nicht an sozialen Medien, moderner Technik etc., also den Dingen, die die Merkelisten trotz aller Bemühungen nicht verhindern konnten. Es liegt an Merkel, an der ewigen Groko und der Mentalität, die sie befördert. Der Verdruss ist immens.

So immens, dass die Stimmung kippt. Sie werden die Debatte über die Atomkraft auf Dauer nicht mehr verhindern können. Sie werden rationale Argumente nicht mehr auf Basta-Basis wegwischen können. Sie werden die Schulen nicht länger so verwahrlosen lassen können, ebenso wenig wie die Unis und den Kulturbetrieb. Sie werden nicht mehr verhindern können, dass Deutschland den Anschluss an die Welt suchen wird. Sie werden den Krieg der Alten gegen die Jungen, der Verkalkten gegen die Frischen, der Rollatoren-Armee gegen die Turnschuh-Fitten, verlieren.

Es ist Zeit für Neues.

Deshalb habe ich übrigens diese Site komplett gekillt und neu aufgesetzt. Ich habe sämtliche alten Blogbeiträge gelöscht. Das ware 12 Jahre mit Hunderten Einträgen. Manche davon waren gar nicht schlecht. Aber das alte Zeug muss einfach mal verschwinden. Platz machen für Neues. Fenster auf. Durchzug. Weg mit dem Mief.