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Diese Geschichte ist ein bisschen heikel. Sie ist mir so √§hnlich auch schon einmal passiert. Ich habe sie nicht so ernst genommen, weil der Mensch, mit dem mir sie passierte, entsetzlich dumm ist. Zuerst sagte er – t√ľrkische Herkunft – mir, er sei in Berlin geboren und ich k√∂nnte ihn nicht von hier vertreiben. Ich war √ľber diese Bemerkung baff, denn sie kam aus heiterem Himmel. Ich fragte ihn, wie er darauf komme, worauf er sagte, wenn hier einer zu verschwinden habe, dann sei das ich, wobei er drohend die Faust schwang.

Und jetzt also Paul. Paul ist ein Student, der vor zwei Jahren von Hoyerswerda nach Berlin zog. Eigentlich kenne ich Paul gar nicht. Ich habe ihn zuf√§llig in einer Bar an der Oranienstra√üe getroffen, wo ich noch ein Absacker-Bier trank. Paul fiel mit zwei Freunden ein, kam ziemlich direkt auf mich zu und erkl√§rte mir, er habe gerade aufgeh√∂rt zu rauchen. Der Spruch sollte wohl hei√üen, dass er keine Zigaretten bei sich habe, denn gleich darauf fragte er mich, ob ich eine f√ľr ihn h√§tte. Hatte ich aber nicht. Dann fragte er mich, ob ich etwas zur Seite des Tresens r√ľcken k√∂nnte, damit seine Freunde da auch noch Platz finden. Tat ich.

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Das Imperium schl√§gt zur√ľck. Probleme mit Migranten? Spiegel Online kitscht heute √ľber das “Wunder von Kreuzberg”. Das besteht in einer Familie, die, so beschreibt es die Autorin, bestens in der deutschen Gesellschaft angekommen ist. Ich finde diese Reportage etwas l√§cherlich, weil ich solche Familien aus meiner Nachbarschaft jeden Tag erlebe und darum als “Wunder” nicht besonders ernst nehmen kann. Eher als allt√§gliche Normalit√§t, √ľber die kaum zu schreiben lohnt, weil sich kein Konflikt und keine Notwendigkeit auf Ver√§nderung daraus ableiten l√§sst. Es handelt sich um eine Reportage, die wohl sagen soll: Alles bestens, Sarrazin-Debatte beenden, bitte. Solche strukturkonservativen Reportagen hat auch das Neue Deutschland gern gedruckt, um zu beweisen, wie gro√üartig alles in der DDR lief. Wie wir wissen, hat das am Ende nicht viel gen√ľtzt. Nicht unjournalistische Staats-PR f√ľhrt weiter, sondern kritischer Journalismus, der sich mit den ebenso allt√§glichen und teils dramatischen Schwierigkeiten mit anderen Migranten als der geschilderten Familie befasst und den Fragen, wie die gel√∂st werden k√∂nnnten.

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