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Freitagnachmittag. Die kleine Stadt ist voller Menschen. Autos rollen in einer Endlosschlange durch die Rosenheimer Stra√üe. Die schmalen B√ľrgersteige wimmeln von Menschen mit Einkaufst√ľten. Ich habe die Tochter vom Kindergarten geholt. Wir radeln zum Bahnhof, auf der Stra√üe, wie die Gro√üen. Die Tochter radelt hinter mir. Ich schaue abwechelnd nach vorn und nach hinten. Vor dem Kreisverkehr rufe ich nach hinten: ¬ęUnd, frei?¬Ľ

¬ęJa-ha!¬Ľ 

¬ęUnd jetzt Hand rechts raus, dass die wissen, dass wir runterfahren¬Ľ.

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Bin ich eigentlich in diesem Land der einzige, der sich leicht verzeifelt fragt, welche Musik er seinem Kind vorspielen kann? Und zwar ohne dem Kind schon zu Beginn seines Lebens jeden guten Geschmack abzugewöhnen?

Ich bezahle inzwischen f√ľr mehrere Musik-Abos im Netz. Die Suche nach ‚ÄěKinderlied‚Äú oder ‚ÄěKindermusik‚Äú erbringt eigentlich durchgehend billigste Schrottmusik. Schmierige Synthiekl√§nge, entweder durchgeknallte oder uninspirierte S√§nger, die als S√§nger zu bezeichnen jeden wirklichen S√§nger beleidigen w√ľrde, √ľberinfantilisierte Stimmung ‚Äď es ist einfach grauenhaft. Zu den besseren Angeboten geh√∂rt ein gewisser Kalle Klang. Da kommt wenigstens hier und da mal eine echte Gitarre vor. Ganz nett musiziert, aber hoffnungslos aus der Zeit ist ein Albm namens ‚ÄěDie kleine Geige‚Äú.

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W√§re¬†es um die Interessen von Kindern in Deutschland im gro√üen und ganzen gut bestellt, dann w√§re die Lautst√§rke vielleicht angemessen, mit der alle m√∂glichen Akteure auf Papst Franziskus’ Aussetzer √ľber w√ľrdevolle und weniger w√ľrdevolle Haue f√ľr Kinder reagierten. Ein Land, in dem die alleinerziehende Mutter zum Ideal und die Patchworkfamilie zur Idylle verkl√§rt werden ist aber kein besonders tolles Land f√ľr Kinder. Diese Modelle sind bestenfalls die beste aller schlechten L√∂sungen f√ľr ein Kind. Ich wei√ü, man darf das nicht so deutlich sagen, weil es Trennungseltern ein schlechtes Gewissen machen k√∂nnte. Na und? Wann, wenn nicht nach einer Trennung, unter der Kinder stets und immer leiden, sollte man sonst ein schlechtes Gewissen haben? Da sind immer zwei, die versagt haben. Wer da kein schlechtes Gewissen hat der hat gar keins. Und er hat auf dem Gewissen, dass er sein Kind traumatisiert, Verlust√§ngste sch√ľrt und die Kinderseele verletzt. Man mag das als¬†reine Privatsache abtun, aber das ist es nat√ľrlich nicht. Es ist der Preis, den Kinder f√ľr die individuelle Selbstverwirklichung von M√§nnern und Frauen bezahlen, weil sie die schw√§cheren sind und nicht gefragt werden, sanktioniert von Staat und Politik. Wer den Papst f√ľr seine Wortspende tadelt sollte sich √ľber seine Motive im Klaren sein: Geht’s wirklich um die Kinder oder geht’s um allf√§llige Kritik an Papst und Kirche?

Foto: National Gallery of Ireland via Flickr

Joggen auf einem √∂ffentlichen und ausgeschilderten Wanderweg, der von Kirchseeon nach Taglaching f√ľhrt. Als ich das kurze Waldst√ľck verlasse √ľberhole ich einen Mann mit zwei Hunden, der eine eine Art Bassett (langer Rumpf, krumme dicke Kurzbeine, Ohren wie Waschlappen, trauriger Blick, pedantisch), der andere eine Art Stra√üenk√∂ter (stra√üenk√∂terblond, mittlere Stra√üenk√∂tergr√∂√üe, Stra√üenk√∂ter-Kleffmaul).

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