BeitrÀge

Ich hatte ja letztes Jahr schon ĂŒberlegt, ob ich den Journalistenberuf generell an den Nagel hĂ€ngen sollte – weil das Einkommen streckenweise erbĂ€rmlich und der bĂŒrokratische Aufwand streckenweise aberwitzig ist. Jetzt stehe ich wie jedes Jahr vor der verspĂ€teten Frage: Soll ich auch fĂŒr 2016 einen Presseausweis beantragen oder soll ich einfach drauf pfeifen?

Tatsache ist: Wenn ich einen habe, dann vereinfacht das den Zugang zu Gerichtsprozessen. Die Gerichte sind immer manischer darauf fixiert, sich von Journalisten den Presseausweis zeigen zu lassen. Ich hatte dieses Jahr ja schon gelegentlich wieder nervtöttende Diskussionen mit Polizeiwachen, die meinen abgelaufenen Ausweis nicht akzeptierten, andererseits aber auch nicht zufrieden waren, wenn ich dann eben als gewöhnlicher Zuschauer in einen Saal wollte, dann aber wiederum ganz gern was zu schreiben dabeihÀtte.

Weiterlesen

Wer auf der empfehlenswerten Suchmaschine duckduckgo.com nach Sepp Blatter sucht, bekommt neben diversen Suchergebnissen zusĂ€tzliche Suchempfehlungen angeboten. Wenig ĂŒberraschend findet sich da auch der Begriff “corruption”. Woran das wohl liegt? Blatters neuester Geniestreich dĂŒrfte dem Verdachtskonto einen weiteren Punkt hinzufĂŒgen. In Brasilia trotzte er der Regierung die Zusage ab, das Land werde fĂŒr die WM 2014 den Ausschank von Bier in den Stadien erlauben. Normalerweise herrscht in brasilianischen Stadien striktes Alkoholverbot. Dummerweise ist einer der Hauptsponsoren aber der Produzent der faden US-Budweiser-Plörre. Blatter formulierte die Einigung mit Brasiliens Regierungschefin Dilma Rousseff so: “Nach einem guten Treffen sind wir zum Schluss gekommen, dass die brasilianische Bundesregierung und die Fifa zusammenarbeiten und engere Bande knĂŒpfen mĂŒssen, damit wir eine der grĂ¶ĂŸten Weltmeisterschaften aller Zeiten ausrichten können.”

Weiterlesen

Die Deutsche Bahn schafft den Journalistenrabatt fĂŒr die Bahncard ab – nach “eingehender Überlegung”, wie es auf der Spezial-Webseite heißt, die die Bahn einst eigens online stellte, damit Journalisten dort ihre ihnen zugedachte Bestechung bestellen konnten. Hintergrund ist die AffĂ€re um die zahlreichen Vorteile fĂŒr Ex-BundesprĂ€sident Christian Wulff und der allgemein um sich greifende SchnĂ€ppchen-Trend vorgeblich privilegierter Gruppen. “Ja, das hat den Stein des Anstoßes zum Schluss noch mal ausgelöst”, formuliert Bahnchef RĂŒdiger Grube etwas umstĂ€ndlich.

Weiterlesen

Die Kurzfassung: Jahrelang steckt die Bundesregierung MillionenbetrĂ€ge in die Stromversorgung Afghanistans, aber alle Projekte scheitern. Ein Wasserkraftwerk fördert keinen Strom, weil der Fluss, an den es gebaut wurde, kein Wasser fĂŒhrt. Ein Umspannwerk, das Strom aus den nördlichen NachbarlĂ€ndern nach Kabul leiten soll, ist wertlos, weil es falsche Spannungen in das Kabuler Netz liefert. Schließlich entmachten die deutschen WohltĂ€ter die afghanische Energiebehörde und ersetzen sie durch ein Mannheimer Unternehmen, was dazu fĂŒhrt, dass afghanische Mitarbeiter nicht mehr regelmĂ€ĂŸig bezahlt werden und die Bestechungssummen fĂŒr den Anschluss an das ohnehin nur selten funktionierende Stromnetz steigen. Möglicherweise sind es VorgĂ€nge wie dieser, die viel stĂ€rker wirken als ein heruntergefallenes Koran-Buch. Wer so arbeitet, darf sich nicht wundern, wenn er scheitert.

Weiterlesen

Liebe Kollegen der Frankfurter Rundschau, der Welt, des Spiegel, der SĂŒddeutschen, des Stern, der ftd und sonstige! Kann es sein, dass Ihr Air Berlin nicht mehr so mögt wie frĂŒher, weil die Eure Rabatte fĂŒr den Urlaubsflug von 50 Prozent auf 25 Prozent gekĂŒrzt haben? Es ist ja schon auffĂ€llig: Vor einigen Tagen waren es zuerst die Super-Duper-Kracher-VIP-Karten, mit denen Super-Duper-Kracher-VIPs sogar völlig kostenlos an Bord durften. Was Ihr dubios und fragwĂŒrdig fandet. Und jetzt sind es ExtrawĂŒrste fĂŒr Politiker, die sich auf den Sitzen mit mehr Beinfreiheit tummeln dĂŒrfen, die ihr als kritikwĂŒrdige Lobby-Aktion bewertet.

Weiterlesen

Der Presseausweis ist die Lizenz zum Empfang systematischer Bestechungsleistung (Bild via Presseausweis.org)

Das Portal pressekonditionen.de hat heute die Top-100-Liste der meistgeklickten Spezial-Rabatte fĂŒr Journalisten veröffentlicht. Ganz oben steht Air Berlin, wo Journalisten gegen Vorlage ihres Presseausweises 25 Prozent Rabatt auf ihre privaten FerienflĂŒge bekommen und innerdeutsche Tickets zum Festpreis von 109 Euro. Fast 150.000 Mal wurde es angeklickt. Auf Platz 2 landete die Telekom, die Presseausweisbesitzern verbilligte Online-ZugĂ€nge und TelefonvertrĂ€ge ausgibt, etwa 15 Prozent Rabatt auf ihre  – privaten! –  iPhone-Kosten. Auf Rang 3 findet sich das wirklich lukrative Angebot der Bahn, die Journalisten den Preis fĂŒr ihre – private! – Bahncard 50 halbiert.

Weiterlesen