BeitrÀge

Neuigkeiten im Pall Peggy? Ein Mann sei vernommen worden und wird zur Zeit wohl immer noch vernommen, melden die Kollegen Otto Lapp (Frankenpost) und Jörg Völkerling (Bild). Was ist da dran?

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Kann man diesem Abgrund, der den Namen „Nationalsozialistischer Untergrund“ trĂ€gt, etwas Zuversichtliches abgewinnen? Man kann, so abwegig das auf den ersten Blick erscheinen mag. Und es ist ja ein wirklicher Abgrund, der sich um Uwe Böhnhardt und seinen Freundes-, Komplizen- und Helferkreis auftut: Mord, Fremdenhass, Kindesmissbrauch, Erpressung, Gewalt, Drogenhandel, Prostitution und ZuhĂ€lterei, Waffenhandel, Menschenhandel – es ist die ganze Palette professioneller Verbrecherei, eine Subkultur des Bösen, abgeschottet und nach außen strikt verschwiegen, im Innern straff und brutal gefĂŒhrt. Ein Paralleluniversum, eine Welt, die normale Menschen nie kennenlernen und in die kein Außenstehender ohne weiteres Einblick erhĂ€lt.

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Das aktualisierte Taschenbuch “Der Fall Peggy” ist in den LĂ€den. Hier eine Leseprobe: Das neue Vorwort und ein neues Kapitel ĂŒber Peggys Mutter.

Fangen wir nicht so an, wie man ein solches Buch normalerweise anfangen wĂŒrde. Reden wir zu Beginn nicht von diesem neun Jahre alten MĂ€dchen und dem, was es in den letzten Stunden und Minuten seines Lebens erleben musste, bis es starb. Reden wir auch nicht davon, was die Mutter dieses kleinen MĂ€dchens durchmachte, die erst 15 Jahre spĂ€ter erfĂ€hrt, dass ihre Tochter jetzt bewiesenermaßen und unwiederbringlich tot ist. Deren letzter Hoffnungsfunke verlischt, das MĂ€dchen könne vielleicht eines Tages aus einer Gefangenschaft nach Art der Natascha Kampusch heimkehren. Schweigen wir zunĂ€chst auch darĂŒber, wie es dieser Mutter ergangen sein muss, die all diese 15 Jahre mit ĂŒblem öffentlichen Klatsch verfolgt wurde – der Vorwurf, eine „Rabenmutter“ gewesen zu sein, war noch das Harmloseste, was man ihr öffentlich nachsagte. Zuerst wurde Ihre Tochter ermordet, dann wurde sie gerufmordet.

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++++ Update: Staatsanwaltschaft glaubt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheindlichkeit, dass Peggys Leiche tatsÀchlich gefunden wurde ++++

Das vielleicht QuĂ€lendste fĂŒr die Familie und jeden, der sich zum Fall Peggy seine Gedanken macht, ist vielleicht dies: Man weiß einfach nicht, wie das Schicksal dieses MĂ€dchens wirklich aussieht. Sie verschwand am 7. Mai 2001 spurlos. Einfach weg. Als hĂ€tte der Erdboden sie verschluckt. Mit Haut, Haar, Kleidung und Schulranzen. Dabei blieb es. Mangels Spur haben Polizei und Staatsanwaltschaft es nie geschafft, einen TĂ€ter dingfest zu machen. Es ist ja sogar offen, ob es ĂŒberhaupt eine Tat gab und wenn, welche. Und jetzt könnte es vielleicht bald vorbei sein mit dieser Ungewissheit, wenigstens das.

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Das Unangenehme im Fall Peggy ist fĂŒr Politik, Polizei und Justiz, dass ĂŒber die internen AblĂ€ufe und die Ermittlungen so viele Details bekannt sind. Journalisten schauen den Beteiligten viel schĂ€rfer ĂŒber die Schulter als in den meisten anderen FĂ€llen. Tiefere Kenntnis schĂ€rft auch den Blick fĂŒr das Wesentliche, wenn am Ende Ergebnisse prĂ€sentiert werden. Besonders interessant war das Gutachten des Berliner Psychiaters Hans-Ludwig Kröber und was die Staatsanwaltschaft daraus machte (nicht das Gericht – anders als vor zehn Jahren).

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Achter Tag im Peggy-Prozess.

GedrĂ€nge schon am Eingang zum Justizpalast in Bayreuth. Kamerateams haben sich postiert. Oben ist der Verhandlungssaal ist bis auf den letzten Platz gefĂŒllt. Um Punkt zehn Uhr eröffnet der Vorsitzende Richter Michael Eckstein die Verhandlung, wie immer sehr formell. „Es kommt zum Aufruf das Verfahren gegen Ulvi Kulac“.

Dann spricht er das Urteil.

„Erstens: Das Urteil des Landgerichtes Hof vom 30.4.2004 wird insoweit [
] aufgehoben, als der Angeklagte Ulvi Kulac wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurde.

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Wer hĂ€tte vor einigen Monaten erwartet, dass die Justiz ihren Irrtum im Fall Peggy tatsĂ€chlich mit einem Wiederaufnahmeverfahren korrigieren wĂŒrde? Wer hĂ€tte erwartet, dass das Landgericht Bayreuth dieses Wiederaufnahmeverfahren zielstrebig auf die simplen Fakten lenken wĂŒrde, die schon das Gericht in Hof 2004 hĂ€tte zur Kenntnis nehmen können? Und wer hĂ€tte damit gerechnet, dass die Wiederaufnahmekammer unter dem Vorsitzenden Richter Michael Eckstein mittendrin “die Karten auf den Tisch legt”, wie Justizsprecher Thomas Goger es am Rande formulierte und das Verfahren fĂŒr urteilsreif erklĂ€rt – mit der kaum verbrĂ€mten Zielrichtung, Ulvi Kulac freizusprechen? Tag sechs im Peggy-Prozess war so etwas wie ein vorgezogenes Happy End, verbunden mit einem – wenn auch unfreiwillig – wehmĂŒtigem Abschluss der Beweisaufnahme.

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Der nĂ€chste Hinweis, der auf Freispruch fĂŒr den geistig minderbemittelten Ulvi Kulac deutet: Am fĂŒnften Prozesstag kam der psychiatrische Gutachter Hans-Ludwig Kröber aus Berlin zu Wort. Er hatte im ersten Prozess befunden, das GestĂ€ndnis von Kulac, er habe Peggy ermordet, sei glaubhaft. Ohne sein damaliges Gutachten wĂ€re der Angeklagte wohl nicht wegen Mordes verurteilt worden. Jetzt korrigierte seine EinschĂ€tzung nach einem langen Referat, das mal in die eine, mal in die andere Richtung tendierte. Am Ende sagte er, Ulvi habe zwar ein “gutes”, aber “mit hoher Wahrscheinlichkeit falsches GestĂ€ndnis” abgelegt.

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Einer lĂŒgt, das dĂŒrfte feststehen. Nur wer?

Im Peggy-Prozess hat das Landgericht Bayreuth am fĂŒnften Verhandlungstag Wolfgang Schwemmer als Zeugen gehört. Schwemmer war beim ersten Mordprozess der Verteidiger von Ulvi Kulac. Jetzt, in der Wiederaufnahme, attackierte er die Polizei mit Wucht.

Die Ermittler, voran Soko-Chef Wolfgang Geier, hĂ€tten ihn ausgetrickst und jede Gelegenheit genutzt, um Ulvi ohne Anwalt in die Finger zu bekommen. Er habe Geier einmal gesagt, Ulvi Kulac werde ohne ihn jetzt gar nichts mehr sagen, erinnerte sich der Anwalt. Geier habe geantwortet: „Sie sind doch auch Vater“ und versucht, ihn emotional unter Druck zu setzen. Das habe ihn sehr geĂ€rgert, sagte Schwemmer.

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Nachtrag zu Prozesstag 4: Rechtsanwalt Euler hielt dem Leiter der aktuellen Ermittlungen im Fall Peggy eine Passage aus einem Verhör mit der Ehefrau eines der derzeitigen Beschuldigen vor, Anke B. SĂŒffisant merkte Euler an, dass hier eher die Zeugin die Beamtin vernehme. Es ging ums die Frage, warum Ulvi Kulac fĂŒr Peggys Verschwinden ĂŒberhaupt verurteilt werden konnte. Das Verhör fĂŒhrte eine Kriminalkommissarin (KOKin). Es erstaunliche Einblicke in die ansonsten verschlossene innere Gedankenwelt mancher Kripo-Ermittler. Ab hier: wörtlich, was der Verteidiger im Gerichtssaal verlesen hat. Weiterlesen