BeitrÀge

Ich hatte ja letztes Jahr schon ĂŒberlegt, ob ich den Journalistenberuf generell an den Nagel hĂ€ngen sollte – weil das Einkommen streckenweise erbĂ€rmlich und der bĂŒrokratische Aufwand streckenweise aberwitzig ist. Jetzt stehe ich wie jedes Jahr vor der verspĂ€teten Frage: Soll ich auch fĂŒr 2016 einen Presseausweis beantragen oder soll ich einfach drauf pfeifen?

Tatsache ist: Wenn ich einen habe, dann vereinfacht das den Zugang zu Gerichtsprozessen. Die Gerichte sind immer manischer darauf fixiert, sich von Journalisten den Presseausweis zeigen zu lassen. Ich hatte dieses Jahr ja schon gelegentlich wieder nervtöttende Diskussionen mit Polizeiwachen, die meinen abgelaufenen Ausweis nicht akzeptierten, andererseits aber auch nicht zufrieden waren, wenn ich dann eben als gewöhnlicher Zuschauer in einen Saal wollte, dann aber wiederum ganz gern was zu schreiben dabeihÀtte.

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Jetzt fallen die Presserabatte auf breiter Front

Darf ich mich kurz rĂŒhmen, das Thema Presserabatte schon im Jahr 2004 kritisch angefasst zu haben? Damals hatte ich noch das GefĂŒhl, gegen die gesamte Kollegenschaft anzuschreiben. Dass ein großes Publikumsmedium sich damit beschĂ€ftigen könnte, habe ich als undenkbar empfunden, weil da ja lauter Kollegen arbeiten, die selber gern und oft ihren Presseausweis zum SchnĂ€ppchen schießen einsetzen. Und jetzt wird endlich doch darĂŒber gesprochen – und prompt kippt ein Rabatt nach dem anderen.

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Die Deutsche Bahn schafft den Journalistenrabatt fĂŒr die Bahncard ab – nach “eingehender Überlegung”, wie es auf der Spezial-Webseite heißt, die die Bahn einst eigens online stellte, damit Journalisten dort ihre ihnen zugedachte Bestechung bestellen konnten. Hintergrund ist die AffĂ€re um die zahlreichen Vorteile fĂŒr Ex-BundesprĂ€sident Christian Wulff und der allgemein um sich greifende SchnĂ€ppchen-Trend vorgeblich privilegierter Gruppen. “Ja, das hat den Stein des Anstoßes zum Schluss noch mal ausgelöst”, formuliert Bahnchef RĂŒdiger Grube etwas umstĂ€ndlich.

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Der Presseausweis ist die Lizenz zum Empfang systematischer Bestechungsleistung (Bild via Presseausweis.org)

Das Portal pressekonditionen.de hat heute die Top-100-Liste der meistgeklickten Spezial-Rabatte fĂŒr Journalisten veröffentlicht. Ganz oben steht Air Berlin, wo Journalisten gegen Vorlage ihres Presseausweises 25 Prozent Rabatt auf ihre privaten FerienflĂŒge bekommen und innerdeutsche Tickets zum Festpreis von 109 Euro. Fast 150.000 Mal wurde es angeklickt. Auf Platz 2 landete die Telekom, die Presseausweisbesitzern verbilligte Online-ZugĂ€nge und TelefonvertrĂ€ge ausgibt, etwa 15 Prozent Rabatt auf ihre  – privaten! –  iPhone-Kosten. Auf Rang 3 findet sich das wirklich lukrative Angebot der Bahn, die Journalisten den Preis fĂŒr ihre – private! – Bahncard 50 halbiert.

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