BeitrÀge

Ich finde die Berichterstattung in eigentlich allen deutschen Medien ĂŒber den Vor-Wahlkampf der Republikaner in den USA ziemlich unsĂ€glich. Kennzeichnend sind pauschale und ĂŒble Wertungen, die vor allem Donald Trump betreffen. GenreĂŒbergreifend lese und höre ich die Einordnung als “Zirkus” oder “Polit-Zirkus”. Bei Google-News finde ich zu einer Stichwortsuche nach “Vorwahlen USA Trump Zirkus” stand heute 461 EintrĂ€ge. Mal wird der Wettstreit der Republikaner-Kandidaten auch als “Schlammschlacht” bezeichnet oder Trump mit einem “Betrunkenen” verglichen. Manche Kollegen, auch der ARD, lehnen sich seit Wochen immer wieder mit der nirgendwo begrĂŒndeten Behauptung aus dem Fenster, Trump sei bei allem möglichen der “Verlierer”. FĂŒr meinen Geschmack haben die betreffenden Kollegen jeden Maßstab und jede professionelle Distanz verloren. Ein paar Gedanken dazu. Weiterlesen

Man muss sich nur die zentralen O-Töne anhören, um zu verstehen, was dieses Mal bei der Wahl zum US-PrĂ€sidenten anders war als vor vier Jahren. Damals fanden beide Bewerber geradezu ikonische SĂ€tze. Der Sieger, Barack Obama, versprach, er kenne ab sofort keine blauen und keine roten Staaten mehr, was fĂŒr demokratische und republikanische Staaten steht, sondern nur noch ein einiges Amerika. Noch markanter war der zentrale Satz seines gescheiterten Herausforderers John McCain (der in deutschen Medien freilich strĂ€flich unter Wert lief): Bisher sei Obama sein Rivale gewesen, ab sofort sei er sein PrĂ€sident. So viel GrĂ¶ĂŸe hatte diesmal keiner der Kandidaten.

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Geben wir’s doch zu: Es ist der pure Neid, der uns auf die US-PrĂ€sidentenwahl starren lĂ€sst. In Wahrheit finden wir so ziemlich alles an der US-Politik besser als an unserer. Da sind vor allem die beiden Kandidaten – die klassische Zusammenstellung fĂŒr’s Duell. Mann gegen Mann. Einer wird gewinnen, der andere verlieren. Wie fad dagegen die WahlkĂ€mpfe in good old Germany: Langweilige Parteien mit langweiligen Programmen, deren immer vier bis sechs an der Zahl, die allesamt schön ausgewogen (langweilig!) berĂŒcksichtigt werden mĂŒssen, egal, ob sie sich wiederholen oder aneinander vorbeireden. Nicht einmal das sogenannte Kanzler-Duell kann es mit seinen Pendants in den USA aufnehmen. Merkel gegen SteinbrĂŒck – mei, wo ist da bitte die Spannung?

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Ausschnitt aus Romneys Homepage: Mehr Jobs und mehr netto

Wer gewinnt die US-PrĂ€sidentschaftswahlen im November? In Deutschland tippt/hofft die Mehrheit vermutlich auf Obama. Dabei sitzen aber viele einem MissverstĂ€ndnis auf. EuropĂ€er (und europĂ€ische Medien und Intellektuelle) pflegen eine traditionelle Abneigung gegen allzu viel individuelle Freiheit und neigen darum den US-Demokraten zu, deren Ausrichtung irgendwie “europĂ€ischer” wirkt. Ich kenne bis auf ein paar Ausnahmen eigentlich nur Leute, die fĂŒr Obama und die Demokraten sind und gleichzeitig die USA generell nicht besonders mögen, weil ihnen das volkstĂŒmliche, manchmal bewusst anti-intellektuelle Yankeetum auf den Geist geht.

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Was tun, wenn einer schon lange Zeit arbeitslos ist? Einen originellen Beitrag zur aktuellen Hartz-IV-Debatte liefert in gewisser Weise das amerikanische Intellektuellen-Magazin “The Atlantic”. Die Kolumnistin Megan McArdle kommt darin zu dem Schluss, dass Vater Staat hier eigentlich gar nichts tun kann. Ihre Perspektive ist – typisch amerikanisch – höchst pragmatisch und zielorientiert. Sie bezieht sich natĂŒrlich nicht direkt auf die deutsche Hartz-IV-Thematik, aber die Debatte in den USA Ă€hnelt gerade sehr der in Deutschland.

Der Blogger Kevin Drum beschrieb das PhĂ€nomen vor einigen Tagen und urteilte: “Massenhafte Langzeitarbeitslosigkeit gehört zu den zersetzendsten Dingen, die ein Land erleben kann. Die Tatsache, dass wir praktisch nichts dagegen tun, ist nicht nur eine Schande, sondern auch gefĂ€hrlich.” Klingt super, antwortet McArdle darauf. “Aber was genau sollten wir da jetzt tun?”

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