BeitrÀge

Ist das Mut? Sind die einfach wahnsinnig? Oder bin ich der Wahnsinnige? Und wie komme ich auf diese Fragen? Es liegt an diesem einen Satz, den NDR-Intendant Lutz Marmor in seiner Sendung “ARDcheck” (merkwĂŒrdige Schreibweise vom Original ĂŒbernommen) sagte:

“Das Geld ist bei uns knapp.”

Nein, ist es bei denen nicht, außer, der Irre bin ich. Sollte ich nicht der VerrĂŒckte sein, dann kann dieser Satz nur einer Parallelwelt entstammen, die weder mit mir noch mit dem Rest der Menschheit zu tun hat. Unter “knapp” verstehen die etwa, dass Marmors Mitdiskutant vom WDR, Tom Buhrow, ein Intendantengehalt von 367 000 Euro jĂ€hrlich einstreicht und damit rund 100 000 Euro mehr als die Bundeskanzlerin. Diesen Umstand kommentierte Buhrow in besagter Sendung lĂ€ssig so, dass die Kanzlerin halt unterbezahlt sei.

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“Wetten dass…?” Was habe ich diese Sendung gehasst! Zeit meines Berufslebens hat sie mich verfolgt. Beim Radio, bei der Zeitung – keine Ahnung, wie oft ich diesen bescheuerten Mist angucken musste oder in der Redaktion herumsitzen und warten, bis der TV-Kritiker diesen bescheuerten Mist kommentierte. Oder ein sogenannter Skandal in dieser bescheuerten Mistsendung passierte, fĂŒr den sich in Wahrheit kein Mensch interessierte. Allein, dass eine Sendung so bescheuert heißen kann. Mit drei PĂŒnktchen und einem Fragezeichen. Wenn man das zum ersten Mal aufschreiben muss, dann merkt man erst, wie bescheuert das aussieht. So bescheuert wie alles, was mit dieser bescheuerten Sendung zusammenhing.

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Ich musste erst herumsuchen, bis ich endlich das Jahrhundert-Tor dieses Paderborner Spielers namens Stoppelkamp gesehen habe. Ich dachte eigentlich, auf der Sportschau-Webseite mĂŒsste ein Video davon zu sehen sein, denn die Sportschau ist doch bekanntlich die große, wichtige Sportsendung der ARD, und wie jedermann weiß, ist die Sportschau ja auch immer die erste Anlaufstelle, wenn man sich nach dem Spieltag die Zusammenfassungen anschauen möchte. Beziehungsweise: FrĂŒher, als ich noch einen Fernseher besaß, war das so.

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sherlock ard

Stimmt, die neue Rundfunkabgabe ist tatsĂ€chlich eine SolidaritĂ€tsabgabe. Es ist so, wie NDR-Intendant Lutz Marmor es sagt. Das ARD-ZDF-Deutschlandradio-Medienanstalten-System ist mit KindergĂ€rten und UniversitĂ€ten vergleichbar. Auch da zahlt ja jeder Steuerzahler, ohne deshalb von Erzieherinnen beaufsichtigt oder von Professoren ausgebildet zu werden. Darum tĂ€uscht sich Henrik M. Broder, der Marmors GebĂŒhren-Rechtfertigung als NarrenstĂŒck abtut. Denn der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat mit der neuen GebĂŒhr, die mit dem Neuen Jahr gilt, tatsĂ€chlich erst den Status aller sonstigen öffentlichen Einrichtungen erreicht – nicht im Scherz, sondern ernsthaft.

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Unkritische Geister nennen Hannes Jaenicke Multitalent. Was er nicht alles macht: Schauspielern, fĂŒrs ZDF Dokus produzieren, als Aktivist die Welt verbessern. Er ist Actionheld und Medienstar, Helikopterpilot und Intellektueller. Ein hybrides Wesen, das eigens fĂŒr schlichte Geister erfunden wurde. Bei RTL ballert er sich durch billige Effektfilme. Das ZDF lĂ€sst ihn den Naturforscher simulieren. Und ihm selber genĂŒgt es nicht, eine Rolle nach Drehbuch zu spielen, sondern er tut so, als verkörpere er in einem Fiction-Drama sich selbst und als sei die Fiktion höchstens halb fiktiv.

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WĂ€hlerwille, Parlamentarisches System, Gewaltenteilung – das sind fĂŒr Medienpolitiker offenbar nur noch WorthĂŒlsen. Dieser Eindruck drĂ€ngt sich auf, wenn man liest, was der sĂ€chsische Staatskanzleichef Johannes Beerbaum in einem Gastartikel in der FAZ ĂŒber die Rolle von ARD und ZDF schreibt.

VordergrĂŒndig erweckt er den Eindruck, es gehe ihm darum, die AuswĂŒchse des GEZ-gedopten Staatsmedienmonsters zu beseitigen: Das Leerkaufen der RechtemĂ€rkte fĂŒr Filme und Serien aus Hollywood, die Preistreiberei bei den attraktiven Sportrechten, die Sucht nach immer mehr AusspielkanĂ€len, die Trivialisierung der Hauptprogramme, die Auslagerung der wichtigen Inhalte in SpartenkanĂ€le. Das ist alles richtig erkannt, aber fĂŒr Beerbaum nur Fassade. TatsĂ€chlich geht es ihm darum, den 15. RundfunkĂ€nderungsstaatsvertrag und das System zu retten. Offenbar bemerkt Beerbaum den wachsenden Widerwillen gegen die Medienpolitik der LĂ€nder. Unangenehme Debatten will er fĂŒr die Zukunft ausschließen, weshalb er offen die verfassungswidrige Entmachtung der Parlamente fordert.

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BundesprÀsident und ZDF inszenieren Urlaubs-Interview-Show

Jetzt werden in den staatlichen Anstalten wieder die alljĂ€hrlichen Urlaubsinterviews gesendet, in denen sich die höheren Chargen der Sender mit den höheren Chargen der Politik in Wichtigkeitspose prĂ€sentieren. Dem ZDF und dem BundesprĂ€sidenten ist dabei eine hĂŒbsche Innovation gelungen, nĂ€mlich die Abschaffung einer bisher notwendigen echten Urlaubssituation. FĂŒr das Wulff-Interview flogen zwar alle Beteiligten auf BĂŒrgers Kosten auf die Nordseeinsel Norderney, dĂŒsten aber gleich wieder aufs Festland zurĂŒck, nachdem die Show abgezogen war. In der sagte Wulff sogar den Satz: “Ja, ich freue mich sehr auf die Tage jetzt mit der Familie, mit den Kindern, und es ist auch immer eine gute Gelegenheit, mal innezuhalten.” Es war die Antwort auf die ach so originelle Frage von ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten, ob er “reif fĂŒr die Insel” sei. Halten wir fest, dass die oberste ZDF-Journalistin und der oberste ReprĂ€sentant des Staates beim Verarschen des Publikums miteinander paktieren. Wundert sich jemand?

Ist es spĂ€te Einsicht, die WAZ-Chef Christian Nienhaus treibt, oder spĂŒrt er, dass sein Kooperationspartner WDR ihm die Luft abschnĂŒrt? Der dpa sagte der Zeitungsmann, die kĂŒnftige MediengebĂŒhr, die jeder Deutsche ab 2013 an die staatlichen Rundfunkanstalten zahlen soll, werde fatale Konsequenzen haben. “Wir kommen zu einer staatlich verordneten Mediengesellschaft, wo der öffentliche Sektor die Medien domininiert, weil Politiker in den Aufsichtsgremien eine große Rolle spielen.” Damit hat Nienhaus zweifellos recht. Nur: Wie passt das dazu, dass ausgerechnet sein Haus so eng mit dem öffentlich-rechtlichen WDR kooperiert und sich als zusĂ€tzliche Abspielstation fĂŒr die Staatsfunker im Netz zur VerfĂŒgung stellt?

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Swingerclub-Szene aus dem Film Elementarteilchen: Noch mehr staatsmediale Herzpunkte hÀtte es gegeben, wenn Kinder dabei wÀren

Die Live-Reportage des SWR aus einem Swinger-Club war kein Ausrutscher. Sie fĂŒgt sich vielmehr in eine stringente Logik und einen langfristigen Plan. Meedia enthĂŒllt, dass der SWR 2006 ein Strategiepapier verabschiedete, das seiner Landesschau mit “Herzpunkten” zu PopularitĂ€t verhelfen sollte. Unter “Herzpunkte” muss man sich eine Liste von sieben Attributen und Thematiken vorstellen, denen die Planer des Staatssenders fĂŒr die BundeslĂ€nder Baden-WĂŒrttemberg und Rheinland Pfalz regelrechte Wunderwirkung zusprechen. Einer dieser Herzpunkte nennt sich “Sex & Crime”. Ein anderer heißt “Kinder”. Je mehr Herzpunkte ein Beitrag anspricht, desto besser, heißt es in dem Papier. Die Live-Reportage aus dem Swinger-Club soll zudem intern damit gerechtfertigt worden sein, man mĂŒsse mehr die “Mitte der Gesellschaft” ansprechen.

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Jeder vierte Ostdeutsche stehe der Marktwirtschaft bis heute kritisch gegenĂŒber, resĂŒmierte gestern Abend die ZDF-Reportage “Beutezug Ost”. Schuld sei die Treuhandanstalt, die schnelle EinfĂŒhrung der D-Mark, die Abwicklung der DDR-Industrie. Es ist die immer gleiche Legende, die exakt von denen gesponnen wird, die im Osten wie im Westen schlicht eines nie wollten: Die deutsche Einheit. Der Film stellte Unternehmen vor, die, so die Autoren, beispielhaft fĂŒr die WettbewerbsfĂ€higkeit der DDR-Industrie stĂŒnden. Ein frĂŒherer DDR-Staatsbanker lobte, die DDR habe ihren Bedarf aus sich selbst heraus erwirtschaften können, anders, als die heutigen ostdeutschen BundeslĂ€nder, die auf Geld aus dem Westen angewiesen seien.

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