Raab und Lena haben den Wettbewerb nach Deutschland geholt. Die ARD, die jahrelang versagte, missbraucht den Erfolg für ihre internen Intrigen

Es mag vielleicht gute Gründe dafür geben, dass Deutschland den Eurovisions-Song-Contest nächstes Jahr in Düsseldorf statt in Berlin ausrichtet. Den ARD-Intendanten, die sich jetzt für Düsseldorf entschieden, sind allerdings keine eingefallen. Auch nicht der Intendantin der Berlin-Brandenburgischen Anstalt RBB, Dagmar Reim. Der Grund, den sie nennt, ist jedenfalls keiner: „Dass Berlin nicht zum Zuge kommt, hängt schlicht mit den Platzverhältnissen zusammen.“

In der Pressemitteilung des RBB heißt es dann allerdings weiter: „Entscheidend für Düsseldorf waren finanzielle Gründe“. Was denn nun? Platz oder Kohle?

Ausgerechnet Platz gehört ja zu den wenigen Dingen, von denen die Hauptstadt mehr als genug hat. Als es freilich daran ging, die Schauplätze festzulegen, entschied sich Berlin für ein Stück des alten Flughafens Tempelhof, Düsseldorf dagegen für das Fußballstadion. Die Flughafen-Variante hätte Platz für 9000 zahlende Zuschauer geboten, die Stadionvariante biete 24.000 verkaufbare Plätze. „Die Einnahmen durch Kartenverkauf können in Düsseldorf so erheblich sein, dass Berlin für die ARD um Millionen teurer wäre“, meint die Intendantin.

Das ist ein starkes Stück. Demnach plant die ARD die Eurovision offenbar nicht als Fernsehereignis. Im Vordergrund steht, wie viel Eintrittsgeld sich mit dem Song Contest machen lässt. Aber auch 24.000 Zuschauer sind lächerlich gegen die Millionen, die europaweit am Fernsehen sitzen. Die werden jetzt mit einer sterilen Stadion-Atmo abgespeist. Da hätte Tempelhof weit bessere Bilder geboten. Komische Priorität für eine Fernsehanstalt.

Angeblich fiel die Entscheidung in einer Telefonkonferenz der Intendanten. Aber das darf man wohl getrost bezweifeln. Offenbar war die Nummer von längerer Hand gefingert. Verräterisch war ja, als sich der pummelige Elton beim Bundesvision Song Contest vor einigen Tagen böse verquatschte. Da vorfreute er sich mit dem Gewinner Unheilig aus NRW schon, dass dann nächstes Jahr Bundes- und Eurovisionswettbewerb am Rhein ausgetragen werden. Stefan Raab dementierte gleich danach pflichtschuldig, aber die Katze war aus dem Sack.

Es dürfte wohl eher so gewesen sein, dass der monströse WDR den Wettbewerb aus Profilierungsgründen bei sich haben wollte. Wenn schon der NDR immer der deutsche Ausrichter ist, dann wenigstens der WDR als Standort, wenn der Titel in Deutschland verteidigt wird. Der Erfolg von Raab und Lena ist damit in der politischen Intrigenmühle der ARD angekommen.

Warum traut sich eigentlich kein Bundesland, den Staatsvertrag zu kündigen und über einen Neustart des öffentlich-rechtlichen Systems nachzudenken? Der Wähler, von der Staatsfunk-Supersteuer bedroht, würde das sicher begrüßen.

1 Antwort

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] This post was mentioned on Twitter by bitterlemmer, bitterlemmer. bitterlemmer said: Wie Lena und die Eurovision von der ARD-Intrigenmühle zermahlen werden http://t.co/vMO6mDJ […]

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Gesetzliche Pflichtmeldung: Sternchen heißt Pflichtfeld

*

Aha.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .