Die Stereotypen, die die Bundesregierung für diskriminiert hält: Zuwanderer, Alte, Behinderte, Jugendliche, Juden, Frauen und Schwule. Heterosexuelle nichtjüdische deutschstämmige Männer in den besten Jahren sind die einzige Gruppe, die fehlt

Vermutlich ist die Antidiskriminierungsstelle (ADS) der Bundesregierung die überflüssigste Behörde der Welt, auch, wenn sie sich selber vermutlich für die wichtigste Behörde der Welt hält. Jedenfalls gibt sie Millionen Euro für Studien aus, beschäftigt sich intensiv damit, aufzuklären, wer alles diskriminiert wird und informiert gern diejenigen, die sich keineswegs diskriminiert fühlen, darüber, dass sie das unwissenderweise sehr wohl sein könnten.

Ein paar echte Höhepunkte hat die FAS herausgefieselt:

  • Anzahl der sich diskriminiert Fühlenden, die sich täglich bei der ADS melden, durchschnittlich seit Gründung dieser Behörde im Jahr 2006: Vier
  • Anzahl der Mitarbeiter: 23
  • Jahresetat (Steuermittel): 2,6 Millionen Euro pro Jahr
  • Häufigste Beschwerdegründe: Männer, die Frauenparkplätze und Nichtbehinderte, die Behindertenparkplätze nutzen wollen
  • Größter Erfolg vor Gericht: Die Zusage in einer Stellenausschreibung, ein Job biete die Möglichkeit, “eigene Ideen und Vorstellungen in ein junges, erfolgreiches Team einzubringen”, wurde als diskriminierend und damit Verstoß gegen das Anti-Diskriminierungsgesetz gewertet. Ein nicht berücksichtigter Bewerber bekam als Schadensersatz zwei Monatsgehälter zugesprochen. Ob “jung” oder “erfolgreich” als diskriminierendes Attribut zu werten sei, ist nicht überliefert.
  • Kosten einer Studie, die ermittelte, wie viele Deutsche die ADS kennen: 300.000 Euro
  • Ergebnis dieser Studie: Praktisch niemand
  • Werturteil derjenigen, die die ADS kennen, über ihre Arbeit: Mangelhaft. Die Bürger fühlen sich vor allem gegängelt.

Ganz diskriminierungsfrei scheint die ADS selber nicht zu sein. Männer ohne Minderheitenattribute werden grundsätzlich nur als Täter genannt. Etwa bei dem Versuch, die Frage zu beantworten, was Diskriminierung eigentlich sei. Als Beispiel für sexuelle Diskriminierung beschreibt die Regierungsdienstelle das: ” Im Beisein ihrer Kollegin machen männliche Angestellte anzügliche Bemerkungen. Darüber hinaus schicken sie ihr E-Mails mit pornografischem Inhalt.”

Da ist es beruhigend, zu erfahren, die ADS habe sich daran gemacht hat, “Forschungslücken zu schließen”. Jetzt wörtlich: “Im Rahmen der Forschungsreihe unterstützt die ADS gemeinsam mit der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin und anderen eine Untersuchung zu Diskriminierungserfahrungen von lesbischen, bisexuellen Frauen und transidenten Menschen”, heißt es da.

Klagen von Männern, sie würden als Gleichstellungsbeauftragte nicht berücksichtigt, sind für die ADS unbeachtlich. Darin liege keine Diskriminierung, derartiges folge vielmehr dem “Urteil der Gesetzgeber”.

Wer sich näher mit der Webseite der ADS beschäftigt, findet weitere Ungereimtheiten. Da wird etwa unter dem Schlagwort “Anonymisierte Bewerbungsverfahren” festgestellt, ein türkischer Name senke die Chancen auf ein Vorstellungsgespräch um 14 Prozent, in kleinen Unternehmen sogar um 24 Prozent. Wie diese Zahlen gemessen wurden verschweigt die Seite. Die Kriterien für diese Bewertung fehlen. Die Autoren berufen sich auf eine Studie des “Instituts zur Zukunft der Arbeit”. Am Seitenrand findet sich ein Link zu einer Zusammenfassung dieser Studie. Auch diese Zusammenfassung liefert keine verwertbare Information. Es werden einige Modellversuche erwähnt, freilich ohne Details oder Ergebnisse, sodann wird bedauert, dass “die Effekte einer Einführung eines derartigen Verfahrens nach wie vor empirisch noch nicht gründlich genug erforscht sind”. Die Behauptung, das “Ausmaß der Diskriminierung am Arbeitsmarkt” sei “weiterhin erheblich” wird an keiner Stelle auch nur versuchsweise belegt. Nachdem in vier Jahren mehr als zehn Millionen Euro ausgegeben wurden, sollte man mehr erwarten können.

Ihre Forderung nach anonymisierten Bewerbungen versucht die Regierungsbehörde dann so schmackhaft zu machen: “Denn vielfältige Teams arbeiten nachweislich besser und erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit.” Auch dafür fehlt ein Beleg. Außerdem begibt sich die ADS hier endgültig auf Glatteis, denn sie maßt sich an, Geschäftsleitungen per Zwangsdrohung vorzuschreiben, wie sie ihre “Wettbewerbsfähigkeit” zu verbessern hätten.

Ausgerechnet.

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