Stabilität zuerst: Obama (Mitte) letzten September mit Mubarak, Benjamin Netanyahu, Palästinenser-Chef Mahmut Abbas und Jordaniens König Abdullah II. (v.li.)

Politiker sind entweder alte Herren oder Damen oder junge Herren und Damen, die “born old” aussehen. Möglicherweise rührt daher auch die globale Solidarität des Clubs der alt geborenen Mächtigen. Mubarak gehört dazu. Obama gehört dazu, von dem zu lesen ist, er verliere gerade die Geduld mit Mubarak, was aber wohl nur daran liegt, dass in seinem Land niemand verstehen würde, wie man für einen brutalen Prügel-Diktator sein kann. Die EU-Regierungschefs gehören dazu, die letzte Woche eine endpeinliche Schau abzogen, als sie sich nicht zu einem halbwegs verständlichen Satz zur ägyptischen Revolution durchringen konnten.

Es sind dieselben Damen und Herren, die die Staatsschulden auftürmen. So hoch, dass die Herrschaften  garantiert nicht mehr zu Lebzeiten erleben werden, wer die mal abzahlt. Das Schuldenmachen auf Kosten der Jungen hat viel gemeinsam mit dem gichtigen Festkrallen an der Macht und der Abneigung gegen Veränderung und Bewegung. Beides entspringt dem zeitlichen Horizont der Handelnden. Der reicht für vielleicht zwei, höchstens drei Dekaden. Danach möge die Sintflut hereinbrechen. Wer in der prächtigen Gruft verschimmelt, kann nicht mehr ertrinken.

“Stabilität” heißt das Zauberwort, dass diese Leute lieben. Das klingt, um es mit Angela Merkel zu sagen, so schön “alternativlos”. Aber die Gretchenfragen können sie nicht beantworten. Wie lange würde ein neuer alter Herrscher  Ägypten “stabil” halten können? Wie kommen ausgerechnet westliche Regierungechefs auf die Idee, es sei akzeptabel, Menschen mit der Knute zu unterjochen?

Wie fatal es ist, wenn immer nur zukunftslose alte Herrschaften regieren, zeigt der Nahost-Konflikt übrigens besonders deutlich. Hier ist Stabilität gleichbedeutend mit einer schon lange unerträglichen Friedensverweigerung. Die alten Herren blockieren alles, was ihre persönlichen Pfründe schmälern würde, vor allem auf der arabischen Seite. Wie kann es eigentlich sein, dass PLO-/Fatah-Chef Arafat nach seinem Ableben ein mehrstelliges Millionenvermögen hinterließ? Dito Mubarak in Ägypten, dessen Festhalten am kalten Frieden mit Israel ihn 30 Milliarden zusammenraffen ließ.

Nebenbei: Eine der Ursachen für den Dauerkonflikt in Nahost ist die israelische Wohlstandsdemokratie. Eine solche Staatsform haben die arabischen Potentaten immer gefürchtet. Eine ihrer Sorgen ist bis heute, das Modell der israelischen Demokratie könne auf ihre Länder überspringen. Vielleicht ist es genau das, was jetzt gerade passiert.

Was unsere Staatslenker als Stabilität verkaufen, ist nichts anderes als das Aufschieben des Knalls auf spätere Zeiten. Das Problem wird nicht gelöst, sondern vertagt, ebenso wie bei den Staatsschulden. Alter hat offensichtlich weniger mit Weisheit zu tun, als man allgemein so glaubt. Weder im Orient noch im Okzident.

4 Kommentare
  1. Georg Ka. sagte:

    Der Witz ist ja das Ägyptens quasi-Frieden mit Israel Mubarak einen großen Teil der Milliarden eingebracht hat. Der Westen hat die Situation stark mitverschuldet und es ist kein Wunder, dass weder Obama noch Merkel sich sofort hinter die Revolution gestellt haben.

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