Kanzlerin sucht Worte: Wie begründen, dass alle Alternativlosigkeiten jetzt dringend einer Alternative bedürfen? | Foto: Lemmer

Wie oft haben wir gehofft oder gebangt, dass endlich Schluss ist mit der Lieblingssportart unserer Politiker – dem Krisenhangeln. In der Privatwirtschaft (nur kleinere Unternehmen, die nicht „too big to fail sind“) nennt man das Konkursverschleppung und steckt die Akteure ins Gefängnis. Selbst, wenn das nicht so wäre, würden Pleitiers ihre Läden irgendwann erledigt haben – dann nämlich, wenn der letzte Cent ausgegeben und der letzte Kreditgeber die Flucht ergriffen hat. Das wird jetzt wohl in Griechenland passieren. Und dann will auch noch Spanien unter den Rettungsschirm, dem jetzt schon die Mittel ausgehen. Beides zusammen wäre dann wohl der Euro-Bang.

Was Spanien betrifft: Da redet der französische Außenminister schon davon, dass der Rettungsschirm wieder einmal um irgendeinen irrwitzigen Milliardenbetrag erhöht werden soll. Zum wievielten Mal hören wir jetzt, dass die oberste aller obersten Obergrenzen erhöht werden soll? Zum wievielten Mal beteuern Politiker, dass das nicht in Frage käme, um es dann als alternativlos zu dekretieren?

Und das mit immer bescheuerteren Begründungen. Angela Merkel meinte einmal, sie habe sich intensiv mit der Thematik beschäftigt und wisse, was sie tue. Der Europaparlamentarier Alexander Graf Lambsdorff bescheinigte dem Bundesverfassungsgericht, es habe keine Ahnung v0n der Materie. Nicht anders begründete der Adel einst seinen gottgnädigen Machtanspruch, bevor die Revolutionen das Pack zum Teufel jagte und das Volk Mitsprache durchsetzte – was der Entwicklung der Staatswesen ziemlich gut getan hat.

Ist es ein Zufall, dass das Bundesverfassungsgericht ausgerechnet jetzt das Bundeswahlgesetz für ungültig erklärt hat? Dieses Schacherer-Werk, das nur dafür gemacht ist, auf möglichst undurchsichtige Weise zu verschleiern, wie das Parlament tatsächlich zusammengesetzt wird? Und wie verlogen die Debatte darum schon wieder ist: Da muss sich einerseits schwarz-gelb hochpeinlich ertappt fühlen, weil diese beiden das derzeitige Machwerk verfasst haben. Aber andererseits startet die SPD mit derselben Sorte Taschenspielertrick in die Verhandlungen und verlangt Ausgleich für Überhangmandate. Der einen Kompliziertheit soll noch eine Kompliziertheit oben draufgesetzt werden – typisch Sozi.

Möge die politische Hybris an Griechenland zerschellen. Und mit ihr der Wahn, es jedem rechtmachen zu wollen und genau darum nur noch bürokratischen Mist zu produzieren. Wie wäre es stattdessen mit einem verständlichen Wahlrecht – Mehrheits- oder Verhältniswahl, und zwar möglichst pur? Wie wäre es mit einen Steuer- und Fiskalrecht, das auch Normalmenschen durchschauen? Wie wäre es überhaupt mit Einfachheit und Klarheit? Wann kommt bei Politikern an, was Designer und Produktentwickler aller Gattungen seit Jahren erfolgreich praktizieren?

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