Erstaunlich: Deutschland ist einer der Hauptschuldigen an der Finanzkrise, weil seine Wirtschaft so gut funktioniert. Das, so behauptet die ftd, würden „Experten“ sagen und Alarm schlagen. Auslöser sind die neuen Außenhandelszahlen. Die sehen Deutschland als Exportweltmeister mit einem deutlichen Überschuss in der Handelsbilanz.

Leider findet die ftd nur einen einzigen „Experten“ für die steile These, Deutschlands Export sei für die Krise verantwortlich, nämlich den gewerkschaftsnahen Wirtschaftsweisen Peter Bofinger. Bofinger beklagt, die Deutschen würden zu wenig Geld in die Läden tragen. Ich stelle ungern in Frage, was ein anerkannter Ökonomieprofessor sagt, aber der Zusammenhang mit der Finanzkrise ist mir damit nicht klargeworden. Die ist ja vor allem eine Schuldenkrise, was außer Bofinger praktisch alle anderen Ökonomen mit und ohne Professorentitel konstatieren.

Die ftd zitiert in ihrem Artikel dann noch zwei weitere „Experten“. Da ist zum einen Gregor Eder von der Allianz. Wer genauer nachliest, sieht, dass der aber nichts zu dem Vorwurf sagt, der deutsche Export verursache die Finanzkrise. Er stellt nur nüchtern fest, dass deutsche Investoren zunehmend Geld in China anlegen. Und zum anderen Christina Otte von der Außenhandelsagentur GTAI. Sie sagt, China habe seine Löhne erhöht und die Umweltstandards heraufgesetzt und sei darum kein Billigland mehr. Offenbar fand der ftd-Kollege keine Experten, die sagten, was er hören wollte, was ihn aber nicht davon abhielt, so zu tun, als ob.

Schwach. Wer eine derart krude These in die Welt schleudert, sollte sie besser belegen können als mit einer uralten Feststellung von Peter Bofinger, der in dieser Frage immer ein Außenseiter war. Völlig irre wird die Geschichte freilich, wenn man liest, dass die EU-Kommission nunmehr eine Ermahnung gegen Deutschland plane. Das behauptet Spiegel Online unter Berufung auf die ftd, wobei sich diese Behauptung jedenfalls nicht im Online-Artikel der ftd findet. Womöglich ein Stille-Post-Effekt?

Es wäre auch ein Skandal erster Güte. Es wäre nichts anderes als würde die Bundesregierung BMW und Volkswagen ermahnen, gefälligst auf Opel-Niveau zu arbeiten, damit Opel endlich wieder eine Chance auf höhere Marktanteile bekäme. Oder gegen die DM-Drogeriekette eine Strafe verhängte, weil deren schönere Läden für die Schlecker-Pleite verantwortlich gewesen wären.

Aber vielleicht haben wir es nur mit dem Wunschdenken einiger Journalistenkollegen zu tun, die sich ihren Coup mangels Story einfach aus den Fingern gesaugt haben.

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