Da werden diverse Sektkorken geknallt haben, als unsere Politiker heute früh wieder mal ein Griechenland-Hilfspaket verabschiedeten. Der Konkurs ist wieder einmal verschoben. Und wieder einmal tun die Verantwortlichen so, als könnten sie einen überschuldeten Staat entschulden, ohne seine Schulden zurückzuzahlen. All diese Pakete, Instrumente und Konstruktionen dienen in Wahrheit ja immer nur dem einen Ziel, eben genau dies zu verschleiern – aus unterschiedlichen Motiven.

Die Bundesregierung und Angela Merkel möchten auf keinen Fall den Eindruck erwecken, der Steuerzahler müsse mal wieder griechische Schulden bezahlen, weil ja nächstes Jahr gewählt wird und jedermann weiß, dass die Deutschen dazu nicht bereit sind. Darin steckt schon so etwas wie Komik, denn eigentlich könnte es Angela Merkel egal sein, weil die SPD vermutlich noch viel freigiebiger mit dem Steuergeld der Deutschen wäre. Darum ist es nicht besonders überraschend, dass die SPD im Bundestag dem neuen Hilfspaket zustimmen wird. Und wenn Fraktionschef Frank Walter Steinmeier heute früh erklärt, der sogenannte Schuldenschnitt sei nur auf die Zeit nach der Wahl verschoben, um den Wähler mal wieder hinzuhalten, hat er vermutlich recht. Zu ergänzen wäre, dass er das nur aus Wahlkampftaktik heraus so sagt. Wäre er an der Regierung, würde es Angela Merkel sagen und es wäre auch egal.

Beschlossen wurde, dass Griechenland unbegrenzt weiter neue Schulden machen darf. Anders kann man das nicht ausdrücken, und anders hat das auch niemand gesagt. Nur eben hübscher verpackt. Griechenland muss lediglich das Ausmaß der Neuschulden etwas einschränken. Aber nirgendwo ist die Rede davon, dass mit Schulden Schluss ist, und nirgendwo ist die Rede davon, dass die anderen Euro-Staaten nicht weiter die Sicherheiten dafür liefern. Denn eigene Sicherheiten hat Griechenland schon lange nicht mehr. Zurzeit bekommt das Land hauptsächlich von seinen inländischen Banken immer neues Geld. Das leihen sich die griechischen Banken bei der EZB. Als Sicherheiten hinterlegen sie entweder Schuldverschreibungen der griechischen Regierung oder bankeigene Papiere. Weder das eine noch das andere gilt im Finanzmarkt noch als Sicherheit, weil weder der griechische Staat noch die griechischen Banken als solvente Kunden gelten. Der EZB ist das egal – weil die Regierungen es so wollen.

Die wollen das deshalb so, weil sie nichts mehr fürchten als den Tag, an dem ihr Schuldengebilde doch zusammenbricht. Es ist gespenstisch, was quer über den Globus gerade passiert. USA, Japan, Europa – die Staaten haben den Verstand verloren. Die Politik flunkert den Völkern weltweit vor, alles werde irgendwie gut. Dabei wird es immer schlimmer, je länger der Tag der Wahrheit herausgezögert wird. Die Kaste der Politiker ist eine Kaste von Feiglingen geworden.

Und zu einer Kaste von Fixern der Droge Macht. Der Rausch, den Limousinen und Regierungsjets in den Hirnen ihrer Herren auslösen, macht offensichtlich süchtig. Das Gefühl, Milliardenwerte verschieben zu dürfen, die einem nicht gehören, scheint den Geist zu korrumpieren. Die alle vier Jahre stattfindenden Wahlen lösen offenbar schiere Existenzängste aus, so, wie sich ein Heroinsüchtiger über die Nachricht über die Zerstörung eines Mohnfeldes in Afghanistan auch nicht gerade amüsieren wird.

Nur weiß der Fixer natürlich aus Erfahrung, dass sein Stoff dennoch nicht versiegen wird. Es gibt ja zum Glück noch mehr Mohnfelder. Und auch morgen wird der Dealer es schaffen, wieder eine Ration zu liefern. Der nächste Tag ist bisher noch immer gekommen. Und dann der wieder nächste Tag. Und so weiter. Warum sollte sich daran etwas ändern? Wir hangeln uns von Tag zu Tag, und weil es gestern gutging, wird es auch morgen so sein. „Morgen bricht für alle Griechen ein neuer Tag an“, sagte Griechenlands Regierungschef Antonis Samaras, als die Euro-Regierungen die nächste Lieferung nach Athen freigegeben hatten. Was für eine Aussage! Wer will da widersprechen! Ja, tatsächlich, auch morgen wird die Sonne wieder aus dem Mittelmeer steigen und das Land mit seinen goldenen Strahlen wärmen. Wieder ein Tag, an dem der Trip weitergeht. Hangeln von Tag zu Tag. Das Leben eines hochgradig Suchtkranken. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sollte ihre Kampagne gegen Spielsucht sofort beenden und sich der viel gefährlicheren Politiksucht zuwenden. Aber das wird sie natürlich nicht tun, denn sie gehört ja auch dem Junkie-Kollektiv namens Bundesregierung.

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