kim drohneDie übliche Reaktionsroutine funktioniert so: Ein westliches Land kauft in großem Umfang Waffen, und die üblichen “Kritiker” befürchten ein “Wettrüsten”. “Wettrüsten” ist immer schlecht, weil es den “Frieden” gefährdet. Nutzen hat allein die “Rüstungsindustrie”, während sich die “Lebensumstände” der Menschen verschlechtern. Aktuell geht es um Korea. Der westlich gesinnte Süden will für 1,2 Milliarden Dollar Drohnen in den USA kaufen, um überwachen zu können, was der östlich gesinnte Norden so treibt. Die Kritiker des Geschäfts sind zwar offenbar noch in der Deckung, aber Spiegel Online schreibt schon mal, es gebe sie, ohne allerdings auch nur einen namhaft zu machen. Vielleicht hat die Redaktion über die Feiertage auch noch niemanden erreicht, der sich mit einer kritischen Äußerung zitieren lassen wollte. Und womöglich könnte es sowieso ganz anders sein – dass nämlich ein Wettrüsten der beiden Koreas für die Menschen und den Frieden in Wahrheit gut ist.

Erinnern wir uns an den Fall des Eisernen Vorhangs in Europa. Das war eine unmittelbare Folge des Wettrüstens zwischen Ost und West. Am Ende gewann das bessere System, nämlich das westliche. Es war das in jeder Hinsicht bessere System. Es schaffte mehr Wohlstand, mehr Freiheit und mehr wirtschaftliche Kraft. Wohlstand und Freiheit sorgten dafür, dass die Menschen vergleichsweise gern hier lebten, was an der Fluchtrichtung abzulesen war. Meistens flohen Menschen von Ost nach West, nicht umgekehrt. Und die überlegene wirtschaftliche Kraft mündete am Ende in zunehmend überlegenen Waffensystemen. Die Herrschercliquen der kommunistischen Parteien in Osteuropa mussten um ihr eigenes Leben fürchten, sollten sie auf die Idee kommen, den Westen anzugreifen. Zwar konnten sie über längere Zeit ihren Rüstungssektor auf Kosten der Bevölkerung ausbauen, und zwar in einer Dimension, die jede westliche Regierung sofort um ihre Macht gebracht hätte, aber wegen ihrer korrupt-zentralistischen Kommandowirtschaft reichte es am Ende doch nicht.

Das Wettrüsten gegen den Sowjetblock mag die Versorgung der Menschen in den Ostländern vorübergehend verschlechtert haben, aber heute geht es ihnen besser als je zuvor. Dank des Zusammenbruchs ihrer alten Regime wurden die Ostländer westlich. Und bis auf ein paar enttäuschte und entmachtete Kader will niemand zu den alten Zuständen zurück.

Nicht anders verhalten sich die Dinge in Korea. Die stalinistische Kim-Sippe hat nur insofern mehr Glück, als ihre Schutzmacht China stabiler dasteht als zuvor das Sowjetreich. Aber niemand sollte glauben, dass das für die Ewigkeit gemacht ist. Das glaubte der politische und publizistische Mainstream auch von der Mauer, der DDR und dem Warschauer Pakt. Nord-Korea aber hat ebensowenig eine Existenzberechtigung wie die DDR. Das Kim-Regime ist vom Volk nicht zur Herrschaft legitimiert, ebensowenig wie die SED zur Herrschaft über einen Teil Deutschlands legitimiert war. Es existiert allein dank Gewalt und Terror, nicht anders als die untergegangene DDR-Führung. Wer kann, der flieht – nicht anders war es in Deutschland. Wer bei der Flucht erwischt wird, muss um sein Leben bangen – was auch hierzulande so war.

Je schneller Nord-Korea zusammenbricht, desto besser ist es. Denn je länger das Trauerspiel dauert, desto teurer und langwieriger wird es hinterher für Süd-Korea, den Norden in westliche Gepflogenheiten einzugliedern. Darum sind die 1,2 Milliarden Dollar für ein Drohnensystem vermutlich gut investiert. Darum könnte alles sinnvoll sein, das ein Wettrüsten vorantreibt, denn es würde die Ressourcen des Regimes in Pjöngjang aufzehren, einen der letzten stalinistischen Terrorstaaten aushöhlen und dank des bewährten Abschreckungsszenarios den Frieden sichern – ohne sich dem Aggressor unterwerfen zu müssen.

Gut übrigens, dass der US-Präsident, der das Drohnengeschäft jetzt durchsetzen will, Barack Obama heißt. Säße ein Republikaner im Weißen Haus, würde er zwar vermutlich dasselbe tun, aber die üblichen Kritiker hätten sicher auch über die Feiertage Zeit gehabt, um die üblichen Reflexe zitabel zu machen.

1 Antwort
  1. Lehrke sagte:

    Nun, den “Kritikern” mag man inzwischen genauso wenig zuhören wie den “Märkten” und “Beobachtern”, weil (böser Verdacht) doch nur Journalisten dahinter stecken. Oder Günther Grass ;-) 

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