Seine Kanzlei wurde durchsucht, in erster Instanz wurde er verurteilt, das Berufungsgericht stellte das Verfahren  gegen Zahlung einer Geldbuße ein: Einer der Nebenkläger-Anwälte im NSU-Verfahren hatte in eigener Sache vor Gericht zu kämpfen. Und er vermutet, dass das kein Zufall ist.

Zur Vorgeschichte: Anwalt Yavuz Narin verteidigte in einer anderen Sache einen Mandanten vor dem Amtsgericht Dachau wegen Körperverletzung. Eine Ärztin übergab ihm ein Attest, ohne, dass die Patientin sie von der ärztlichen Schweigepflicht enthoben hatte. Dieses Attest brachte er als Beweismittel in den Prozess ein. Daraus leitete die Staatsanwaltschaft den Vorwurf des Geheimnisverrats ab. Anwalt Narin habe der Ärztin das Attest mit der falschen Behauptung abgeschwatzt, er vertrete ihre Patientin vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft München II klagte ihn in Dachau an, wo er in erster Instanz verurteilt wurde. Nunmehr folgte das Berufungsverfahren in München, bei dem der er erwähnte Deal geschlossen wurde – mit dem Resultat, dass die Staatsanwaltschaft die Anklage fallen ließ.

Narin vermutet, die Justiz habe nur einen Vorwand gesucht, um sein Büro durchsuchen zu können. Das bestreitet der Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, Ken Heidenreich. Indem er die Ärztin getäuscht haben soll, habe er gegen Paragraf 203 des Strafgesetzbuches verstoßen. Das wiederum weist Narin vehement zurück. Er habe die Ärztin nicht getäuscht, und das habe sie auch ausgesagt. Staatsanwaltschaft und das Dachauer Gericht hätten ihre Aussage aber ignoriert. Nicht beantworten konnte der Staatsanwalt, warum seine Behörde die Ärztin ungeschoren ließ – denn sollten die Vorwürfe gegen Narin zutreffen, hätte sie gegen die ärztliche Schweigepflicht verstoßen.

Am Ende war es dann die Staatsanwaltschaft, die dafür sorgte, dass das Verfahren geräuschlos aus der Welt geschafft wird. Gleich zu Beginn der Berufungsverhandlung beantragte ihr Sitzungsvertreter die Einstellung gegen Zahlung einer Geldbuße von 1600 Euro. Narin und sein Verteidiger Alexander Hoffmann willigten ein. Narin setzte zudem durch, das Geld nicht an die Staatskasse zu überweisen, obwohl der Richter das recht nachdrücklich vorschlug. Jetzt geht es, wie von Narin vorgeschlagen, an den Verein, der die Gedenk- und Begegnungsstätte im früheren KZ Dachau betreibt.

Hätte es die Einigung nicht gegeben, hätte das Konsequenzen für das NSU-Verfahren nach sich gezogen. Narin vertritt dort Hinterbliebene des in München ermordeten Geschäftsmannes Theodoros Boulgarides. Wäre er wegen Geheimnisverrats verurteilt worden, hätte das Gericht ihm den Einblick in vertrauliche Prozessakten verweigern können.

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