Ich habe seit kurzem eine Steuerberaterin. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, auf ewig mit einem Steuerprogramm auszukommen und alles selbst zu machen. Aber die Folge war, dass ich Jahr für Jahr derart irrwitzige Rechnungen vom Finanzamt geschickt bekam, dass ich immer wieder in ernste Existenznöte geriet. In den letzten beiden Jahren schickte mir das Finanzamt Nachzahlungsforderungen, die etwa ein Viertel eines kompletten Jahresgewinns ausmachten und natürlich binnen Frist und in voller Höhe zu begleichen waren. Anträge auf Stundung lehnte das Finanzamt immer mit der Begründung ab, die Forderung sei ja auf Basis meines Einkommens errechnet, so dass ich sie begleichen müsse und könne. Mein Kontostand sagte zwar etwas anderes, aber die amtliche Anmaßungslogik war ja immer mit handfesten Drohungen verbunden.

Also fügte ich mich in die Erkenntnis, dass der Staat vorsätzlich jeden betrügt, der sich nicht professionell wehrt. Gleich die erste Steuererklärung der Beraterin scheint von Erfolg gekrönt zu sein. Wie es aussieht darf ich diesmal einen mittleren dreistelligen Betrag als Rückzahlung erwarten, immerhin. Im Vergleich zu der sonst fälligen Nachzahlung im hohen vierstelligen Bereich ist das ein echter Erfolg.

Leider ist der mit einer unangenehmen Nebenwirkung erkauft. Es sei nämlich so, dass ich eigentlich schon die letzten beiden Jahre nicht mehr die vereinfachte Kleinunternehmerregel für mich hätte anwenden dürfen, sagte mir die Beraterin. Der Vorteil der Kleinunternehmerregel besteht darin, dass man keine Mehrwertsteuer berechnet und folglich auch nicht an den Staat durchleiten muss. Sie macht das Leben einfacher. Man wendet weniger Zeit für die Erledigung staatlicher Aufgaben auf. Man behält auch besser den Überblick auf dem Konto, weil da nur Geld landet, das einem selber gehört. 

Aber das sei halt nicht mehr erlaubt. Die Steuerberaterin erledigt dann auch den Aufwand, um das Problem rückwirkend für die letzten Jahre zu bereinigen. Sie erstellt für jeden meiner Kunden aus den letzten Jahren eine Korrekturrechnung über die Mehrwertsteuer. Die müssen die Kunden mir jetzt auf mein Konto überweisen. Dieselben Beträge können sie sich bei ihren Finanzämtern zurückholen. Ich überweise meinerseits die ebenfalls identischen Beträge an mein Finanzamt. Das ist tatsächlich genau so bescheuert wie es sich anhört. Der Staat besteht darauf, dass meine Kunden Geldbeträge bei ihren Finanzämtern holen, die sie mir überweisen, damit ich sie meinem Finanzamt überweise.

Natürlich gilt hier wieder eine Frist. In vier Wochen muss ich eine erste Tranche beim Finanzamt abliefern. Ich hoffe, meine Kunden zahlen rechtzeitig. Dem Finanzamt wäre das egal. Es geht auch hier amtlich davon aus, dass ich verpflichtet und in der Lage sei, zu zahlen.

Und natürlich geht bei dieser unproduktiven und für nichts nützlichen Prozedur einiges unterwegs verloren. Ich zahle Porto, ich stecke Zeit in diese Beschäftigungstherapie, die Finanzämter stecken Zeit und Aufwand in die Bearbeitung und meine sämtlichen Kunden ebenfalls. Und die Steuerberaterin wird mir ihren Aufwand gewiss auch in Rechnung stellen.

Und weil diese Sorte Luftbuchung keine Ausnahme ist, sondern allerorten stattfindet, darum ist dieser Staat so irrwitzig teuer. Darum kommen spürbare Steuersenkungen nicht in Betracht. Keine einzige Partei will daran ernsthaft erwas ändern, weil sich alle mit der totalen Bürokratie angefreundet haben. Jede überflüssige Regulierung bedeutet Posten, Einfluss und Macht über die Bürger. Und das macht die Staatsherrschaften geil.

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