Freitagnachmittag. Die kleine Stadt ist voller Menschen. Autos rollen in einer Endlosschlange durch die Rosenheimer Straße. Die schmalen Bürgersteige wimmeln von Menschen mit Einkaufstüten. Ich habe die Tochter vom Kindergarten geholt. Wir radeln zum Bahnhof, auf der Straße, wie die Großen. Die Tochter radelt hinter mir. Ich schaue abwechelnd nach vorn und nach hinten. Vor dem Kreisverkehr rufe ich nach hinten: «Und, frei?»

«Ja-ha!» 

«Und jetzt Hand rechts raus, dass die wissen, dass wir runterfahren».

Ich schaue, wie Tochter die rechte Hand ausfährt. Vor der nächsten Kreuzung rufe ich wieder nach hinten:

«Schau Dich u-hum. Hinter Dir frei?»

«Ja-ha!»

«Hand nach links, und fahr hinter mir in die Mitte!»

Tochters linke Hand fährt aus und sie radelt hinter mir in die Straßenmitte. Gegenverkehr in weiter Ferne.

«Frei», rufe ich, «fix rüber!»

Tochter folgt mir auf dem Rad. Ich schau nach hinten. Tochter lacht. Radelt wie eine Große mitten durch den Verkehr. Autos überholen. Ein weißer fetter VW-SUV verlangsamt seine Fahrt und bleibt links neben mir. Das rechte Fenster öffnet sich. Ein Mann ruft zu mir raus: «Das ist jetzt nicht gut mit dem Mädel auf der Straße».

Wie bitte? Ich schaue durch die geöffnete Seitenscheibe und sehe einen vorwurfsvoll dreinblicken grauen Herr. Der gibt Gas und fährt seiner Wege. Ich bin sprachlos. Und dann rufe ich hinter ihm her: «Klugscheißer!»

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Gesetzliche Pflichtmeldung: Sternchen heißt Pflichtfeld

*

Aha.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.