Einträge von bitterlemmer

Berliner Schildbürger-Projekt Messehotel: Rin inne Kartoffeln, raus ausse Kartoffeln

Die Barcelló-Hotelgruppe hätte gern 140 Millionen Euro in Berlin investiert, 130 Leute angestellt und ihre Deutschland-Zentrale in die Hauptstadt verlegt. Sie vertraute auf Zusagen des Senats und fügte sich einer jahrelangen Odyssee durch die Berliner Amtsstuben. Am Ende lehnte das Abgeordnetenhaus ihr Projekt für ein Messehotel dennoch ab. Die Senatsparteien SPD und Linke stimmten gegen die eigenen Genossen in der Landesregierung. Jetzt errechnen die Hoteliers die Kosten ihres missglückten Berlin-Abenteuers – und überlegen, ob sie das Land in Regress nehmen. Und der Bezirk Charlottenburg verlangt das Grundstück vom Land zurück. Kurios: Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung teilt mit, sie habe die Aufforderung des Bezirks nie erhalten. Dabei liegt mir ein Schreiben der Senatsverwaltung vor, in der sie sie ablehnt.

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Rätselhafter Todesfall in Meiningen: Prof. Volkmar Schneider bezweifelt Gutachten der Jenaer Rechtsmedizin

Kann ein Mörder wegen eines falschen rechtsmedizinischen Gutachtens nicht vor Gericht gestellt werden? Der Berliner Rechtsmediziner Volkmar Schneider hat Zweifel an einem Gutachten seiner Kollegen in Jena bestärkt, das sich mit dem Tod eines 96-jährigen Patienten im Rhön-Klinikum in Meiningen beschäftigt. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, der Mann sei an den Folgen eines häuslichen Unfalls oder einer Lungenentzündung gestorben. Schneider sagte nach der Sichtung von Obduktionsfotos, er würde „zunächst in Richtung Kompression des Halses – Drosseln, eventuell in Verbindung mit Würgen – denken“.

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Obduktionsfotos zeigen den Hals des alten Mannes von allen Seiten

Ich habe mich entschlossen, weitere Obduktionsfotos von Rudolf F. zu veröffentlichen. Sie zeigen seinen Hals von links, rechts und von vorn. Auf der linken Halsseite ist deutlich die schon mehrmals beschriebene zirkuläre Strangulationsmarke zu sehen, An der Vorderseite ist zu sehen, wie diese Strangulationsmarke am Kehlkopf endet – nämlich in einer runden und deutlich sichtbaren Einblutung. Auf der rechten Halsseite ist eine weitere Einblutung und eine Druckstelle zu sehen. Für Jenas Rechtmedizin-Chefin Gita Mall sind das keine Hinweise auf ein Verbrechen, weshalb die Staatsanwaltschaft nicht ermittelt.

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Thüringer Allgemeine berichtet über „Rätselhaften Todesfall“ und heftigen Streit in der Rechtsmedizin

Der Fall des alten Mannes, der in der Intensivstation des Klinikums Meiningen auf rätselhafte Weise starb, beschäftigt heute die Thüringer Allgemeine. Die Autorin bezieht sich auf mein Blog und enthüllt, dass es im Jenaer Institut für Rechtsmedizin, das den Tod von Rudolf F. begutachtete, offenbar schwere interne Auseinandersetzungen gibt. Eine Ärztin, die sich nicht an der Vertuschung des Falles beteiligen wollte, wurde offenbar fristlos entlassen.

Jetzt sollen die Mittelschicht-Wähler auch noch selbst schuld sein, dass sie abgezockt werden

Taz-Redakteurin Ulrike Herrmann wirft in einem Gastkommentar auf Spiegel Online der Mittelschicht in Deutschland vor, bei Wahlen gegen ihre eigenen Interessen zu stimmen. Der Vorwurf ist ziemlich schräg. Die Autorin meint, sämtliche Parteien in Deutschland würden auf die Mittelschicht zielen, weil sie die stärkste Wählergruppe sei. Ja, und? Wie kommt die Autorin dann darauf, die Mittelschicht-Wähler seien an ihrem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dilemma selbst schuld? Und dann wäre noch zu fragen, ob Ulrike Herrmann und der Spiegel ihre Leser vergackeiern wollen, wenn sie neben ihren „Gastkommentar“ rein zufällig einen „Buchtipp“ platzieren, der dem Leser mit einem Klick den Kauf des neuen Herrman-Buches im Spiegel-Shop ermöglicht.

Wahlkampfaffäre „Gelsengate“: Wasserversorger stellt „recherchierenden Journalisten“ seine Scanner zur Verfügung

Der Landtagswahlkampf in NRW hat eine neue Affäre, genannt „Gelsengate“. Er rührt daher, dass der öffentliche Versorger Gelsenwasser sich gerade mit einer absurden Story gegen den Vorwurf wehrt, er steuere heimlich eine Untergrundkampagne zugunsten SPD und Grünen. Die Story: Gelsenwasser stelle Journalisten großzügigerweise seine Scanner zur Verfügung, um Dokumente zu digitalisieren. Bei den Dokumenten handelt es sich um Interna aus der CDU. Das Dumme dabei: Die gescannten Dateien enthalten Code, der das Gerät identifiziert – es steht in der Pressestelle von Gelsenwasser.

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Rechtsmedizin-Chefin Mall: „Kann sein“, dass es dem alten Mann doch besser ging, bevor er starb

„Der Mann war alt und krank“. Diesen Satz sagte mir die Chefin der Jenaer Rechtsmedizin, Gita Mall, als ich sie nach den schweren Verletzungen am Hals des toten Rudolf F. aus Meiningen befragte. Als sei das eine Art von Erklärung für seinen mutmaßlich gewaltsamen Tod. Im Verlauf des Telefonats konfrontierte ich die Rechtsmedizinerin mit Zitaten und Fotos, und einige ihrer bisherigen Aussagen änderte sie daraufhin – etwa zum Befinden des alten Mannes am Tag vor seinem Tod oder über die festgestellten Spuren einer Strangulation. Weitere Fragen habe ich ihr per E-Mail geschickt – zum Fall Rudolf F. und zu einem neuen Fall, den ich demnächst hier vorstellen werde.

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Strangulations-Striemen vom Hemdkragen? Meininger Tageblatt greift den rätselhaften Tod des alten Mannes auf


Die Chefin der Jenaer Rechtsmedizin, Gita Mall, hat jetzt doch Fragen zum rätselhaften Tod des 96-jährigen Rudolf F. beantwortet, und zwar dem Meininger Tageblatt. „Eine Internet-Geschichte des Berliner Journalisten Christoph Lemmer macht in Meiningen die Runde“, schreiben die Kollegen unter der Überschrift „Fremdschuld nicht feststellbar“. Frau Mall erklärte der Zeitung: „Es bleibt ein unnatürlicher Tod, aber als mittelbare Folge des Sturzes, nicht aufgrund äußerer Gewalteinwirkung“. Einiges, was sie der Zeitung sagte, widerspricht allerdings den Ermittlungsunterlagen und dem Obduktionsbericht ihres eigenen Instituts – der ihre Unterschrift trägt.

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Pathologe widerspricht Rechtsmedizinern: „Größte Wahrscheinlichkeit“ für Strangulation, Erdrosselung, Erwürgen oder Erhängen

Zwei Pathologen des Hamburger UKE, Prof. Guido Sauter und Dr. Jozef Zustin, vertreten im Fall des toten Rudolf F. aus Meiningen eine andere Ansicht zur Todesursache als das rechtsmedizinische Institut in Jena. Die Jenaer sprechen von einem natürlichen Tod und werden in ihrer Einschätzung von Prof. B. aus F. unterstützt. Sauter und Zustin sind der Ansicht, das Opfer sei massiven und gewaltsamen Halsverletzungen erlegen. Ein makaberer Gelehrtenstreit – der womöglich dazu führt, dass der mutmaßliche Täter ungeschoren davon kommt.

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„Wenn Sie mit diesem Gutachten einem Verdächtigen einen Vorhalt machen, dann zeigt der Ihnen ein Vögelchen“

Die Staatsanwaltschaft Meiningen im Fall des rätselhaften Todesfalles in der örtlichen Klinik deutlich gemacht, wie zentral das Gutachten der Jenaer Rechtsmedizin für den Fall ist – und dafür, dass der Fall zu den Akten gelegt wurde. Das Gutachten kommt – wie berichtet – zu dem Schluss, das Opfer Rudolf F. sei eines natürlichen Todes gestorben. Der Sprecher der Meininger Staatsanwaltschaft, Thomas Waßmuth, formuliert sehr deutlich, was das bedeutet: „Wenn Sie mit diesem Gutachten einem Verdächtigen einen Vorhalt machen, dann zeigt der Ihnen ein Vögelchen“.