Schon arg, was sich die Mutter der verschwundenen Peggy so anzuhören hatte. In diversen Internetforen war sie als Rabenmutter geschmäht worden, die an Peggys verschwinden die Schuld trage, womöglich gar Geld damit gescheffelt habe. Im Wiederaufnahmeprozess gegen Ulvi Kulac stellte sie sich jetzt den Fragen der Prozessbeteiligten. Die Vergteidigung stimmte in die Attacke gegen sie ein – und blamierte sich. Denn die Mutter versuchte erst gar nicht, auszuweichen oder irgendetwas zu beschönigen, sondern zerlegte alle Gerüchte mit Offenheit und Fakten.

Nachtrag zu Prozesstag 4: Rechtsanwalt Euler hielt dem Leiter der aktuellen Ermittlungen im Fall Peggy eine Passage aus einem Verhör mit der Ehefrau eines der derzeitigen Beschuldigen vor, Anke B. Süffisant merkte Euler an, dass hier eher die Zeugin die Beamtin vernehme. Es ging ums die Frage, warum Ulvi Kulac für Peggys Verschwinden überhaupt verurteilt werden konnte. Das Verhör führte eine Kriminalkommissarin (KOKin). Es erstaunliche Einblicke in die ansonsten verschlossene innere Gedankenwelt mancher Kripo-Ermittler. Ab hier: wörtlich, was der Verteidiger im Gerichtssaal verlesen hat. Weiterlesen

Wer Menschen manipulieren will, muss nur schnell und überzeugend sein. Bewusst gesetzte Falschinformationen hinterlassen auch dann dauerhafte Spuren in den Gehirnen, wenn anschließend über die wirklichen Tatsachen aufgeklärt wird. Das schreiben Psychologen der Universität von West-Australien nach einer Studie mit Studenten. Für das Experiment wurde ihnen die Nachricht eines Busunfalls präsentiert. Der wurde eine falsche Information angefügt. Die lautete für einige Studenten, an Bord sei eine Gruppe alter Leute gereist. Anderen wurde gesagt, die Insassen seien Hockey-Spieler gewesen. Ein Teil der Studenten wurde vor Desinformation gewarnt, der andere nicht. Die Warnung war unmissverständlich und lautete, dass Menschen sich schwertäten, die zuerst gehörten Aussagen zu einem Thema zu ignorieren, auch dann, wenn sie wüssten, dass sie nicht stimmen.

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Das vier Monate alte Baby aus Toronto heißt Storm Stocker. Ein geschlechtsneutraler Name, der offenlässt, ob Storm ein Junge oder ein Mädchen ist. Genauer gesagt ist es ein Geheimnis der engsten Familie, welches Geschlecht Storm besitzt. Es sind nur wenige Menschen, die es kennen: Die beiden Hebammen, die es zur Welt brachten, natürlich die Eltern David Stocker und Kathy Witherick und Storms große Brüder Jazz (5) und Kio (2). Der Rest der Welt, einschließlich der Großeltern, bekam eine E-Mail, in der es heißt: „Wir haben uns entschlossen, Storms Geschlecht nicht mitzuteilen, als Beitrag zu Freiheit und Vielfalt in einer Welt voller Beschränkungen“.

Sonntagsreden sind das eine. Vor einiger Zeit veranstaltete der Bund Deutscher Kriminalbeamter gemeinsam mit der Techniker-Krankenkasse in Erfurt einen Kongress zum Thema Kindesmisshandlung. Ein Ermittler zeigte grausame Bilder von Kindern, die verprügelt, zerkratzt, mit Säure übergossen, verbrüht oder verbrannt worden waren. Auch die Chefin der Jenaer Rechtsmedizin, Gita-Else Mall, war da. Sie wird in der Ost-Thüringischen Zeitung mit diesem Satz zitiert: „Wir haben uns zur Regel gemacht, auch die kleinen Verletzungen wie Hämatome der Kinder anzuzeigen.“

Die Praxis ist anders und hat mit den Sonntagsreden nicht viel zu tun – gerade im Fall von Rechtsmedizinerin Mall, wie ein konkretes Beispiel zeigt.

Historiker Horvath vor dem Springer-Hochhaus. Hier tobte nach den Schüssen auf Dutschke die Revolte

Steckt der DDR-Staatssicherheitsdienst hinter dem Tod des früheren Studentenführers Rudi Dutschke? Dieser Frage geht die Berliner Staatsanwaltschaft nach. „Wir prüfen, ob ein Anfangsverdacht vorliegt“, sagte mir der Berliner Justizsprecher Martin Steltner. Anlass ist eine Anzeige des Historikers Peter Horvath. Den Verdacht schöpfte Horvath während der Arbeit an seinem Buch „Die inszenierte Revolte – hinter den Kulissten von ’68“. Bei der Sichtung von Stasi-Akten fand er Hinweise, nach denen Dutschke-Attentäter Josef Bachmann von der Stasi für die Tat vorbereitet und bewaffnet wurde. Bachmann hatte am 11. April 1968 auf dem Berliner Kurfürstendamm mehrere Schüsse auf Dutschke abgefeuert und den Studentenführer mit Treffern in den Kopf schwer verletzt. Nach bisheriger Darstellung starb Dutschke 1979 an den Spätfolgen des Attentats im dänischen Arhus. Fragen dazu an Horvath.

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Ob ich Papa mal die Zunge rausstrecke?

Boah. Wie langweilig...Nord-Korea zelebrierte letzte Nacht die größte Militärparade seit Bestehen des Landes, also eine sehr große Militärparade. Der äußere Anlass war, dass vor genau 65 Jahren der Opa des dicken Jong-un (28) die Macht an sich gerissen und eine der widerlichsten Diktaturen der Welt errichtet hatte. Jong-uns Papa Jong-il, der das Land von Opa Il-sung geerbt hatte, reicht es jetzt wohl gerade an den Enkel weiter. Jong-il wird ja nachgesagt, dass er gern viel und fett isst, sich ungern bewegt und auch sonst ungesunde Angewohnheiten hat. Darum hat er wohl einen Schlaganfall erlitten, was aber offiziell keiner weiß, weil die hässliche Kim-Familie jeden einsperrt, foltert oder tötet, der etwas anderes sagt, als dass es sich um eine kommunistisch-heilige Sippe handelt, deren Herrschaftsanspruch von ganz oben kommt, so ähnlich also wie das Gottesgnadentum im europäischen Feudalismus. Jong-un sieht aus, als würde ihm dassselbe Schicksal blühen. Er sieht außerdem aus, als hätten die anderen Kinder nur deshalb mit ihm  gespielt, weil er sonst seinen großen Bruder geholt hätte, der in diesem Fall der ganz große Bruder gewesen wäre. Es heißt, er hätte dann ein paar Jahre in einem Schweizer Internat verbracht, wo er auch deutsch gelernt habe. Seine Klassenkameraden hätten nicht gewusst, dass es sich um Kim Jong-un handelte. Der kleine pummelige Koreaner sei zurückhaltend und scheu gewesen. Jetzt ist er wieder zu Hause. Glücklich sieht er nicht aus. Das scheint in der Familie zu liegen. Sein Blick hat dieselbe Mischung aus Arroganz, Gewalt und Genervtheit wie der Blick seines Vaters. Ein verwöhntes Scheißkind, das niemand wirklich lieb gehabt hat und dass so guckt, als würde es von früh bis spät nur überlegen, wie es sich rächen könnte. Man fragt sich, ob dieser Jong-un eine Freundin hat und kann sich eigentlich nicht vorstellen, dass eine Frau freiwillig mit ihm ins Bett geht. Er sieht eigentlich auch so aus, als sei er eher ein winziger Liebhaber. Aber dann fragt man sich, ob sich eine traut, ihm zu widerstehen, weil die Alternative ja auch nicht gerade berauschend ist. Überhaupt nicht lustig ist das neue Spielzeug, das sein Papa ihm heute quasi offiziell überreicht hat. Er ist ja jetzt General einer der größten Armeen Asiens, mit hunderttausenden Soldaten, Panzern, Flugzeugen, Schiffen, Raketen und sogar einem Atomknopf.

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So viel teuren Ärger hat mir in fast 30 Berufsjahren noch keine Geschichte eingebracht: Meine Beiträge über den mysteriösen Tod eines alten Mannes in einer Thüringer Klinik beschäftigen eine Staatsanwaltschaft, die nach meinen Informanten fahndet. Und einer der Texte, ausgerechnet ein Kommentar, für das Verständnis der Geschichte eher unwichtig, führte mich heute zur Verhandlung vor das Hamburger Landgericht. Dort hatte mich die Jenaer Rechtsmedizin-Chefin Gita-Else Mall auf Unterlassung verklagt. Heraus kam ein Vergleich. Ich akzeptiere 11 von 13 Punkten des Unterlassungsbegehrens (zwei hatte das Gericht schon gestrichen), dafür verzichtet die Gegenseite auf eine Richtigstellung (und vermeidet damit natürlich auch, dass das, was in meinem Kommentar stand, wieder lesbar wird, denn dieser Kommentar ist ja längst offline). Jede Seite hat eine Woche Zeit, den Vergleich zu widerrufen. Sauteuer war die Sache zudem. Alles, was hier folgt, darf ich weiter schreiben (jedenfalls hat es mir bisher niemand verboten). Darunter sind auch Details, die bisher unveröffentlicht sind.

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Ich hasse Horrorfilme, und wenn ich beim Zappen doch mal auf einen stoße, zappe ich weiter, sobald ich bemerke, worum es da geht. Ich frage mich, wie manche Autoren auf solche Ideen kommen. Wie sie emotional gestrickt sein müssen, um Handlungen um Verstümmelung, Foltermord und ähnliches zu erfinden. Oder wie sie auf die Details kommen, mit denen sie ihren Stoff garnieren. Dieser Horror ist freilich milde im Vergleich zu dem, was sich auf Webseiten findet, die landläufig Kinderpornografie genannt werden, jedoch weit mehr und schlimmeres als das bieten. Sie sind über das verschlüsselte Tor-Netzwerk zu erreichen. Seiten wie das Forum Violent Desires, dessen Betreiber den zutreffenden Untertitel „Where monstrous minds meet“ gewählt haben. Was hier passiert, ist kein Spaß und keine Unterhaltung, es ist offensichtlich ernst.

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Mit diesem Bus, innen als Dunkelkammer mit Gruseleffekt eingerichtet, geht Fitzek auf Roadshow für sein neues Buch

 

„Phänomen Fitzek“ nennen sie im Münchner Verlag Droemer Knaur ihren Thriller-Autor Sebastian Fitzek. Als schreibe er nicht nur über unerklärliche Phänomene, sondern sei selber eines. Das verdankt er seinem Erstling „Die Therapie“, eine düstere Geschichte um einen Psychiater, ein totes Kind, eine mysteriöse Frau und eine Geschichte, die sich immer wieder bis zur Grenze der Übersinnlichkeit bewegt. „Der Titel stand zwei Wochen nach dem Erscheinen ganz unvermutet auf Platz 1 der Amazon-Charts“, erinnert sich Klaus Kluge, der Marketing-Chef des Knaur-Verlages. Der Verlag hatte „Die Therapie“ in kleiner Auflage herausgebracht, keine Werbung dafür gemacht und keine besonders hohen Erwartungen gehegt. Er habe an einen Zufall geglaubt, als er die Platzierung sah, sagt Kluge. Nach einer Stunde habe er noch einmal nachgesehen. „Aber da stand ‚Die Therapie‘ immer noch auf Platz 1“. Wie auch am nächsten Tag, in der nächsten Woche, der übernächsten. Fünf Wochen lang gab es bei dem Online-Händler kein Buch, das sich besser verkaufte. Sogar das Amazon-Management soll irritiert gewesen sein. Die Deutsche Niederlassung habe ein E-Mail von der Europa-Geschäftsleitung in London erhalten, in dem gefragt worden sein soll, „who the fuck is Fitzek“.