Am Dienstag, 8. Oktober, lesen Ina Jung und ich aus unserem Buch Der Fall Peggy. Unterstützt werden wir von Friedrich Ani als Moderator – was die Sache ungewöhnlich macht: Anis Krimi Totsein verjährt nicht stützt sich auf den Fall Peggy und verarbeitet ihn zum Roman. Folglich planen wir für den Abend, nicht nur ausgewählte Passagen zu lesen, sondern außerdem darüber zu sprechen, was den Fall Peggy so außergewöhnlich macht. Und außergewöhnlich ist er ja in mehrfacher Hinsicht – als Kriminalfall, aber mehr noch als Justiz- und Politik-Skandal. Lebenslange Haft allein wegen eines Geständnisses, die absurden Umstände beim Zustandekommen des Geständnisses, das Fehlen der Leiche und jedweder Spur, die Einmischungen der Politik in die Ermittlungen, das leichtfertige Übersehen einer viel plausibleren Spur, der die Staatsanwaltschaft erst jetzt, nach Erscheinen des Sachbuchs, wieder nachgeht – man müsste einen Roman drüber schreiben, wenn es den nicht schon gäbe. Und das wird das Ungewöhnliche sein – wir erzählen, wie wir aus unseren unterschiedlichen Perspektiven an den Fall Peggy herangegangen sind. Wie daraus ein Roman, ein Spielfilm (Das unsichtbare Mädchen von Dominik Graf, Drehbuch ebenfalls Friedrich Ani und Ina Jung) und schließlich das Sachbuch wurde, das den Fall jetzt zu neuen Ermittlungen geführt hat.

Weiterlesen

Die Bundesregierung will am 31. August die De-Mail einführen und wird damit wieder einen Flop landen. Schon deshalb, weil De-Mail und die normale E-Mail nicht miteinander kompatibel sind. Es wird der zweite gescheiterte Versuch des Staates sein, einen Standard für beglaubigten und gesicherten elektronischen Nachrichtenaustausch einzuführen. Der erste nennt sich E-Post und entstammt dem Staatsunternehmen Post. Doppelt kurios: Die neue De-Mail, bei der die ebenfalls staatliche Telekom die Feder führt, ist mit der seit langem dahindümpelnden E-Post ebenfalls nicht kompatibel. Wer auf sicheren E-Mail-Verkehr wert legt, sollte die staatlichen Angebote ignorieren und auf bewährte Lösungen setzen.

Weiterlesen

Im Inforadio des RBB in Berlin moderierte heute früh eine Moderatorin einen Bericht an, der sich mit den Parteitagen von Grünen und Piraten zu befassen versprach. Der Beitrag hielt dann nicht ganz, was die Anmoderation avisierte. Es ging allein um die Grünen. Die Piraten tauchten nur in Form wirrer Warnungen der grünen Frontfrauen Claudia Roth und Steffy Lemke auf. Dass dieser Beitrag einseitig war, ist inhaltlich wie formal nicht bestreitbar. Vermutlich liegt es daran, dass die Piraten für die Abschaffung der GEZ-Gebühr sind.

Für grün gesinnte öffentlich-rechtliche Redakteure (und die Mehrheit der Redakteure quer durch alle Medien wählt tatsächlich grün) sind die Piraten damit ein schlimmes Schreckgespenst. Sie stehen für die Gruppe der 80er-Jahre-Kinder. Deren Elternhäuser sind so grün-bürgerlich wie die Elternhäuser der Babyboomer konservativ-bürgerlich waren. Der Sänger der „Baseballs„, Basti, bringt es auf den Punkt: „Wer damals gegen seine Eltern rebellieren wollte, musste sich nur eine Tolle kämmen und eine Lederjacke anziehen. Heute dagegen kann man seine Eltern doch kaum noch schocken – es sei denn, man wird Investment-Banker“.

Weiterlesen

Ob Renate Künast nächstes Jahr zur Regierenden Bürgermeisterin Berlins gewählt wird oder ob Wowi seine Party fortsetzen darf ist eigentlich völlig egal. Beide gehören zum selben Lager, nämlich dem linken. Beide plädieren für „Rückbau“ der Infrastruktur, wollen Tempo 30 auch auf Hauptstraßen, verstehen sich als Hartz-IV-Lobby, betreiben kadermäßige Personalpolitik in der öffentlichen Verwaltung und stehen auf Multikulti. Es ist allein eine Frage von Mode und Sympathie, wer von beiden am Ende gewinnt. Der Mehrheit der Berliner ist das so egal wie mir.

Weiterlesen

Jedes Jahr gibt es ja alle möglichen Auszeichnungen für besonders tolle und besonders dämliche Leistungen des Jahres. Wenn die berufenen Sprachaufseher im Dezember den Preis für den bescheuertsten Anglizismus des Jahres vergeben, sollten sie prüfen, ob er an die Plattenfirma Emi vergeben werden sollte. Die ließ ihre PR-Heinis der Hamburger „medienAgentur“ eine Meldung mit dieser Überschrift verbrechen:

„Yoko Ono und Emi Music kollaborieren mit Youtube um John Lennon mit einer weltweiten Hommage zu seinem 70. Geburtstag zu ehren“

Weiterlesen

Der Ermordete hinterließ dieses Schriftstück

„Bestädigung“ steht über diesem Schriftstück, der Mundart folgend, in der die Menschen in Anhalt das Wort Bestätigung aussprechen. Geschrieben hat es ein Mann namens Herbert Scheibe aus Lodersleben, 30 Kilometer südwestlich von Halle. Scheibe wurde vor bald neun Jahren ermordet. Er sei erpresst worden, schreibt er in seiner „Bestädigung“. Der Erpresser habe ihn genötigt, ihm einen wesentlichen Teil seines Vermögens notariell zu überschreiben.

Weiterlesen

Julian Assange (39). Der Wikileaks-Aktivist startete seinen Dienst offenbar mit Dokumenten, die er mit einem Lauschangriff im Tor-Netzwerk erbeutete (Foto via wired.com)

Weiterlesen

Ich hasse Horrorfilme, und wenn ich beim Zappen doch mal auf einen stoße, zappe ich weiter, sobald ich bemerke, worum es da geht. Ich frage mich, wie manche Autoren auf solche Ideen kommen. Wie sie emotional gestrickt sein müssen, um Handlungen um Verstümmelung, Foltermord und ähnliches zu erfinden. Oder wie sie auf die Details kommen, mit denen sie ihren Stoff garnieren. Dieser Horror ist freilich milde im Vergleich zu dem, was sich auf Webseiten findet, die landläufig Kinderpornografie genannt werden, jedoch weit mehr und schlimmeres als das bieten. Sie sind über das verschlüsselte Tor-Netzwerk zu erreichen. Seiten wie das Forum Violent Desires, dessen Betreiber den zutreffenden Untertitel „Where monstrous minds meet“ gewählt haben. Was hier passiert, ist kein Spaß und keine Unterhaltung, es ist offensichtlich ernst.

Weiterlesen