Die Ermittlungen nach dem Zugünglück vom Bai Aibling konzentrieren sich immer mehr auf den unglüglichen Fahrdienstleiter, und es geht dabei offenbar um folgenden Ablauf:

  1. Mit ca. vier Minuten Verspätung fährt der Zug von Holzkirchen ein, unterwegs nach Rosenheim.
  2. Der Fahrdienstleiter gibt die „Fahrstraße“ von Aibling via Aibling Kurpark nach Kolbermoor für ihn frei. Aber das System verweigert die gewünscht…

Kaum habe ich mit viel Mühe eine Information beisammen, da ergibt sich schon gleich die nächste Frage. Zuerst die Info: Die Mangfalltaleisenbahn, also die Strecke von München über Holzkirchen und Bad Aibling nach Rosenheim, wird komplett elektronisch vom zentralen Stellwerk in München geregelt. Mit einer Ausnahme: In Bad Aibling gibt es ein dezentrales Stellwerk, das für den kurzen Abschnitt zwische…

Wieder so ein Rätsel um den Nationalsozialistischen Untergrund: Wer hat Ende Oktober 2011 das Wohnmobil gemietet, mit dem Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zu ihrer letzten Fahrt aufbrachen? Und wer ist das kleine Mädchen, vermutlich blond und bezopft, das dabei war, als „ein Pärchen“ das Fahrzeug bei einer Zwickauer Autovermietung abholte? Und ist dieses Mädchen vielleicht dasselbe, dessen rosafarbene Croc-Sandal…

Es ist die Dramaturgie einer großen Zicke. Erst ganz am Ende ihres neuesten Briefes an das Gericht (liegt mir vor) kommt Beate Zschäpe auf den Punkt, der alle interessiert. Genauer: Im Postskriptum. Da heißt es, aus rechtlichen Gründen nicht wörtlich zitiert:

Die drei Anwälte würden ankündigen, sollte sie ihre Strategie ändern wollen und eine Aussage zu einzelnen Vorwürfen machen, so würden sie mit ihr einen Antrag an den Vorsitzenden abstimmen, ihre Bestellung aufzuheben.

Strategie soll wohl „schweigen“ heißen. Sollte sie also nicht mehr schweigen wollen, würden sich die Anwälte vom Acker machen wollen. Weiter: Weiterlesen

Auf Ufuk C., dieses etwas dickliche Bürschlein, das in Syrien vom Märtyrertod und  – wirklich! – 72 Jungfrauen träumte und der als Angeklagter vor dem Oberlandesgericht München offenherzig plaudert, komme ich gleich zu sprechen. Vorher eine kurze Bemerkung über das Geschäft mit modernen Konsumabenteuern. Jede Tauchbasis weiß, dass ihre ärgsten Konkurrenten nicht andere Tauchbasen sind, sondern Surfschulen, Segelschulen, Wasserski-Anbieter ode…

Das Bild, das Stefan B. (27) vor Gericht abgab, wirkte wie das Klischee eines Gewalttäters. Ein großer, plump wirkender Mann in schwarzem Hoodie und langem Fuselbart am Kinn. Mit trotzigem Blick ließ er sich unter dem Geklicke der Fotografen zur Anklagebank führen. Er starrte reglos auf den Staatsanwalt, als der die Anklage verlas. Zuerst ging es um die drei Missbrauchsfälle. Bis auf eine junge Frau sind die Opfer alle minderjährig. Eines der Mädchen kam am Ende wohl nur deshalb ohne körperliche Schäden davon, weil ein Spaziergänger am Autofenster klopfte, als der Mann im Wagen die Brüste seines Opfers „knetete“ und sein Geschlechtsteil „manipulierte“, wie es in der Anklage heißt.

Achter Tag im Peggy-Prozess.

Gedränge schon am Eingang zum Justizpalast in Bayreuth. Kamerateams haben sich postiert. Oben ist der Verhandlungssaal ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Um Punkt zehn Uhr eröffnet der Vorsitzende Richter Michael Eckstein die Verhandlung, wie immer sehr formell. „Es kommt zum Aufruf das Verfahren gegen Ulvi Kulac“.

Dann spricht er das Urteil.

„Erstens: Das Urteil des Landgerichtes Hof vom 30.4.2004 wird insoweit […] aufgehoben, als der Angeklagte Ulvi Kulac wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurde.

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Schon arg, was sich die Mutter der verschwundenen Peggy so anzuhören hatte. In diversen Internetforen war sie als Rabenmutter geschmäht worden, die an Peggys verschwinden die Schuld trage, womöglich gar Geld damit gescheffelt habe. Im Wiederaufnahmeprozess gegen Ulvi Kulac stellte sie sich jetzt den Fragen der Prozessbeteiligten. Die Vergteidigung stimmte in die Attacke gegen sie ein – und blamierte sich. Denn die Mutter versuchte erst gar nicht, auszuweichen oder irgendetwas zu beschönigen, sondern zerlegte alle Gerüchte mit Offenheit und Fakten.

Der nächste Hinweis, der auf Freispruch für den geistig minderbemittelten Ulvi Kulac deutet: Am fünften Prozesstag kam der psychiatrische Gutachter Hans-Ludwig Kröber aus Berlin zu Wort. Er hatte im ersten Prozess befunden, das Geständnis von Kulac, er habe Peggy ermordet, sei glaubhaft. Ohne sein damaliges Gutachten wäre der Angeklagte wohl nicht wegen Mordes verurteilt worden. Jetzt korrigierte seine Einschätzung nach einem langen Referat, das mal in die eine, mal in die andere Richtung tendierte. Am Ende sagte er, Ulvi habe zwar ein „gutes“, aber „mit hoher Wahrscheinlichkeit falsches Geständnis“ abgelegt.

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Einer lügt, das dürfte feststehen. Nur wer?

Im Peggy-Prozess hat das Landgericht Bayreuth am fünften Verhandlungstag Wolfgang Schwemmer als Zeugen gehört. Schwemmer war beim ersten Mordprozess der Verteidiger von Ulvi Kulac. Jetzt, in der Wiederaufnahme, attackierte er die Polizei mit Wucht.

Die Ermittler, voran Soko-Chef Wolfgang Geier, hätten ihn ausgetrickst und jede Gelegenheit genutzt, um Ulvi ohne Anwalt in die Finger zu bekommen. Er habe Geier einmal gesagt, Ulvi Kulac werde ohne ihn jetzt gar nichts mehr sagen, erinnerte sich der Anwalt. Geier habe geantwortet: „Sie sind doch auch Vater“ und versucht, ihn emotional unter Druck zu setzen. Das habe ihn sehr geärgert, sagte Schwemmer.

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