Seit dem Erdbeben am 12. Januar ist Haiti ein globales Topthema. Die Katastrophe mobilisiert und bewegt Millionen Menschen. Sie setzt viel Energie frei und legt menschliche Eigenschaften offen – ehrliche Hilfsbereitschaft, wirkliches Interesse, aber auch Eitelkeit und manchmal schwer erträglichen Geltungsdrang.

Eine Sternstunde war die von George Clooney und Wyclef Jean initiierte Fernsehshow “Hope for Haiti”. Ihre mitreißende Wirkung rührte daher, dass die vermutlich 100 weltgrößten Stars aus Film und Musik auf kleiner Bühne, ohne Studiopublikum und ohne große Effekte auftraten. Etwa Madonna, deren fast-a-capella vorgetragenes Like A Prayer so intensiv und aufwühlend klang, wie ich es noch nie gehört habe. Diese Veranstaltung hatte einfach Klasse. Vermutlich war sie auch erfolgreich. Wie viel Spendengeld dabei zusammenkam, ist noch nicht bekannt. Es dürften etliche Millionen sein.

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Die BBC macht vor, wie sich eine öffentliche Medieninstitution gegenüber der Öffentlichkeit zu verhalten hat. “Die BBC braucht eine radikale Generalüberholung”, heißt es – ja wo? – auf der Webseite der BBC höchstselbst. Bei den deutschen Staatssendern ist so etwas unvorstellbar.

Anlass für den Bericht in eigener Sache war eine Stellungnahme der “mitte-rechts” angesiedelten Denkschmiede “Policy Exchange”. Sie fordere eine massive Senkung der Kosten für Unterhaltung, Sportrechte und Showprogramme vor allem für junge Zielgruppen.

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Die überflüssigste Meldung des heutigen Tages verschickte die Christoffel-Blindenmission an die Redaktionen. Ein zweiköpfiges Expertenteam habe sich auf den Weg ins Krisengebiet gemacht, um “die Nothilfe mit den CBM-Partnern vor Ort zu koordinieren”. In der “CBM-Zentrale im hessischen Bensheim” seien Berichte über “mehrere Todesfälle” eingegangen, heißt es in der Aussendung.

Zweites Beispiel: Die Pressestelle der Kindernothilfe verbreitet:

“Der deutsche Nothilfekoordinator Ruben Wedel wird morgen in Port-au-Prince erwartet.”

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Skepsis und Misstrauen allerorten: Bundesjustizministerin Sabine Leuttheusser-Schnarrenberger will Dienste der Kommunikations- und Suchfirma Google unter die Lupe nehmen. Frankreich will eine Google-Steuer einführen und dann auch gleich auf die ganze EU ausweiten. Der angelsächsische Zeitungsmogul Rupert Murdoch erwägt, Google die Anzeige seiner Nachrichtenseiten zu versperren und sucht dafür sogar das Bündnis mit Microsoft – ausgerechnet. Es ist unübersehbar: Staaten und die sogenannte vierte Gewalt, die traditionellen Medien, haben ein Problem mit Google.

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Der Fall der unbekannten Wasserleiche in der Charité ist gelöst und die Frage, ob es sich um Rosa Luxemburg handelt, ist beantwortet. Sie ist es nicht. Dafür ist eine neue Causa eröffnet: Die Methoden von Berlins oberstem Leichenbeschauer Michael Tsokos und die Zustände in seinen Instituten. Die letzte Neuigkeit zur Wasserleichen-Affäre ist grotesk. Sie betrifft das Isotopengutachten, das Tsokos i…

Hier soll es nicht um die Frage gehen, ob der Einsatz der Bundeswehr (und der anderen westlichen Länder) in Afghanistan berechtigt ist oder nicht. Hier soll es allein darum gehen, wie wir mit den jungen Männern umgehen, die dort ihr Leben riskieren und manchmal auch lassen.

Spalier für Gefallene in Wootton Bassett (Foto via bizz.bournemouth.ac.uk)

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Die Berliner Stadtbahnen sind ja immer wieder für erzählenswerte Erlebnisse gut. Dieses Mal füllten vier junge Männer meinen S-Bahn-Waggon mit lautstarken Erzählungen aus ihrem Leben. Die S-Bahn war voll. Nur der Abschnitt, in dem die vier Helden sich aufhielten, Cola und Weinbrand in Plastikbecher mixten und laut, fast brüllend ihre Taten zum Besten gaben, war ansonsten leer. Ich habe mi…

Schlagworte gibt es zu Hauf: Kostenloskultur, Räubermentalität, etc. Und die augenfälligsten Folgen, die das Internet für Zeitungen, Fernsehen und Radio hat, sind auch hinreichend bekannt. Nicht die derzeitige Krise lässt Einnahmen und Auflagen schrumpfen. Vielmehr verändert sich das gesamte Gefüge. Warum das so ist, warum es unvermeidlich ist und was daraus folgt, spielt in der Debatte dagegen kaum eine Rolle.

Klassischerweise leben Unternehmen umso besser, je höher die Eintrittshürden für Konkurrenten sind. Auch diese Erkenntnis ist nicht neu, sondern eine ökonomische Binse. Praktisch folgt daraus dies:

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Vorab: Es geht nicht um Musikgeschmack. Wer Peter Maffay gerne hört, wird Nine Inch Nails hassen. Umgekehrt gilt dasselbe. Hier geht es stattdessen um die Frage, wie sich Musik heutzutage verkaufen lässt und welche Rolle das Internet dabei spielt – als Umsatzkiller oder als coole Erfolgsmaschine. Dass Peter Maffay wieder auf Tour geht, lässt sich gerade Anzeigen auf dem Tite…

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung bringt heute auf Seite 4 einen langen Text über die Affäre um die Wasserleiche in der Berliner Charité. Ich habe ihn mit einiger Erleichterung gelesen. Ich dachte schon, ich stünde mit meiner Einschätzung auf verlorenem Posten. Jetzt aber scheint das PR-Gebilde des Chefs der Berliner Rechtsmediziner ins Wanken zu geraten. Der Schaden, der da entsteht, dürft…