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Dringender Servicehinweis: Kaufen Sie bei der Bahn nie ein Hin- und Rückticket. Kaufen Sie für jede Strecke Einzeltickets. Die Kosten sind dieselben. Das Hin- und Rückticket hat nur einen Effekt: Es hebelt Ihre Rechte aus.

Es ist jedes Mal eine ironische Pointe, wenn der Zugschaffner kurz vor dem Aussteigen seine Ansprache über den Zielort und die zu erreichenden Verbindungen hält, zweisprachig, in der englischen Fassung eigentlich stets mit einer Danksagung, die in der deutschen Fassung nur noch manchmal zu hören ist: „Thank You for choosing Deutsche Bahn“. „Danke, dass Sie die Deutsche Bahn gewählt haben“.

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Vor drei Jahren verlor die staatliche Deutsche Bahn die Streckenrechte für die Verbindungen zwischen München, Rosenheim, Salzburg und ein paar weitere Strecken im Alpenvorland. Eine Tochter der französischen Veolia hatte die Ausschreibung gewonnen. Der Übergang klappte nicht so toll. Ein paar Tage gab es Verspätungen, gelegentlich fiel mal ein Zug aus. Der Landrat von Rosenheim und die Bürgermeisterin von Rosenheim regten sich schwerstens auf und schickten der neuen Bahngesellschaft böse offene Briefe. „Die Ihnen anvertrauten Strecken sind kein Experimentierfeld“, hieß es da. „Tausende Pendler“ seien betroffen, die Strecke für Rosenheim „eminent wichtig“.

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In meiner morgendlichen Nachrichtenlektüre las ich heute früh den Satz, die große Mehrheit der Flüchtlinge sei ehrlich und keinesfalls kriminell. Denselben Satz habe ich auch vorher schon immer mal wieder gelesen und nie groß drüber nachgedacht, denn er ist zu banal, um über ihn nachzudenken. Zwar wird vereinzelt tatsächlich behauptet, „die Flüchtlinge“ seien allesamt kriminell, seien „Rapefugees“ oder „Krimilanten“, aber das behaupten nur die aufgeregten Schreihälse, denen Flüchtlinge gar nicht kriminell genug sein können, weil es ihnen ja nur um Stimmungsmache geht.

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Wann hört eigentlich das Gerede aller Parteipolitiker auf, es müsse einem Politiker doch möglich sein, aus einem politischen Amt „in die Wirtschaft“ zu wechseln? In der Causa Pofalla wird uns das jetzt seit Tagen in den Nachrichten als Aktualität verkauft. Man könnte glauben, bis hin zum letzten Hinterbänkler hat gerade jeder Politiker einen Freifahrtschein für seine persönlichen fünf Sekunden Medienruhm, wenn er diese Forderung aufsagt. Das ist, mit Verlaub, einfach lächerlich.
Die Politiker, die das sagen, reden keineswegs von echten Managerjobs, sondern allein von Versorgungsposten für ihresgleichen. Der Aufhänger für diese sich endlos wiederholende Wortspende ist ja der gewollte Wechsel von Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla zur Bahn. Die ist nun weißgott alles andere als ein normales Unternehmen „aus der Wirtschaft“, sondern ein hundertprozentiger Staatsmonopolist, in dem die Bundesregierung, also die Parteien, den Eigentümer Bundesrepublik Deutschland vertreten.

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pofallamitfrau

Wenn Dinge geschehen, die sich nur mit viel Aufwand halbwegs plausibel erklären lassen und dann immer noch nicht glaubwürdig klingen, dann steckt meistens etwas anderes dahinter. Da erklärte der kürzlich ausgeschiedene Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (54) zunächst, er wolle beruflich kürzer treten und mehr Zeit mit seiner gutaussehenden Frau verbringen. Und jetzt wird eigens für ihn ein neues Vorstandsressort bei der Bahn geschaffen, wie diverse Medien melden. Kürzertreten und Vorstandsjob – das passt eigentlich nicht zusammen. Es sei denn…

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Regionalbahn von Grafing nach München. Schöne Pendler-Verbindung. Nur gut 20 Minuten vom Land bis mitten in die Stadt, ohne Zwischenstopp. Funktioniert meistens gut, aber nicht immer. Heute früh fing es damit an, dass alle Nase lang Lautsprecheransagen jeden Regionalzug und jede S-Bahn als verspätet ankündigten. Nicht daramatisch, jeweils nur fünf Minuten. Als mein Regio dann verspätet anrollte, folgte die nächste Ansage, derzufolge der Zug ausnahmsweise nicht an Gleis 3, sondern an Gleis 1 halte.

Also strömte die komplette Menge der Fahrgäste durch den unterirdischen Verbindungsgang rüber zum anderen Bahnsteig. Der Zug rollte ein und hielt. Und stand dann da herum und die Fahrgäste standen davor. Immer wieder drückte jemand auf einen Türöffner, aber nichts passierte. Ratlosigkeit. Durch die Fenster sah man drinnen andere Fahrgäste, die das Glück hatten, schon vorher anderswo einsteigen zu können. Sie tranken mitgebrachten Kaffee und lasen Zeitung. Für uns draußen, die immer noch sinnlos auf die Türknöpfe drückten, hatten sie keinen Blick. Immer wieder schaute ich nach vorn zur Lok, auch die anderen taten das. Ich hoffte, von dort werde ein Zeichen kommen, das die Situation auflösen könnte. Es kam aber nichts. Auch der Lautsprecher blieb stumm.

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Mit einem guten Dutzend Mitarbeitern hat die Deutsche Bahn in den letzten 100 Tagen 100.000 Facebook-Fans angelockt. Ist das viel? Wem nützt das? Lohnt der Aufwand?

Die Pressemitteilung, die der „Leiter Task Force Social Media“, Jens Appelt, dazu herausbrachte, geht auf naheliegende Fragen nur scheinbar ein. Stattdessen viel typisches PR-deutsch wie dieser Satz:

„Auf Kundenservice und Dialog ausgerichtet ist der Facebook-Auftritt des Personenverkehrs unter www.facebook.com/dbbahn. Hier gibt es neben Ticketaktionen und nützlichen Applikationen auch aktuelle Fahrplaninformationen sowie fundierte Antworten auf Fragen und Kritik.“

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Wer die Geschichte nachempfinden will: Erst Audio einschalten, dann lesen. Als ich den Aufnahmeknopf drückte, hatte ich den Klang schon eine Stunde im Ohr

Die Frau sitzt auf ihrem Koffer und heult hemmungslos. Mitten auf Bahnsteig 1 des Rosenheimer Bahnhofs, wo gleich der IC abfahren soll. Die Leute drehen sich in ihre Richtung und gucken. Eine Bahnbedienstete mit blauem Kostüm und roter Mütze redet auf sie ein. Aber die Frau sagt nichts. Heult nur völlig enthemmt.

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Kurze Pause auf dem Rastplatz: Der Besitzer dieses Kleinbusses inseriert private Mitfahrgelegenheiten, dürfte aber eher kommerziell unterwegs sein

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich eine neue Transportbranche entwickelt, die von der Unfähigkeit der staatlich geplanten Großsysteme profitiert. Auf den Webseiten von Mitfahrzentralen tummeln sich immer häufiger Anbieter, deren Fahrten wohl eher gewerblich als privat sind. Ihre großen Konkurrenten schlagen sie in fast allen Disziplinen. Und irgendwie muss man ja von A nach B kommen.

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Für einen normalen Menschen ist es aufregend, sich eine Gummi-Schnur um die Waden schnallen zu lassen und so gesichert von einer hohen Brücke zu springen. Wer einmal mit Student K. ein paar hundert Kilometer mitgefahren ist, für den wäre ein Bungee-Sprung ein Zeitvertreib, um den Adrenalin-Pegel wieder auf Normallevel zu senken. Es ist nicht so, dass K. unbeherrscht rasen würde, im Gegenteil. Manchmal klebte er mit Tempo 100 auf der linken Spur. Die Autobahn war schnurgerade und in jeder Richtung dreispurig. Kein Verkehr, jedenfalls nicht auf der mittleren Spur, auch nicht auf der rechten. Auch keine Tempobegrenzung. Es war einfach nur dunkel, wie es nach Sonnenuntergang eben dunkel ist. Aber K. klebte auf der linken Spur mit Tempo 100, und zwar so lange, bis schnellere Fahrer längere Zeit ihre Lichthupen blinken ließen.

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