Beiträge

Weil in den sozialen Netzwerken so viele Falschmeldungen kursieren müssten dringend Richtigsteller her – das ist im Wesentlichen das Motiv unserer öffentlich-rechtlichen Anstalten für ihre Faktenchecker-Formate. Beim Lesen der Faktenchecker-Artikel hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass es aber gerade nicht um Fakten geht, sondern um alles mögliche andere. Also habe ich mir einzelne Beiträge herausgepickt und näher betrachtet, drei der Tagesschau und einen des Bayerischen Rundfunks. Überprüft habe ich vor allem die Frage, ob es sich dabei tatsächlich um das Checken von Fakten handelt oder etwas anderes. Hier zunächst die vier Fälle, unten dazu das Resümée. Weiterlesen

Gehört es neuerdings zu den Aufgaben des Bayerischen Rundfunks, PR-Texte für die EU-Kommission zu verbreiten? Man kann das durchaus so pointiert fragen, wenn man dieses Stück gelesen hat, das dieser Tage auf der Homepage des BR erschien. Verfasst hat es Holger Romann, Hörfunkredakteur der bayerischen Landesrundfunkanstalt und als ARD-Korrespondent in Brüssel stationiert. Überschrieben ist es mit „Europäische Gerüchteküche“ und der Spitzmarke „#factfox“. Mit „factfox“ bezeichnet der BR sein Faktenchecker-Projekt, das – soweit lobenswert – Fakenews und Gerüchte vorzugsweise auf Social-Media-Seiten aufspüren und entlarven will.

Weiterlesen

Sonntag, 22. Januar, 15 Uhr. Auf dem Informationskanal des Bayerischen Rundfunks, B5, laufen die Nachrichten. Große Weltlage. Trumps Inauguration und die Proteste am Tag danach. Dann folgt eine Lokalmeldung aus Jerusalem: Die israelischen Behörden haben Genehmigungen für den Bau einiger Hundert Wohnungen erteilt. Was interessiert das in Bayern, möchte man fragen. Aber die Frage ist natürlich schon insofern beantwortet, als die Nachricht nicht mit ihrem Kern beginnt, also dem Umstand der Baugenehmigungen, sondern zunächst mit viel rhetorischem Anlauf Fallhöhe aufbaut: Israel treibe den Bau von Siedlungen in Palästinensergebiet voran, das ist der Einstieg in die Meldung, und er ist per se bereits nicht mehr Nachricht, sondern Wertung.

Weiterlesen

Wer glaubt, zum Thema des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und der Finanzierung aus Zwangsgebühren sei schon alles gesagt, der hat sich getäuscht.  Am Tag, an dem der bayerische Verfassungsgerichtshof die neue Kopfgebühr für rechtmäßig erklärte, da meldete sich auch der Coburger CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Heike zu Wort. Ich hörte seine bemerkenswerte Aussage zufällig im Auto im Programm von B5 Aktuell, dem Nachrichtenprogramm des Bayerischen Rundfunks. Er lief dort leider offenbar nur ein Mal, jedenfalls bekam ich ihn später nicht mehr zu hören. Seine Anmerkung zum Rundfunkbeitrag war auch nirgendwo zum Nachlesen dokumentiert, auch nicht auf seiner Website oder seiner Facebook-Seite. Inzwischen habe ich mir einen Mitschnitt besorgen können und transkribiert. Er kommentiert darin etwas schadenfroh, dass auch Drogerieunternehmer Rossmann mit seiner Klage gescheitert war. Heike wörtlich: Weiterlesen

Mein Gott, der öffentlich-rechtliche BR meldet die Explosion der Bombe schneller als die Bombe explodieren kann, während Münchens OB im Volkstheater mit Helmut Schmidt bildungsbürgerliche Wahlkampf-Talkshow spielt. Was für ein Panoptikum! Wenig später musste die Redaktion ihre Meldung zurücknehmen. Peinlich. Wie auch manche Rechtfertigung, die dann nachgeschoben wurde. Der betreffende Kollege sei schon den ganzen Tag auf den Beinen, twitterte einer. Und schob nach, es habe einen dumpfen Knall gegeben, den habe man durchaus für die Bombe halten können. Geht’s noch, Kollegen? Und warum gab’s eigentlich keinen Video-Livestream von dem Ereignis, das in München Gesprächsthema Nummer 1 war? Da hätte der Kollege nur auf den Monitor schauen müssen, und dem BR wäre eine Blamage erspart geblieben. Die Frage ist nur: was ist peinlicher – die BR-Panne oder das Programm des privaten München TV? Da lief ungerührt eine Dumpfbackensendung über Dirndl und Bikinis. Aber die bekommen immerhin auch keine GEZ-Gebühren. Ach ja, die BR Rundschau begann dann, als die Explosion unmittelbar bevorstand, mit einem Beitrag über die arbeitenden Rentner – die sowieso schon den ganzen Tag überall on Air war. Nicht zu fassen.

Weiterlesen

Gestern mal wieder auf der Autobahn in Bayern gewesen. Wetterbericht bei Bayern 3 (Staatsradio). Zuerst ein endlos labernder sogenannter Experte, der darüber sinniert, wie lange der Wind noch so kräftig geht. Dann der Nichtexperte (Moderator) mit der Vorausschau für die nächsten Tage. Montag schön, Dienstag schöner, und Mittwoch… lange Kunstpause bis zur gar herrlichen Pointe: “Mittwoch Miss-Wett-T-Shirt-Wetter”, jubiliert der Mann. Und ist völlig begeistert, die Worte “schwül”, “heiß” und “feucht” ein paarmal saftig aussprechen zu dürfen.

Weiterlesen