Beiträge

Über Jahrzehnte war das Kleine Politische Wörterbuch das Standardwerk für parteiamtlich vorgeschriebene Sprachreglungen in der DDR. Ab sofort in loser Folge: Einträge aus dem Kleinen Politischen Wörterbuch zu Themen, die uns gerade bewegen.

Heute: „Familie“

sozial-biologische Lebensgemeinschaft von Menschen, die auf Geschlechtsbeziehungen zwischen Mann und Frau sowie auf Verwandschaftsbeziehungen zwischen Eltern und Kindern beruht; […] Mit dem Entstehen des Privateigentums an Produktionsmitteln wurde die F. zur Institution, deren wichtigste Funktion darin bestand, den Verbleib des Privateigentums in der F. und damit in der besitzenden Klasse zu sichern und so der Aufrechterhaltung und Festigung des Ausbeutersystems zu dienen.

Weiterlesen

Normalerweise sind die SPON-Kolumnen des ftd-Gründers Wolfgang Münchau einfach nur geschwätzig. Seine aktuelle, in der er unter seinem Motto „Die Spur des Geldes“ die deutsche Wiedervereinigung zum Fehler erklärt, ist dagegen pure Geschichtsfälschung. Er präsentiert eine These, die die alten Gegner der Wiedervereinigung in West und Ost lieben werden. Der „Anschluss der DDR an die Bundesrepublik“ sei „überhastet“ gewesen. Stattdessen hätte es besser eine Konföderation zwischen den deutschen Staaten geben sollen. Es ist der alte Sermon, den die westdeutsche Linke seit den 70er Jahren predigte, nur mit neuer Begründung: Die Wiedervereinigung sei die tiefere Ursache der Euro-Krise, behauptet Münchau.

Weiterlesen

Beate Klarsfeld beim Einchecken nach Paris. Der Herr rechts in dunkler Kleidung, der uns den Rücken zuwendet, gehört zur Aufpassertruppe der Linkspartei und ist u.a. zur Verhinderung von Interviews da

Es ist gar nicht einfach, Beate Klarsfeld zu fragen, ob es stimmt, was die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung über ihre DDR-Kontakte schreibt. Dass nämlich der Ost-Berliner Staatsapparat auf Weisung Ulbrichts ihre Kiesinger-Ohrfeige und manch anderes zumindest propagandistisch unterstützt habe. Im April 1968 soll sie nach Ost-Berlin gereist sein, um dort Verbündete zu finden. Um es vorweg zu nehmen: Sie dementiert das nicht. Sie hat meine Frage schlicht nicht beantwortet, bzw. mir eine Antwort aufgetischt, die mit der Frage nichts zu tun hatte, und das war sicher kein Versehen, denn Frau Klarsfeld ist ausgesprochen wach und schlagfertig, und ich habe drei Mal insistiert. Am Ende, als alles Ausweichen nicht half, lachte sie nur, drehte sich weg und ging zum Checkin-Schalter auf dem Flughafen Berlin-Tegel.

Weiterlesen

Jagte schon als DDR-Kripomann Naonazis: Bernd Wagner

Es gibt nur wenige, die verstehen, wie unterschiedlich die Neonazi-Szenen im Osten und Westen ticken. Der vermutlich wichtigste von ihnen ist Bernd Wagner. Wagner ist früherer DDR-Vopo und spezialisierte sich schon damals auf die Neonazi-Szenen. Das war ungewöhnlich und heikel, weil die DDR-Führung propagandistisch für sich in Anspruch nahm, das Phänomen des Nazismus mit Stumpf und Stiel ausgerottet zu haben. Was die Partei für erledigt erklärte, durfte folglich nicht mehr existieren. Tat es aber eben doch. Es handelt sich um einen Teilbereich der DDR-Diktatur, dessen Folgen nunmehr von Westseite ignoriert werden – nach der nicht unähnlichen Devise, was nicht sein darf, kann dann eben auch nicht sein.

Weiterlesen

Historiker Horvath vor dem Springer-Hochhaus. Hier tobte nach den Schüssen auf Dutschke die Revolte

Steckt der DDR-Staatssicherheitsdienst hinter dem Tod des früheren Studentenführers Rudi Dutschke? Dieser Frage geht die Berliner Staatsanwaltschaft nach. „Wir prüfen, ob ein Anfangsverdacht vorliegt“, sagte mir der Berliner Justizsprecher Martin Steltner. Anlass ist eine Anzeige des Historikers Peter Horvath. Den Verdacht schöpfte Horvath während der Arbeit an seinem Buch „Die inszenierte Revolte – hinter den Kulissten von ’68“. Bei der Sichtung von Stasi-Akten fand er Hinweise, nach denen Dutschke-Attentäter Josef Bachmann von der Stasi für die Tat vorbereitet und bewaffnet wurde. Bachmann hatte am 11. April 1968 auf dem Berliner Kurfürstendamm mehrere Schüsse auf Dutschke abgefeuert und den Studentenführer mit Treffern in den Kopf schwer verletzt. Nach bisheriger Darstellung starb Dutschke 1979 an den Spätfolgen des Attentats im dänischen Arhus. Fragen dazu an Horvath.

Weiterlesen

Keine guten Zeiten für die Linke. Jetzt erscheint schon wieder ein Buch, dass das Zeug für eine ordentliche Debatte hat, womöglich schärfer und grundsätzlicher als die Debatte um Sarrazins Buch. Geschrieben hat es der frühere DKP- und SDAJ-Kader Peter Horvath. Der Titel: „Die inszenierte Revolte – Hinter den Kulissen von ’68“. Es ist die Geschichte einer Verschwörung, die in Moskau und Ost-Berlin gesponnen wurde, um den Westen zu destabilisieren und zu unterwerfen. Eine Inszenierung, in der die 68er-Bewegung in Deutschland eine Hauptrolle spielte. Im Grunde eine Enthüllung, belegt mit umfangreichen Funden in den Stasi-Akten, Zeitzeugen und Dokumenten.

Weiterlesen

Jeder vierte Ostdeutsche stehe der Marktwirtschaft bis heute kritisch gegenüber, resümierte gestern Abend die ZDF-Reportage „Beutezug Ost“. Schuld sei die Treuhandanstalt, die schnelle Einführung der D-Mark, die Abwicklung der DDR-Industrie. Es ist die immer gleiche Legende, die exakt von denen gesponnen wird, die im Osten wie im Westen schlicht eines nie wollten: Die deutsche Einheit. Der Film stellte Unternehmen vor, die, so die Autoren, beispielhaft für die Wettbewerbsfähigkeit der DDR-Industrie stünden. Ein früherer DDR-Staatsbanker lobte, die DDR habe ihren Bedarf aus sich selbst heraus erwirtschaften können, anders, als die heutigen ostdeutschen Bundesländer, die auf Geld aus dem Westen angewiesen seien.

Weiterlesen

|Heute passieren in Berlin coole Sachen, die neuerlich zeigen, dass die Partei, die Partei, eben doch nicht recht hatte. Den Überblick über die offiziellen Feiern gibt es hier. Die Mauer, symbolisch aus riesigen Dominosteinen neu errichtet, wird noch einmal eingerissen. Es gibt ein Fest um das Brandenburger Tor, das treffend Fest der Freiheit heißt. Gegen 20 Uhr beginnt ein Flashmob entlang des alten Mauerverlaufs. Eine hübsche Idee: Mit Taschenlampen wollen die Teilnehmer die Spaltung noch einmal sichtbar machen.

Weiterlesen

„Am 24. Oktober findet in Petershagen das 24. Treffen ehemaliger Angehöriger der Grenztruppen der DDR und Sympathisanten statt. Thema: »Die Öffnung der Staatsgrenze der DDR am 9. November 1989 – ein Ereignis von historischer Tragweite und widersprüchlichem politischen Charakter.« Hauptreferent: Egon Krenz“

Weiterlesen