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Die FAZ profiliert sich schon seit einiger Zeit als bisweilen fundamentalistischer Netzkritiker. Vor allem die „Giganten“ Google und Facebook stehen auf dem Zettel von Redaktion und externen Autoren. FAZ-typisch muss dabei möglichst beeindruckende Fallhöhe her. Es geht um Grundlegendes, vor allem um die Meinungsfreiheit. Aus Fallhöhe wird aber schnell Absturzhöhe, wenn die Argumentationstiefe nicht hinterherkommt.

„So zensiert Facebook“, schrieb das Zeitungsportal. Worum geht es? Facebook habe ein paar Bilder gelöscht, auf denen knutschende Schwule oder Lesben oder auch ein künstlerisch fotografierter nackter Mann mit Beinprothese zu sehen waren. Facebook habe sich damit gerechtfertigt, auch Kinder oder Angehörige aller möglichen Religionen seien auf seinen Seiten unterwegs, worauf der FAZ-Autor rhetorisch fragt: Weiterlesen

Es gibt Bücher, die einem das Gehirn durchpusten und dabei helfen, das eigene Gedankensystem mal wieder geradezurücken. Zwei davon habe ich gerade gelesen und empfehle sie heftig. Sie handeln von keinem der Themen, die im deutschsprachigen Raum so mehltauartig auf die Stimmung drücken, sondern von großen Erfindern, großen Ideen und großen Erfolgen. Beide sind heftige Empfehlungen.

Fangen wir mit diesem an: Was Google wirklich will: Wie der einflussreichste Konzern der Welt unsere Zukunft verändert. Autor ist Thomas Schulz, Korrespondent des Spiegel im Silicon Valley. Die ersten Seiten überschlagen wir gnädig, da hat vermutlich ein Lektor mitgewirkt, der unnötigerweise mit viel Floskelei Fallhöhe aufbauen wollte, was – angenehme Überraschung ab Seite 31 – völlig überflüssig war, denn die Fallhöhe folgt aus der Story, die dann schön geradeaus erzählt wird.

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Ooops! Woher bezieht Google Maps neuerdings seine Straßendaten? In Berlin gibt’s auf dem populärsten Kartendienst der Welt jedenfalls neuerdings wieder einen Adolf-Hitler-Platz mitten in Berlin.

Der „Adolf-Hitler-Platz“ hieß tatsächlich einmal so. Im April 1933 gaben die Nazis ihm diesen Namen. Bis dahin hieß er Reichskanzlerplatz. Diesen Namen bekam er nach dem zweiten Weltkrieg zurück. Sechs Tage nach dem Tod des ersten deutschen Bundespräsidenten Theodor Heuss wurde er neuerlich umbenannt und heißt seitdem Theodor-Heuss-Platz. Das war am 18. Dezember 1963 und ist damit inzwischen auch schon 50 Jahre her.

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Es ist ein ambitionierter Plan: Google möchte das Internet komplett von Kinderpornografie säubern. Das meldet der britische Telegraph. Google will dabei in zwei Schritten vorgehen. Im ersten werden alle als Kinderpornografie erkannten Bilder mit einer elektronischen Kennmarke versehen und in einer Datenbank registriert. Im zweiten Schritt gibt Google diese Datenbank für jedermann frei – auch für seine Konkurrenten. Damit wird ein webweiter Standard geschaffen, der derart markierte Bilder zur heißen Ware macht und sie aus Tauschbörsen aller Art vertreiben soll.

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Mal wieder so eine Meldung, bei der man zwei Mal hinschauen muss, um zu glauben, was da steht: „Innenpolitiker fordern ein deutsches Google“. Und dann finden sich da auch noch zwei Namen, die für durchgehenden Blödsinn schon lange berühmt sind: Hans-Peter Uhl von der CSU und Dieter Wiefelspütz von der SPD. Wollen jetzt also ein deutsches Bundesgoogle, womöglich als steuerfinanziertes Angebot. Oder vielleicht als ARD-ZDF-Google unter dem staatsvertraglichen Dach der öffentlich-rechtlichen Anstalten. Weil es nicht angehe – das ist jetzt wieder ganz ernst gemeint –, dass amerikanische Geheimdienstler mitlesen, was deutsche Surfer im Netz machen.

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RP-Online zeigt vier Rentner vor ihren Häusern, die bei Streetview ihre Häuser pixeln lassen wollen

Leute wie Ludwig Hillesheim, Konrad Richter und das Ehepaar Anne und Erich Jeschkowski wurden zwar von manchen Medien wochenlang als Beispiel für allgemeinen Volkszorn vorgeführt. Aber jetzt stellt sich heraus, dass sie doch nur eine kleine Minderheit sind. Sie gehören zu knapp drei Prozent, die ihre Häuser bei Google Streetview verpixeln lassen. Jetzt, wo die Sache ausgestanden ist, fragt man sich, wie der ganze Lärm um Streetview zustande kam. Der war ja so laut, dass das Umfrageinstitut Emnid in einer nunmehr eher peinlich wirkenden Umfrage ermittelte, eine Mehrheit von 52 Prozent wolle sein Haus wegpixeln lassen. Vielleicht seien die Deutschen nach zwei Diktaturen besonders sensibilisiert, sagte ein Google-Sprecher der Welt online. Schwer zu glauben. Der oberste Anti-Google-Kämpfer, der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar, hatte dem Internetkonzern ja ausgerechnet mangelnde Transparenz und das Agieren mit „falschen Zahlen“ vorgeworfen. Jetzt, wo die echten Zahlen auf dem Tisch liegen, sieht das für mich irgendwie anders aus.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar ist offenbar der einzige, der in der Google-Streetview-Debatte noch bei Verstand ist. Er sehe keine großen Probleme und werde sein Haus nicht wegpixeln lassen, erklärte er mehrfach. Auch Innenminister Thomas de Maizière ist auf die Bremse getreten. Aber das Geschrei der restlichen politischen Klasse von links bis rechts ist aberwitzig – und erscheint angesichts staatlicher Konkurrenzangebote in einem zusätzlich düsteren Licht. Denn Vater Staat bietet das, was Google mit Streetview ins Netz bringen will, schon seit Jahren an. Nur weit höher aufgelöst, aus der Luft fotografiert, mit Blick auf die scheinbar abgeschiedene Terrasse oder den nach hinten gelegenen Balkon. Und, anders als Google Streetview, nur gegen Cash.

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Realsatire-Debatte um Google Streetview, nächste Folge, die das Unmögliche möglich macht, nämlich das bisher schon unterirdische Niveau weiter zu unterbieten. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, wiederholt in der FAS mit Sorgenfalten einen Einwand, als habe es die bisherige Debatte nicht gegeben: „Durch den neuen Internetdienst können Kriminelle die Objekte in aller Seelenruhe betrachten. Sie können sehen: Wie ist das Haus gesichert?“.

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RP-Online zeigt vier Rentner, die bei Streetview ihre Häuser, auf diesem Bild noch erkennbar, pixeln lassen wollen

Es kann nicht anders sein – die völlig freidrehende Debatte um Google Streetview ist sicher nur so etwas wie ein Sommerloch-Thema. So belangvoll wie Kaimane in Badeseen oder Forderungen à la Deutschland möge Mallorca kaufen. Sogar die ansonsten ernst zu nehmende FAZ springt drauf. „Ist Google der Staat?“, fragt Berthold Kohler, der dem erlesenen Herausgebergremium angehört, „angesichts der Selbstverständlichkeit, mit der das Unternehmen Deutschlands Straßen und Plätzen kartografierte“. Was soll die Frage? Darf so etwas nur der Staat? Soll das Kartografieren genehmigungspflichtig werden? Vielleicht auch das öffentliche Fotografieren?

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Unsere Politiker von links bis rechts laufen gerade Amok gegen Google Streetview. „Ich werde Widerspruch erheben gegen Fotos von meinem Haus und meinem Garten“, sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Ebenso will es der Grüne Christian Ströbele halten, der Googles Projekt „ungeheuerlich“ findet, außerdem die sogenannte Datenschützerin der FDP, Gisela Piltz, und auch die Berliner CDU-Parlamentarierin Monika Grütters nutzte die sommerliche Google-Prügel, um auch mal in einem überregionalen Medium vorzukommen. Der saarländische SPD-Politiker Heiko Maas, irgendwie auch in der Versenkung verschwunden, bemüht das übliche antikapitalistische Ressentiment, wenn er sagt, Google sei „keine karitative Organisation“.  Und Bodo Ramelow von der Linken nennt als sogenanntes Argument gegen Googles Straßenfotopanorama: „Streetview ist äußerst heikel, weil der Nutzer die Perspektive eines Fußgängers einnehmen kann“.

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