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Es ist ein bisschen albern, wenn WDR und ARD jetzt meinen, sie müssten die Filmdoku „Auserwählt und ausgegrenzt“ deshalb zeigen, damit sich das Publikum „ein eigenes Bild machen kann“, wie ARD-Programmdirektor Volker Herres formuliert. Dank Bild konnte das ja jedermann schon tun. Tatsächlich geht es wohl eher darum, letzte Reste von Gesicht zu wahren.

Jetzt sollen es also „handwerkliche Mängel“ der Filmautoren sein, die der WDR gegen den Film vorbringt. Das ist bemerkenswert, denn es war die für Arte zuständige WDR-Redakteurin, die den Film abgenommen und freigegeben hat. Erst danach hatte das Drama begonnen, weil Arte sich wohl nicht an die Spielregeln hielt. Nach Einschätzung des Medienjournalisten Michael Ridder vom epd werden Arte-Filme üblicherweise von den Zulieferern – hier also vom WDR – freigegeben, nicht dagegen von Arte-Leute in Straßburg – so Ridder im NDR-Medienmagazin Zapp (ab 1:47).

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Seit ein paar Tagen ist die kleine Mila Florentine getauft und damit offiziell ein Christenkind, evangelisch. Die Taufe war in der Kirche in Ebersberg. Örtlich wäre Grafing für uns zuständig gewesen. Aber Grafing fand ich nicht so gut, nachdem ich die Webseite der Gemeinde gesehen habe. Da gibt es einen Menüpunkt „Israel/Palästina“. Als ich den sah, dachte ich mir schon, dass Israel da nicht gut wegkommt, was sich dann bewahrheitete. Entscheidend für meine Entscheidung, meine Tochter nicht dort taufen zu lassen, war aber etwas anderes. Ich wollte eine Gemeinde und einen Pfarrer, die – wenigstens nicht zu offensichtlich – politischen Aktivismus über Glauben stellen.

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Jetzt ist das christliche Abendland für Spiegel Online schon "eine andere Welt" – immerhin flog der Satz nach kurzer Zeit raus

„Die Verschwulung der Welt“ ist ein Buch des libanesischen Autors Raschid al-Daif. Er beschreibt darin seine Begegnung mit dem schwulen deutschen Schriftsteller Joachim Helfer. Der lebt in einer schicken Wohnung mit einem wohlhabenden Freund in Berlin und habe, so al-Daif, den Hang, sein Schwulsein zum alles überwölbenden Lebensthema zu machen. Die beiden sind Teilnehmer eines öffentlich geförderten Begegnungsprogramms, das Dichter aus beiden Kulturkreisen zusammenbringen soll. Die Schilderung al-Daifs über diese Zeit wird in der deutschen Ausgabe immer wieder mit Erwiderungen Helfers gegengeschnitten. Die Doppelerzählung artet in eine Rivalität der beiden aus, die al-Daif gewinnt – mit der Feststellung, Helfer habe sich in Beirut in eine Frau verliebt und ein Kind mit ihr gezeugt.

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Margot Käßmann | Foto: Kirkjan via Flickr

In meinem Kiez in Kreuzberg wohnt eine Frau meines Alters, die sich noch so kleidet, wie sich damals in den nach-68er Jahren alternative Studentinnen kleideten. Ab und zu verirrt sie sich in eines meiner Stammlokale und gibt sich dann gern sehr engagiert. Sie hat die ganze Palette drauf: Macht irgendwas mit sozialen Projekten, die sie immer wortreich und unverständlich erklärt. Hadert immer mit dem Staat, der ja nur Geld für die Banken rauswirft und immer viel zu wenig für ihr jeweiliges Projekt. Findet die Frankfurter Rundschau gut. War schon immer gegen Atomkraft. Ist Feministin. Undsoweiter. Und steht auf Margot Käßmann.

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Den Bischof Mixa muss der Teufel der katholischen Kirche eingebrockt haben. Das, was da gerade an Widerlichkeiten ans Tageslicht kommt, hätte sich kein Romanautor ausdenken dürfen. Jeder Verlag hätte diese Melange aus exzessivem Sex & Drugs & Rock’n’Roll im Talar als völlig realitätsfern verworfen. Aber das Leben und der Leibhaftige schreiben die besten und die absurdesten Geschichten. Man hat den Eindruck, dass sogar die antiklerikalen Populisten vorübergehend verblüfft sind, diese Leute, die sonst so tun, als wären sie auf das allerherbste persönlich getroffen, wenn der Papst zur Moral spricht. Als würde es sie geradezu körperlich zerreißen, wenn Benedikt sexuelle Enthaltsamkeit, eheliche Treue und solche Dinge predigt. Als würden sie plötzlich an das Fegefeuer glauben und als sei der Papst persönlich der Höllenhenker, der es am lodern hält. Dieselben Leute, die ansonsten agnostisch über den Dingen zu stehen vorgeben, die glauben, ihr Wissen sei jedem Glauben überlegen, die die Autorität des Papstes für eine Anmaßung halten, die seine Stellvertreterrolle auf Erden nur hohnlachend zur Kenntnis nehmen können, ausgerechnet diese Leute schreiben der katholischen Kirche und ihrer Führung metaphysische Kräfte zu, wenn sich daraus Fundamentalkritik ableiten lässt.

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