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Rechtsmediziner Michael Tsokos (rechts) und sein schärfster Kritiker, der Autor Klaus Gietinger

Mit dem Timing ist das immer so eine Sache. Die Fernsehdoku „Leichensache Luxemburg“ ist nicht schlecht gemacht, kommt aber viel zu spät (kommender Mittwoch, 17.3., 23.30 im Ersten), denn zum Thema ist schon lange alles gesagt. Daran krankte auch die heutige Pressevorführung im Berliner RBB-Gebäude. Der Sender hatte die beiden schärfsten Kontrahenten in der Causa dazugeladen, wohl in der Hoffnung, den Journalisten noch einmal gutes Futter zu liefern. Die Debatte war dann aber eher niedlich als kontrovers. Vor allem Rechtsmediziner Michael Tsokos, der den Fall ins Rollen gebracht hatte, räumte entwaffnend offen einige historische Bildungslücken ein.

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Die in Israel lebende Großnichte von Rosa Luxemburg, Irene Borde, hat sich in der Affäre um die unbekannte Wasserleiche in der Charité zu Wort gemeldet. Sie hält dem Leiter der Berliner Rechtsmedizin, Michael Tsokos, vor, er habe seiner Zunft geschadet. „Wird Prof. T. zurücktreten, nachdem er die deutsche Rechtsmedizin beschädigt hat?“, fragt Frau Borde in einer E-Mail an Tsokos‘ Vorgänger Volkmar Schneider.

Frau Borde lebt in Jerusalem und ist trotz ihres betagten Alters von 79 Jahren noch beruflich aktiv – als Wissenschaftlerin und Professorin für mechanisches Ingenieurswesen an der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheba. Frau Borde hatte Haar- und Speichelproben für eine DNA-Untersuchung zur Verfügung gestellt, nachdem Tsokos die Behauptung aufgestellt hatte, eine Fettwachsleiche, die als Museumsstück in seinem Institut lag, sei der Torso der KPD-Gründerin Luxemburg. Eine erste Probe hatte sie dem Reporter Wendelin Gabrysch (Bild am Sonntag) in Jerusalem übergeben, eine zweite im August 2009 in Berlin an Schneider. Ob ihre Proben untersucht und mit denen der Wasserleiche verglichen wurden, ist derzeit nicht zu klären. Tsokos äußert sich auf entsprechende Fragen widersprüchlich.

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Der Fall der unbekannten Wasserleiche in der Charité ist gelöst und die Frage, ob es sich um Rosa Luxemburg handelt, ist beantwortet. Sie ist es nicht. Dafür ist eine neue Causa eröffnet: Die Methoden von Berlins oberstem Leichenbeschauer Michael Tsokos und die Zustände in seinen Instituten.

Die letzte Neuigkeit zur Wasserleichen-Affäre ist grotesk. Sie betrifft das Isotopengutachten, das Tsokos in Kiel anfertigen ließ. Er folgert daraus, seine Wasserleiche passe zumindest in das zeitliche und örtliche Lebensumfeld von Rosa Luxemburg. Tatsächlich ist es ein handfestes Indiz dafür, dass Tsokos irrt.

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Für die Überraschung des Tages sorgte der pensionierte Rechtsmediziner Gerhard Bundschuh. Bundschuh war heute Vormittag als Gast einer Pressekonferenz der sächsischen Rosa-Luxemburg-Stiftung und Historikern im Berliner Haus des „Neuen Deutschland“ erschienen, die mit historischen Dokumenten die Behauptung des Chefs der Berliner Rechtsmediziner, Michael Tsokos, widerlegten, eine in seinem Institut lagernde Wasserleiche sei der Korpus der ermordeten Rosa Luxemburg. Bundschuh kündigte ein eigenes Gutachten an, das dem simpelsten aller Indizien auf den Grund ging – nämlich einem Vergleich der Körpergrößen der Charité-Leiche und Rosa Luxemburgs. Sein Resultat: Die Charité-Leiche war zu Lebzeiten ca. 1,65 Meter groß, Rosa Luxemburg dagegen nur 1,49 Meter.

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Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung bringt heute auf Seite 4 einen langen Text über die Affäre um die Wasserleiche in der Berliner Charité. Ich habe ihn mit einiger Erleichterung gelesen. Ich dachte schon, ich stünde mit meiner Einschätzung auf verlorenem Posten. Jetzt aber scheint das PR-Gebilde des Chefs der Berliner Rechtsmediziner ins Wanken zu geraten. Der Schaden, der da entsteht, dürfte beträchtlich sein. Vermutlich werden jetzt auch die Redaktionen der Berliner Zeitungen beginnen, sich zu fragen, ob sie da womöglich dem Falschen auf den Leim gegangen sind.

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Die Wasserleiche in der Berliner Charité – seit dem vergangenen Frühjahr behauptet der Chef der Rechtsmediziner, Michael Tsokos, es handele sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die Leiche der KPD-Gründerin Rosa Luxemburg.

Eine Gruppe von Historikern und Autoren kündigt jetzt einen Forschungsbericht an, der Tsokos‘ Behauptung widerlegen soll. „Das Gerücht, wonach es sich um die sterblichen Überreste von Rosa Luxemburg handelt, ist bis heute weder bestätigt noch widerlegt“, schreibt einer der Autoren, Klaus Gietinger. „Das wird sich am 7.1.2010 ändern.“ An diesem Tag will er mit seinen Ko-Autoren den Forschungsbericht vorlegen.

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Man könnte es als heftigen Gelehrtenstreit abtun, der für die Allgemeinheit eher uninteressant sei. Aber das wäre fatal. Der frühere Chef der Berliner Rechtsmediziner, Volkmar Schneider, hat eine 133 Seiten starke Kampfschrift gegen seinen Nachfolger, den heutigen Institutschef Michael Tsokos, verfasst. Folgt man den Details, die Schneider präsentiert, dann stellt sich eine beklemmende Frage: Wer würde sich wünschen, im unerwarteten Fall eines gewaltsamen Ablebens in einem Institut zerlegt zu werden, dessen Chef eher an Presseschlagzeilen und  Buchtantiemen gelegen ist als an wissenschaftlicher Akribie und der sich nicht scheut, dafür Fakten zu manipulieren?

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Der Berliner Medizinhistoriker Dr. Dr. Manfred Stürzbecher glaubt nicht daran, dass die Leiche in der Charité etwas mit Rosa Luxemburg zu tun hat. „Nach dem, was ich weiß, spricht alles gegen diese Theorie“, sagte er auf meine Anfrage.

Stürzbecher stützt sich vor allem auf historische Zusammenhänge. „Wäre dieses Gerücht schon früher in der Welt gewesen, dann hätte Erich Mielke Interesse daran gehabt.“ Außerdem spreche der dut dokumentierte Weg der toten Rosa Luxemburg dagegen. Außerdem habe es damals beim Berliner Polizeipräsidenten einen „Leichenkommissar“ gegeben. „In einem politisch so brisanten Fall hätte er nie eine Manipulation gewagt“, sagte Stürzbecher. Er ist daher überzeugt, dass die Gerichtsmediziner damals die echte Leiche der Rosa Luxemburg untersuchten. Für „undenkbar“ hält er es auch, dass die Leiche der Revolutionärin etwa als Anschauungsmaterial für Studenten in der Charité gelandet sein könnte.

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Letzte Woche rauschte die Meldung durch die Zeitungen, die Staatsanwaltschaft habe die Obduktion der angeblichen Rosa-Luxemburg-Leiche angeordnet. Heute teilte mir Justizsprecher Martin Steltner mit, die Leiche sei fertig obduziert. Und, ist es Rosa Luxemburg? Er gehe davon aus, dass davon nichts im Obduktionsbericht stehe, so Steltner.

Dabei hatte die Staatsanwaltschaft ausgerechnet das Berliner Charité-Institut für Rechtsmedizin mit der Obduktion beauftragt, dessen Chef Michael Tsokos gutes Geld mit der Behauptung verdient, er halte da einen „Fall Rosa Luxemburg“ in Händen. Tsokos‘ Vorgänger Volkmar Schneider fragt adazu, ob das Charité-Institut nicht möglicherweise befangen sei. Die Frage stellte ich auch dem Justizsprecher. Der antwortete, die Obduktion sei doch eh nur Routine. Wenn eine Leiche auftauche, deren Todesursache ungeklärt sei, sei das eben so. Die Frage, warum die angebliche Rosa Luxemburg aus der Charité erst und ausgerechnet jetzt obduziert wurde, beantwortete er damit, dass der Vorgang etwas länger auf dem Dienstweg unterwegs gewesen sei.

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Erneut berichtet die Berliner Morgenpost über den „Arzt, der das Rätsel um Rosa Luxemburg löst„. Damit ist Michael Tsokos gemeint, Chef der Berliner Rechtsmedizin. Man kann den Artikel sehr fix überreißen, wenn man gleich auf den letzten Absatz kommt. Da steht folgendes:

„Auch, wenn viele Indizien dafür sprechen, dass es sich bei der unbekannten Fettwachsleiche tatsächlich um die tote Revolutionärin handeln könnte – der letzte (DNA-) Beweis fehlt noch immer. Tsokos hofft auf einen Treffer, der ihm eine Übereinstimmung von 99,99 Prozent liefert. Ein Haar von Rosa Luxemburg, ein Hautschuppen oder vielleicht ein Fingernagel.“

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