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„Berühmte Trump-Fragestellerin“ – so nennt der Medien-Branchendienst kress.de die dpa-Reporterin Kristina Dunz. Berühmt? Wie Einstein, Brad Pitt oder Donald Trump? Das erscheint mir übertrieben, und ich bin mir auch nicht sicher, ob die Betreffende das selbst so sieht. Sie hat ja nur bei einer PK (wenn auch auf höchster Ebene) eine Frage gestellt. Die richtete sie an Donald Trump. Sie lautete:

„Warum macht Ihnen Pressevielfalt eigentlich so große Angst, dass Sie so oft von Fake News sprechen und selbst Dinge behaupten, die dann nicht belegt werden können, wie die Äußerung, Obama habe Sie abhören lassen?“

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Es ist ja gerade Mode, bei jeder Gelegenheit auf die Medien und die Journalisten einzuprügeln. Und es ist unbestritten wahr, dass die Masse falscher Eilmeldungen zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum NPD-Verbotsverfahren entsetzlich peinlich waren. Ooo-kay! Aber zu denken geben sollte einem doch, dass es so viele Kollegen waren, die da beteiligt waren. Und die waren bestimmt nicht alle einfach nur zu doof.

Nur ein Teil der Falschmeldungen kann nämlich als peinlich pur verbucht werden: Diejenigen, die stumpf Spiegel Online kopierten (statt auf die dpa zu hören, die von Anfang an richtig lag). Die anderen, die mit eigenen Reporter im Gericht vertreten waren, waren zwar auch peinlich, könnten aber eine Entschuldigung geltend machen – nämlich die sprachliche Unverständlichkeit der Justiz.

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Verschwörungstheoretiker erkennt man an Formulierungen wie diesen:

Es ist interessant, dass…
Fragen wir, wer davon profitiert…
Man fragt sich, warum…
Ein Verdacht, der sich nicht ausräumen lässt…

All diese Formulierungen besagen: Derjenige, der da eine Theorie vertritt, hat keinen wirklichen Schimmer und keine Fakten, denn sonst würde er die einfach nennen. Und damit zur Türkei, zu Erdogan und zu dem Journalisten Hajo Schumacher.

Hat Erdogan den Putsch am letzten Wochenende inszeniert? Die Antwort auf diese Frage ist bis in seriöse Medien hinein hier und da ein jedenfalls angedeutetes ja. Das Problem: Sollte sich herausstellen, dass es doch nicht so war, müssten die Betreffenden sich korrigieren und sich damit gegen einen Strom der öffentlichen Meinung stellen, den sie selber befördert haben. Blöd. Man korrigiert sich nur ungern. Die Meldung der Nachrichtenagentur Reuters, laut der Erdogan selber nur knapp davonkam, findet wohl genau darum in deutschen Medien nach meinem Geschmack zu wenig Resonanz. Man fragt sich, warum sie nicht größer läuft.

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Die Briten haben also mit Mehrheit für den Austritt aus der EU gestimmt, und weil sie ein souveränes Staatsvolk sind, durften sie das. Auch, wenn Politiker aller Parteien und viele Journalisten jetzt wieder gegen Referenden im Allgemeinen ätzen werden – so falsch sind Volksentscheidungen meist nicht, wie Wahlergebnisse oder die Erfahrungen aus der Schweiz zeigen. Und wenn ein Volk mal echten Unsinn beschließt, dann wurde es meist einseitig manipuliert, wie 1973 das bayerische, das von CSU, SPD und bayerischem Rundfunk überredet wurde, den Privatfunk in seiner Landesverfassung zu verbieten. Ja: In Bayern ist Privatfunk verfassungsrechtlich bis heute verboten (obwohl es ihn dank juristischer Tricks dennoch gibt), was ich für eine dümmere Entscheidung halte als das nein der Briten zur EU-Mitgliedschaft.

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Wer hat um Himmels Willen dieses Foto auf der Webseite der FAZ ausgesucht? Da muss eine Menge negativer Energie im Spiel gewesen sein. War der Frühstückskaffee bitter? Die Nacht zu kurz? Hat die Freundin gerade Schluss gemacht? Oder ist da jemand vom Brexit-Resultat derart angefasst, dass er dieselbe Wut im Bauch hat als habe ihn jemand persönlich angegriffen?

Tino Brandt war nach langer Zeit wieder als Zeuge im NSU-Prozess. Tino Brandt? Klar, kennt man, oder? Er war dünner als beim letzten Mal. Angeblich ist er mit dem Essen im Gefängnis unzufrieden. Darum mein kleiner Foto-Scherz mit Brandt-Zwieback. Immer nur Kinderschokolade mit Köpfen zur politischen Lage ist ja auch langweilig. Mir geht es jetzt auch nicht darum, nochmal alles aufzuschreiben, was man über Tino Brandt zur Sache aufschreiben könnte, sondern zu beschreiben, wie Leute auf die Nennung seines Namens reagieren, die keine Reporter und keine Nachrichtenjunkies sind. Und zwar mehr oder weniger so: „Tino Brandt? Ähm… ach ja, genau, das war doch nochmal…“. Im Gefängnis sitzt er übrigens nicht wegen terroristischer Vergehen, sondern wegen Missbrauchs minderjähriger Jungen, aber das nur am Rande.

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Weiß noch jemand, wie es kam, dass wir eines Tages keine GEZ-Gebühr mehr hatten sondern einen „Rundfunkbeitrag“? Das haben alle 16 Landtage im Jahr 2011 beschlossen. Es ist schwer, sich daran zu erinnern, weil es nirgendwo eine öffentliche Debatte zu dem Thema gab. Die Landtagsparteien haben die alte Gerätegebühr ziemlich unauffällig durch die Quasirundfunksteuer ersetzt. Nur in Sachsen, dessen Landtag als einer der letzten das Thema durchwinkte, flackerte ein Ansatz an Kontroverse auf, die damit endete, dass Staatskanzleichef Johannes Beerbaum drohte, den Landtagen die Ratifizierung des Rundfunkstaatsvertrags komplett wegzunehmen.

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Ich hatte ja letztes Jahr schon überlegt, ob ich den Journalistenberuf generell an den Nagel hängen sollte – weil das Einkommen streckenweise erbärmlich und der bürokratische Aufwand streckenweise aberwitzig ist. Jetzt stehe ich wie jedes Jahr vor der verspäteten Frage: Soll ich auch für 2016 einen Presseausweis beantragen oder soll ich einfach drauf pfeifen?

Tatsache ist: Wenn ich einen habe, dann vereinfacht das den Zugang zu Gerichtsprozessen. Die Gerichte sind immer manischer darauf fixiert, sich von Journalisten den Presseausweis zeigen zu lassen. Ich hatte dieses Jahr ja schon gelegentlich wieder nervtöttende Diskussionen mit Polizeiwachen, die meinen abgelaufenen Ausweis nicht akzeptierten, andererseits aber auch nicht zufrieden waren, wenn ich dann eben als gewöhnlicher Zuschauer in einen Saal wollte, dann aber wiederum ganz gern was zu schreiben dabeihätte.

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Zweierlei gilt es zunächst festzuhalten – erstens: Die Kölner Polizeiführung hat Medien und Öffentlichkeit (Steuerzahler) über die Silvesterausschreitungen am Hauptbahnhof vorsätzlich belogen, glaubt man den empörten Beamten, die das jetzt öffentlich machten (und hier). Und zweitens: Das ZDF hat seine Zuschauer und auch alle nicht zuschauenden Gebührenzahler durch Verschweigen ebenfalls belogen, wie dessen stellvertretender Chefredakteur zerknirscht einräumte. Wie konnte es dazu kommen?

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Ich kenne die Kollegin Janine Grosch aus Köln nicht, aber ich habe beim Kölner Stadtanzeiger ein sehr klares Faktenstück über den Stand der Dinge zur Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof gelesen, das ihren Namen in der Autorenzeile trägt. Die Überschrift heißt „Das wissen wir bisher über die Täter“. Darin steht, dass wohl auch frisch zugewanderte Syrer verdächtigt werden. Im ganzen sollen es doch mehr als 1000 Männer gewesen sein, die zu der Gruppe gehörten. Viele von ihnen seien offenbar von weiter auswärts angereist. Wir erfahren auch, dass die Polizei „in sozialen Netzwerken“ recherchiere, ob sie sich gezielt verabredet haben könnten.

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