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Ja, ja. Herr Ponader stimmt jedes Talkshow-Wort mit der Basis ab.

Norbert Röttgen? Abgehakt. Gut für die CDU. Ranschmeiße an Grüne und die SPD gescheitert. Stammwähler streiken jetzt. FDP? Zu früh totgesagt, wie immer. SPD? Langweilig, wie immer. Freuen sich über ein Thirtysomething-Resultat, als hätten sie ein Stoiber-Ergebnis geholt. Wen vergessen? Ach ja, die Piraten. Haben es geschafft. Ihre Wähler wanderten zumeist von SPD und Grünen rüber. Die Wahlbeteiligung war mehr oder weniger dieselbe wie immer. Bisher heißt es immer, es seien Parteienverdrossene, die Piraten wählten. Das scheint in NRW nicht so gewesen zu sein.

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Im Inforadio des RBB in Berlin moderierte heute früh eine Moderatorin einen Bericht an, der sich mit den Parteitagen von Grünen und Piraten zu befassen versprach. Der Beitrag hielt dann nicht ganz, was die Anmoderation avisierte. Es ging allein um die Grünen. Die Piraten tauchten nur in Form wirrer Warnungen der grünen Frontfrauen Claudia Roth und Steffy Lemke auf. Dass dieser Beitrag einseitig war, ist inhaltlich wie formal nicht bestreitbar. Vermutlich liegt es daran, dass die Piraten für die Abschaffung der GEZ-Gebühr sind.

Für grün gesinnte öffentlich-rechtliche Redakteure (und die Mehrheit der Redakteure quer durch alle Medien wählt tatsächlich grün) sind die Piraten damit ein schlimmes Schreckgespenst. Sie stehen für die Gruppe der 80er-Jahre-Kinder. Deren Elternhäuser sind so grün-bürgerlich wie die Elternhäuser der Babyboomer konservativ-bürgerlich waren. Der Sänger der “Baseballs“, Basti, bringt es auf den Punkt: “Wer damals gegen seine Eltern rebellieren wollte, musste sich nur eine Tolle kämmen und eine Lederjacke anziehen. Heute dagegen kann man seine Eltern doch kaum noch schocken – es sei denn, man wird Investment-Banker”.

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Je dümmer und unerfahrener, desto anfälliger für dumpfbackige Nazivergleiche. Es ist ziemlich schwer, zu verstehen, warum das Thema Nazismus zumindest gefühlt immer präsenter wird, je weiter  die Zeit der Nazi-Diktatur in historische Ferne rückt. Ich habe den Eindruck, dass mittleriweile kein einziger Tag vergeht, an dem nicht irgendjemand irgendetwas Dummes mit Nazi-Bezug von sich gibt.

Martin Delius, Berliner Piraten-Abgeordneter, sieht seine Partei aufsteigen wie weiland die Nazis / cc-by-nc Berthold Stadler

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Die Debatte über die Piraten-Partei artet zunehmend in ein gouvernantenhaftes “darf man das” aus. Über manches, etwa die Verbrennung von Emma-Heften, kann man sich streiten, und man darf natürlich auch, wie der Focus und praktisch alle anderen das getan haben, die Berichte über dieses Treiben mit den reflexhaften Erinnerungen an die Bücherverbrennungen der Nazis einleiten. Man darf sich aber auch fragen, ob es nicht doch einen kleinen Unterschied zwischen Völkermördern und gewaltfreien Aktivisten gibt. Oder zwischen dem Symbol für die physische Vernichtung ganzer Denkschulen und unerwünschter Herkunft oder der ungeschickten (wenngleich berechtigten!) Kritik an einem Schmähartikel. Und ob man den Nazis nicht einen unverdienten Gefallen tut, wenn man sie wegen Denkträgheit mit vergleichsweise harmlosen Piraten zusammenwirft.

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Die Piratenpartei versucht gerade, ihr Programm zu formulieren. Staatstragend soll es sein. Für die Debatte bedienen sich die Piraten einer Software namens Etherpad. Da kann jeder mitschreiben, der will. “Man kann Etherpad eigentlich immer brauchen, wenn man einen Text schreiben muss, aber einem selbst die Worte fehlen”, steht in der Gebrauchsanleitung der Partei. Und weiter: “Wenn der Text gemeinsam bearbeitet, wird kann jeder eigene Teile hinzufügen und den anderen korrigieren. So entsteht qualitativer Text.” Nunja, das ist in diesem Fall etwas anders.

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