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Lieber Herr Professor Tsokos, in Ihrem neuen Buch und in zahlreichen Interviews, die Sie dazu in letzter Zeit gegeben haben, plädieren Sie für eine grundlegende Reform der Jugendhilfe und, wenn ich Sie da richtig verstehe, für eine deutliche Stärkung der Rechtsmedizin in diesem Feld. In diesem Zusammenhang möchte ich Sie fragen, ob Sie den Fall Lea aus Thüringen kennen. Lea war 5 Jahre alt, als sie mit allen Anzeichen schwerer Misshandlung auffiel. Monatelang stritten sich alle möglichen staatlichen Instanzen, was mit ihr passieren sollte. Sie beschreiben ja selber derartiges und sprechen dann von Systemversagen. Im Fall Lea hat leider auch die Rechtsmedizin versagt. Ich frage Sie nach diesem Fall, weil Sie ja fordern, den Rechtsmedizinern mehr Einfluss in der Jugendhilfe zuzusprechen. Damit würden Sie aber auch die Macht eines offensichtlich schlecht geführten Instituts wie dem in Jena mehr Macht geben, und das können Sie eigentlich nicht ernst meinen.

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Man hätte es sich denken können: Zuständigkeitshalber bekam das rechtsmedizinische Institut in Jena die Aufgabe, die toten NSU-Terroristen Mundlos und Böhnhardt zu obduzieren. Dabei gab es eine schwere Panne, wie jetzt das Magazin Focus recherchierte. Instituts-Chefin Gita Mall, Stammlesern meines Blogs aus zahlreichen Artikeln bekannt, musste die beiden Leichen vom Begräbnis zurückrufen, weil ihre Spitzenkräfte (oder sie selbst?) unfassbarerweise vergesse…

Amy Winehouse (†27) während eines Konzerts in New York 2007

Auch Rechtsmediziner sind nur Menschen. Der eine denkt sich eine irre PR-Geschichte aus und behauptet, er habe die tote Rosa Luxemburg in seinem Institut herumliegen sehen. Die andere befindet, ein Ermordeter sei mit einem Messer erstochen worden, und als der Tote vom Seziertisch gehoben wird, findet sich da überraschend eine Pistolenkugel. Und jetzt ist ein britischer Kollege darüber gestolpert, dass er die Leiche der Sängerin Amy Winehouse von seiner Ehefrau obduzieren ließ. Das meldet die „Sun“. Der Mann heißt Andrew Scott Reid und leitet bisher die Coroner-Station Nord-London. Verheiratet ist er mit der Krankenschwester Suzanne Greenaway. Die möchte gern beruflich weiterkommen und den Rang einer „qualifizierten medizinischen Praktikerin“ erlangen, wofür ihr noch zweieinhalb Assistentenjahre fehlen. Darum darf sie noch nicht, was sie tat. Der Fall ist auch deshalb arg, weil Frau Greenaway nicht nur Amy Winehouse obduzierte, sondern weitere 30 Leichen. Das könnte insofern Ärger bedeuten, als Gerichte auf Grundlage ihrer Gutachten Urteile gesprochen haben könnten. Die aber wären im Licht ihrer fehlenden Ausbildung ungültig. Die Behörden ermitteln. Coroner Reid wurde vorerst beurlaubt. Ihm droht die Entlassung. Immerhin reagieren die britischen Behörden – deutsche Ämter sind da nicht so pingelig.

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Prof. Dr. Hansjürgen Bratzke, Chef des Berufsverbandes des Rechtsmediziner. Foto via Rechtsmedizin-Institut Frankfurt
Prof. Dr. Hansjürgen Bratzke, Berufsverband der Rechtsmediziner. Foto via Rechtsmedizin-Institut Frankfurt

Zu den Standardforderungen rechtsmedizinischer Lobbyarbeit gehört die Forderung nach mehr Personal, mehr Geld und mehr Leichenschauen, um unentdeckten Straftaten zahlreicher auf die Spur zu kommen. „Wenn auf jedem Grab eines unentdeckt Ermordeten eine Kerze stünde, wären Deutschlands Friedhöfe hell erleuchtet“, lautet ein gern gebrauchter Satz. Was aber, wenn systematische Schlamperei zu falschen Gutachten führt – mit gravierenden Folgen für unschuldig Verurteilte oder frei herumlaufende Gewalttäter? Zwei heikle Fälle, über die die Medical Tribune (MT) berichtet, haben beim Berufsverband der Rechtsmediziner eine bedenkliche Reaktion ausgelöst.

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Die Staatsanwaltschaft Gera hat das Ermittlungsverfahren gegen die Rechtsmedizinerin Dr. Heike K. ohne Resultat beendet. K. war von der Chefin der Jenaer Rechtsmedizin, Gita-Else Mall, angezeigt worden. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Jens Wörmann, sagte auf meine Anfrage, das Verfahren sei nach Paragraph 170 Strafprozessordnung eingestellt worden. Es habe sich „kein hinreichender Tatverdacht“ ergeben. Der bei Dr. K. beschlagnahmte Aktenordner sei der Polizei übergeben worden, wohl deshalb, damit die ihn seiner Besitzerin zurückgebe.

Für Frau Mall ist das eine kräftige Schlappe. Sie hatte Dr. K. beschuldigt, mir interne Informationen zugesteckt zu haben und wollte sie dafür vor ein Strafgericht bringen. Das ist jetzt erledigt.

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Sonntagsreden sind das eine. Vor einiger Zeit veranstaltete der Bund Deutscher Kriminalbeamter gemeinsam mit der Techniker-Krankenkasse in Erfurt einen Kongress zum Thema Kindesmisshandlung. Ein Ermittler zeigte grausame Bilder von Kindern, die verprügelt, zerkratzt, mit Säure übergossen, verbrüht oder verbrannt worden waren. Auch die Chefin der Jenaer Rechtsmedizin, Gita-Else Mall, war da. Sie wird in der Ost-Thüringischen Zeitung mit diesem Satz zitiert: „Wir haben uns zur Regel gemacht, auch die kleinen Verletzungen wie Hämatome der Kinder anzuzeigen.“

Die Praxis ist anders und hat mit den Sonntagsreden nicht viel zu tun – gerade im Fall von Rechtsmedizinerin Mall, wie ein konkretes Beispiel zeigt.

Teil 2 von 2 Folgen der Serie Wenn die Justiz sich irrt

Er habe seine Frau mit „außergewöhnlicher Brutalität“ mit einer freilich unbekannten Tatwaffe mehrfach geschlagen, als sie schon blutend auf dem Boden lag, urteilte die dritte Strafkammer in Mühlhausen (Thüringen) vor einem Jahr über Gunter A. (57) und verhängte acht Jahre Haft wegen schwerer Körperverletzung mit Todesfolge. Als Beweis diente das Gutachten der „sehr guten Rechtsmediziner“ aus Jena, wie der Vorsitzende Richter in der Begründung sagte. Seit gestern ist Gunter A. wieder frei. Eine andere Kammer senkte das Strafmaß auf zwei Jahre mit Bewährung. Eine faustdicke Überraschung, die Gunter A. wohl noch gar nicht richtig verarbeitet habe, sagte sein Anwalt Udo Freier.

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So viel teuren Ärger hat mir in fast 30 Berufsjahren noch keine Geschichte eingebracht: Meine Beiträge über den mysteriösen Tod eines alten Mannes in einer Thüringer Klinik beschäftigen eine Staatsanwaltschaft, die nach meinen Informanten fahndet. Und einer der Texte, ausgerechnet ein Kommentar, für das Verständnis der Geschichte eher unwichtig, führte mich heute zur Verhandlung vor das Hamburger Landgericht. Dort hatte mich die Jenaer Rechtsmedizin-Chefin Gita-Else Mall auf Unterlassung verklagt. Heraus kam ein Vergleich. Ich akzeptiere 11 von 13 Punkten des Unterlassungsbegehrens (zwei hatte das Gericht schon gestrichen), dafür verzichtet die Gegenseite auf eine Richtigstellung (und vermeidet damit natürlich auch, dass das, was in meinem Kommentar stand, wieder lesbar wird, denn dieser Kommentar ist ja längst offline). Jede Seite hat eine Woche Zeit, den Vergleich zu widerrufen. Sauteuer war die Sache zudem. Alles, was hier folgt, darf ich weiter schreiben (jedenfalls hat es mir bisher niemand verboten). Darunter sind auch Details, die bisher unveröffentlicht sind.

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[tweetmeme]Wochenende für Wochenende konkurrieren Spiegel und Focus um die beste Kachelmann-Story. Diese Woche hat der Focus die Nase vorn. In der gedruckten Ausgabe breitet er praktisch die komplette Ermittlungsakte aus. Ausführlich werden die Einschätzungen der rechtsmedizinischen Gutachter beschrieben. Das Sahnestück ist freilich das Tagebuch der Frau, die den Wettermann der Vergewaltigung bezichtigt.

Begonnen hatte das Rennen der Spiegel. Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen hatte irgendwie – von Kachelmanns Anwälten? – das Gutachten der Psychologin Luise Greuel bekommen. Darin finden sich massive Zweifel an der Aussage von Kachelmanns Ex-Freundin.

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Der Fall gehört zu einer der legendären Fehlleistungen der Jenaer Rechtsmedizin unter ihrer Chefin Gita-Else Mall. Am 14. März 2009 lag ein Toter vor seinem Wohnhaus in Gotha. Die herbeigeeilten Ermittler holten eine Rechtsmedizinerin zum Tatort. Die bescheinigte, der Mann sei erstochen worden. Am nächsten Tag dann die Obduktion. Die Rechtsmedizinerin blieb bis zum Schluss bei ihrem Befund. Als die Leiche dann vom Tisch gehoben wurde, folgte die Überraschung. Da lag eine Pistolenkugel herum. Der Tote wurde zurück gefrachtet und noch einmal aufgeschnitten. Und siehe da: Es fand sich noch eine zweite Kugel.

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