Der Redakteur der Süddeutschen Zeitung, der sich vor ein paar Tagen mit seiner Bildunterschrift zum Thema Griechenland verhauen hatte, tut mir ehrlich leid. Nach dem berechtigten Anschiss, den er sich vermutlich von seinen Chefs einhandelte, wird sein Flop seitdem von zahlreichen Occupy-Sympathiesanten als Teil einer Verschwörung gedeutet. Die Korrektur, die die SZ dazu abdruckte (Foto) beeindruckt da wenig. Im Gegenteil: Sie gilt erst Recht als Beleg/Beweis dafür, dass hier finstere Mächte am Werk sind. Ein gewisser Phil de la Hoz etwa bestreitet auf derFaceboo k-Pinwand der SZ kategorisch, dass es sich bei der falschen Bildunterschrift um einen Irrtum gehandelt haben könnte.

Er schreibt (Rechtschreibung übernommen):

„fehler“?!

lies dir den sachverhalt lieber noch mal durch oder genieße diesen clip: …“

 

Worauf ein Link auf dieses, nunja, Werk folgt:


Dazu empört sich eine Uschi Bauer:

„Es geht hier nicht um einen Fehlerteufel, sondern um eine wesentliche Verkehrung von Tatsachen mit fatalen Folgen für die Meinungsbildung.“

 

Armer SZ-Redakteur, dessen Panne vermutlich die Erde aus ihrer Umlaufbahn warf. Mindestens.

Der griechische Gastarbeitersohn, Autor und Journalist Dimitrios Kisoudis hat sich mit einer dazu passenden Thematik in der FAS beschäftigt. „Die Narren fordern Narrenfreiheit“, ist sein Stück überschrieben. Es geht darin um die Inszenierung aller möglichen Proteste, vom Slutwalk in Berlin über die Guy-Fawkes-Maske der Occupy-Freunde bis hin zum ritualisierten Protest gegen die Castor-Transporte. Für Kisoudis sind das alles Narrenumzüge, die mit Trommelei und Geflöte oder Sprüchen über Kommunikation und Kopulation die Show zum Inhalt und den Inhalt damit bedeutungslos machen. Das debile Bedauern manches Anti-Castor-Aktivisten darüber, dass nunmehr leider kein Atomzug mehr durchs Land fahren werde, um ihm sein jährliches Vergnügen zu verschaffen, sprach Bände.

Ähnliches passierte am vergangenen Wochenende, als wieder Tausende gegen das ACTA-Abkommen auf die Straße gingen. Es war ihnen egal, dass die Bundesregierung die Ratifizierung vorerst gestoppt hat. Faktenfrei wird dann halt behauptet, auch das sei garantiert ein Trick, um das Volk einzulullen. Beweise doch das Gegenteil, wer dazu in der Lage ist. Bis dahin gilt: Wir wollen empört sein, weil wir es lieben, empört zu sein, egal, worüber.

1 Antwort
  1. Kai Sender sagte:

    „Armer SZ-Redakteur, dessen Panne vermutlich die Erde aus ihrer Umlaufbahn warf. Mindestens.“ – Das ist ein wunderbarer Satz, dessen  Übertreibung sehr gut zur allgemeinen Empörungsindustrie passt. 
    Endlich mal jemand, dem ich absolut zustimmen kann. Ich werde Deine Seiten jetzt wohl regelmässig lesen.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.