Pornograf, Bigamist, Wirtschaftsverbrecher? In Wahrheit ist Ai Weiwei der chinesischen Führung nur unbequem

Die Vorwürfe gegen den Künstler Ai Weiwei werden immer abstruser. Er soll wegen Bigamie und Pornografie angeklagt werden, berichtet eine Hongkonger Zeitung (was der ftd auffiel). Bis dahin war nur wolkig von Wirtschaftsverbrechen die Rede. Was fällt den Herrschern in Peking noch ein? Es sieht ohnehin gerade so aus, als würden Chinas Kommunisten das Rad zurückdrehen und sich auf den Terrorkurs ihres nach wie vor verehrten Ahnherren Mao besinnen. In Tibet verprügelten Polizisten buddhistische Mönche und verfrachteten um die 80 von ihnen zur sogenannten Umerziehung. Journalisten klagen über zunehmende Repression. Auf Kritik von außen reagiert das Regime zunehmend aggressiv. Und Nobelpreisträger Liu Xiaobo, nach offizieller Sprachregelung ein „Krimineller“ wie Ai Weiwei, schmort immer noch im Gefängnis.

Womöglich hat die chinesische Führung fürs Erste genug davon, dass sich in den letzten Jahren Intellektuelle und Künstler ein paar Freiheiten herausgenommen haben. Dass im Gefolge des wirtschaftlichen Aufstiegs auch das Selbstbewusstsein mancher Leute wuchs. Dass der freie Fluss von Informationen wegen des Internets immer schwerer zu zensieren ist. Dass die Debatten im Land immer schärfer werden, auf allen Ebenen: Über die korrupten Parteikader überall im Land, über die Rivalität des Nordens (Peking) mit dem Süden (Guangdong), über die wachsende Unzufriedenheit der ethnischen und nationalen Minderheiten (Uiguren, Tibeter, etliche andere).

Damit wäre dann auch die sogenannte Annäherung des Westens mit China beendet. Europa und die USA werden sich vermutlich weiterhin peinlich an die Kommunisten ranschmeißen, aber nützen wird das nichts. Schon Mao war es herzlich egal, ob für seine Macht mal ein paar Millionen Menschen sterben.

Wie gesagt – für seine Nachfolger gilt er immer noch als Vorbild.

 

1 Antwort
  1. Ingolf Keil sagte:

    Ich glaube die haben nur Angst weil er anders aussieht wie die Führer.
    Ich war zu Ostzeiten schon mal Assozial gefährdt, weil ich ein paar Wochen nicht gearbeitet habe, die finden immer etwas wenn man nicht für die ist.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.