Die Apotheken gehören zu den womöglich unmoralischsten Lobby-Drückern des Landes. Unmoralisch deshalb, weil sie ihre Geldgier hinter der Fassade angeblich biederer und hilfreicher Dienstleister verstecken. Die FDP war für die Apotheker-Lobby schon immer besonders wichtig. Die sogenannten Liberalen besitzen einerseits nicht viel Stammklientel, verfügen andererseits aber aufs Ganze gesehen über vergleichsweise viel Einfluss. Das haben die Lobbyisten des Apotheker-Verbandes verstanden und die Partei darum in ihre Dienste genommen. Spenden und ein paar Wählerstimmen gegen ein paar gesetzliche Privilegien – zum Schaden der Allgemeinheit und trotz Verrats an liberalen Ideen.

Die Apotheker-Schutzgesetze in Deutschland sind das Gegenteil von Marktwirtschaft, die die FDP sonst gern (und zurecht) fordert. Das beginnt schon damit, dass es neben der Rezeptpflicht eine Apotheken-Pflicht gibt. Die dient nur einem einzigen Zweck, auch, wenn dank der eifrigen Lobby-Arbeit der Apotheker auch bei den Medien jeder glaubt, da stecke an höherer Sinn hinter. Die Apotheken-Pflicht gilt für Medikamente, die trivial genug sind, dass jeder sie ohne ärztliche Verschreibung kaufen darf. Er muss dazu eben nur in die Apotheke gehen und bekommt das Medikament nicht im Supermarkt. Etwa Aspirin, Bepanthen- oder Fenistil-Salbe oder ein Mittel gegen Heiserkeit. Die Apotheken-Pflicht dient allein dazu, den Apotheken ein exklusives Geschäftsfeld zu überlassen. Politiker, manche Redakteure, die Apotheker-Funktionäre und die Apotheken-Umschau behaupten dann immer, dass solche Mittel in Apotheken ja mit einer fachlich irgendwie fundierten Beratung verkauft werden, aber genau diese Sorte Behauptung demaskiert die verlogene Lobby-Politik der Apotheker. Da sagt der Verkäufer am Tresen routinemäßig, man möge dieses oder jenes Mittel nicht häufiger als so-und-so-oft einnehmen, der Kunde nickt routiniert (und gequält, weil er die Nase voll von Leuten hat, die glauben, sie müssten an ihm herumerziehen), zahlt den sprichwörtlichen Apothekerpreis und ist froh, im Supermarkt nebenan sein Essen und Trinken ohne vormundschaftliches Gequatsche erwerben zu dürfen. Ein irgendwie inhaltlich begründbarer Sinn existiert nicht in der Apothekenpflicht für triviale Arzneien. Darum gibt es sie allein in Deutschland. Im Rest der Welt gelten erwachsene Menschen als reif genug, um ihre Paracetamol-Tablette aus dem Supermarkt- oder Drogerie-Regal zu nehmen.

Aber warum gibt es nur hierzulande eine gesetzliche Schutzzone für Apotheker? Weil die Apotheker effektives Lobbying betreiben. Und das ist auch schon alles. Es ist der einzige Grund. Und die FDP ist dabei die wichtigste politische Stütze. Wir erinnern uns vielleicht noch an den missglückten Start der schwarz-gelben Koalition und die viel diskutierte Hotel-Steuer. Damals ging unter, dass gleichzeitig die Schutzzone der Apotheker verschärft wurde. Die Koalition beschloss, ebenfalls auf Wunsch der FDP, die Gründung von Apotheken-Filialen zu erschweren und den Online-Handel mit Arzneien zu unterbinden. Ich habe schon damals darüber gestaunt, dass dieser Aspekt in den Redaktionen so unkritisch durchgewinkt wurde. Dabei war er nicht weniger skandalös als die Hotel-Steuer.

Wenn sich jetzt herausstellt, dass die Lobbyisten mit kriminellen Methoden arbeiteten und das zuständige Ministerium ausgespäht haben, dann wundert mich das nicht. Genau genommen basiert ja das ganze Geschäftsmodell des Apotheken-Lobbyismus auf politischer Korruption. Die kriminelle Energie ist also eh vorhanden. Und sie trifft auf eine ebenso skrupellose Partei. Die FDP lässt sich für ein paar Silberlinge ihre Grundüberzeugung abkaufen und vertritt gegen Honorar auch zentralistische Planwirtschaft.

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