Es ist schon ein Kreuz, wenn Politiker grundsätzlich jedes und alles nur durch ihre ideologischen Tunnel betrachten. Das DIW berechnet, dass die Arbeitnehmer aufs Ganze gesehen und über die letzten Jahren 2,5 Prozent weniger netto verdienen, und die SPD fordert die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns. Offenbar gehen die Sozis davon aus, dass „Arbeitnehmer“ und „Mindestlohn“ dasselbe sind. Und wo stecken eigentlich die Gewerkschaften?

Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer verdient zwar weniger als in früheren Jahren, aber jedenfalls mehr als ein Mindestlohner. Wenn denn ein höherer gesetzlicher Mindeslohn für den durchschnittlichen Arbeitnehmer eine Konsequenz hätte, dann die, dass er hinterher noch weniger übrig behielte. Denn der durchschnittliche Arbeitnehmer wäre es, der derartigen sozialdemokratischen Unfug bezahlen müsste.

Dass ausgerechnet die unteren Einkommensgruppen teils drastisch verloren haben, wirft die Frage auf, wo die Gewerkschaften eigentlich stecken.  Sie scheinen immerhin noch zu existieren. Als Kreuzberger passiere ich häufiger die luxuriöse Zentrale der Gewerkschaft Verdi. Da hängen immer Plakate mit den aktuellen Kampagnen-Forderungen. Seit langer Zeit gibt es da nur noch eine, nämlich die nach höheren gesetzlichen Mindestlöhnen. Haben die keine Lust mehr, mit den Arbeitgebern für die Arbeitnehmer zu verhandeln? Verstehen die sich nur noch als politischer Lobbyhaufen? Haben die ihren Job als Tarifpartei an den Nagel gehängt?

Womöglich ist der Zusammenhang zwischen Einkommensverfall und gewerkschaftlich-sozialdemokratischem Strategiewechsel nicht nur zeitlich bedingt.

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