In unserer schrägen Bürokratie ist es so, dass ein Kind nur eine Mutter hat und keinen Vater (außer bei Eheleuten, da gilt der Vater noch nicht pauschal als gefährliches Element), das halten die für Kindeswohl, außer, man wird selber aktiv und setzt das gemeinsame Sorgerecht durch. Bis vor ein paar Jahren war das fast ein Ding der Unmöglichkeit. Dann hat ein Vater den kompletten Rechtsweg durchschritten und sich beim Bundesverfassungsgericht gegen eine unwillige Mutter und den unwilligen Staat durchgesetzt. Dann hat der Staat ein Gesetz gemacht, das den Normalzustand zwar immer noch nicht hinnimmt, aber gezwungenermaßen die Prozedur vergleichsweise unkompliziert gestaltet – weil das Verfassungsgericht darauf besteht.

Man muss also einen Termin beim Jugendamt machen, und zwar beide. Das ist nicht ganz einfach, weil das Landratsamt Rosenheim nur eine halbe Mitarbeiterin dafür abstellt und niemand sie vertritt. Jetzt haben wir es geschafft, und es war die Sache am Ende schon deshalb wert, weil die Mitarbeiterin sich als echte Perle entpuppte. Pflichtgemäß betete sie die vorgeschriebene Litanei an Belehrungen herunter, in unnachahmlicher Rosenheimer Mundart, und sie nahm die Prozedur offensichtlich ebensowenig ernst wie wir.

In anderer Hinsicht ist der Staat übrigens unbürokratischer. Eine Steuernummer bekam meine Tochter gleich nach der Geburt zugeschickt – ganz ohne Antrag und Belehrungen.

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