Unsere Politiker von links bis rechts laufen gerade Amok gegen Google Streetview. „Ich werde Widerspruch erheben gegen Fotos von meinem Haus und meinem Garten“, sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Ebenso will es der Grüne Christian Ströbele halten, der Googles Projekt „ungeheuerlich“ findet, außerdem die sogenannte Datenschützerin der FDP, Gisela Piltz, und auch die Berliner CDU-Parlamentarierin Monika Grütters nutzte die sommerliche Google-Prügel, um auch mal in einem überregionalen Medium vorzukommen. Der saarländische SPD-Politiker Heiko Maas, irgendwie auch in der Versenkung verschwunden, bemüht das übliche antikapitalistische Ressentiment, wenn er sagt, Google sei „keine karitative Organisation“.  Und Bodo Ramelow von der Linken nennt als sogenanntes Argument gegen Googles Straßenfotopanorama: „Streetview ist äußerst heikel, weil der Nutzer die Perspektive eines Fußgängers einnehmen kann“.

Demnach wäre dann jetzt wohl zu erwarten, dass die Tätigkeit des Fußgängerns demnächst auch verboten werden soll. Des weiteren planen unsere Obermuftis offenbar, nicht nur Google der Caritas anzugliedern, sondern ebenso alle anderen Unternehmen, die ja nur wegen des Geldes arbeiten. Wobei dann natürlich auch zu fragen wäre, ob Herr Maas künftig sein politisches Amt ehrenamtlich ausüben möchte.

Diese Leute sollen mal die Kirche im Dorf lassen. Google Streetview ist nicht das angemaßte Auge Gottes, wie der Bild-Briefler Franz Josef Wagner heute mutmaßt und zu Protokoll gibt, er fühle sich „ausgespäht“, mit einem Klick wisse jeder Einbrecher, wie er in seine Wohnung komme. So ein Schwachsinn! Käme jemand auf die Idee, Stadtpläne zu verbieten, weil Einbrecher damit ihren Weg finden könnten, Schraubenzieher, weil sie damit Schlösser sprengen, Autos, weil sie darin ihre Beute abtransportieren könnten? Diese Debatte ist so bescheuert, dass sie eigentlich nicht ernst genommen werden kann.

Wobei: Jetzt, wo diese Politiker alle ankündigen, ihre Häuser bei Streetview wegpixeln zu lassen – da fängt es doch glatt an, mich zu interessieren, wie die wohnen. Bisher war mir das ja egal, aber so, wie die sich gerade anstellen, klingen sie, als hätten sie was zu verbergen. Oder geht es in Wahrheit vielleicht darum, dass Politiker einfach etwas dagegen haben, dass jedermann sich ein realistisches Bild seiner Stadt auf den Schirm holen kann und nicht nur irgendwelche Berechtigten mit Geheimzugang zu staatlichen Überwachungskameras? So gesehen leistet Streetview geradezu einen Dienst an der Demokratie.

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