Jakob Augstein ist vor allem ein millionenschwerer Verleger-Erbe, der es geschafft hat, seinen privaten Garten zum Gegenstand der Berichterstattung sogar in Springers Welt am Sonntag zu machen. Ein Augstein hat natürlich nicht einfach einen Garten, sondern bei einem Augstein ist so ein Garten ein Quell der Weltanschauung und -verbesserung. Natürlich auf grüne Weise, weil anderes als grün für Jakob Augstein inzwischen verdammenswürdig ist. Grün oder rechtspopulistisch – das ist die neue Frontlinie, die der Spiegel-Erbe in seiner neuesten Spiegel-Kolumne zeichnet.

Vordergründig geht es um eine Umfrage, die, wie Augstein schreibt, die Wochenzeitung “Freitag” beim Forsa-Institut in Auftrag gegeben hat. Die Wochenzeitung Freitag, das schreibt Augstein in diesem Artikel nicht dazu, gehört ihm praktischerweise selber. Er darf also eine Statistik ausbreiten, die er, um es mal flapsig zu sagen, selber gefälscht hat und der er deshalb trauen kann, aber eben nur er selber. Die Resultate nennt er – was sonst – “erschreckend”. Erschreckend etwa dies: 70 Prozent der Deutschen finden, Deutschland gebe zu viel Geld für Europa aus. Chapeau! Nachdem auf diese Weise gleich mal 70 Prozent der Deutschen für eine völlig legitime Ansicht zu Rechtspopulisten gemendelt werden, können wir die Debatte ja beenden, denn Rechtspopulisten sind für einen Augstein gewiss keine satisfaktionsfähigen Antagonisten.

Die Standards der Totschlagdebattenkultur dürfen dann natürlich auch nicht fehlen: Bedenken gegen Zuwanderung, die Frage, ob der Islam “zu unserem Lebensstil” passe oder gar die 30 Prozent, die sich ein “unabhängiges Deutschland” ohne Euro und EU-Kommission wünschen – das darf man alles nicht mehr diskutieren. Man darf nur noch darüber diskutieren, wie der von Herrn Augstein attestierte Rechtspopulismus zu bekämpfen sei, der sich skurrilerweise auch in der Linkspartei ausbreite. Warum Herr Augstein den linken Populismus jetzt auch Rechtspopulismus nennt, bleibt sein Geheimnis. Dass CDU, FDP und SPD für ihn sowieso dazugehören, schreibt er extra noch dazu. Allein die Grünen seien nicht “mit dem rechten Virus infiziert”, als handele es sich um eine Krankheit, die auszumerzen wäre – vielleicht in Irrenanstalten für Andersdenkende? Hitler, Stalin und Honecker haben mit so etwas ja schon praktische Erfahrungen gesammelt.

Zu den Grünen passen Augsteins Visionen freilich ganz gut. Dort gibt es offensichtlich bis in die obersten Führungsgremien Umerziehungsfantasien. Cem Özdemir etwa behauptete vor einiger Zeit, da ja niemand als Demokrat geboren werde, sei so etwas wie eine Umpolung jedes Menschen vonnöten. Er drückte das natürlich im vornehmen Duktus der politischen Korrektheit aus:  “Gerade weil niemand als Demokrat geboren wird, müssen wir in unseren Bildungseinrichtungen doch viel mehr Wert legen auf eine aktive Erziehung zur Demokratie, um Vorurteilen und Rassismus das Wasser abzugraben.”

Willkommen in der grünen neuen Welt!

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