Die Chuzpe muss einer erstmal haben: Ausgerechnet der SPD-Bundestagsabgeordnete und Klinik-Lobbyist Karl Lauterbach fordert, wegen der Apotheken-Lobby-Affäre sämtliche Gesundheitsgesetze der letzten Jahre zu überprüfen. Die Idee ist gut. Denn da könnte man auch gleich feststellen, was Lauterbach so alles in die Gesetze geschmuggelt hat, das seinem Neben-Arbeitgeber nützen könnte. Lauterbach ist bekanntlich Aufsichtsrat des Rhön-Klinikum-Konzerns und hat dafür im Jahr 2011 ein Extra-Einkommen in Höhe von 62.000 Euro erhalten.

Weil die Idee so gut ist, dürfte der Bundestag sie kaum in die Tat umsetzen. Sie würde nämlich darauf hinauslaufen, die planwirtschaftliche Systematik des Gesundheitssystems offenzulegen. Das kann Lauterbach wiederum nicht wollen, denn seine Klinik-Firma profitiert ja davon. Vereinfacht gesagt regeln staatliche Gesetze und Verordnungen sämtliche Umsätze im Gesundheitssystem. Bei den Apotheken sind es die absonderlichen Zulassungskriterien und z.B. die Vorschrift, dass auch Trivial-Medikamente nur dort verkauft werden dürfen. Bei den niedergelassenen Ärzten sind es Niederlassungs- und Honorarvorschriften, bei den Krankenkassen die Beitragshöhen und Erstattungsregeln. Lauterbach äußert manchmal richtige Dinge – dass etwa Schluss damit sein sollte, dass aufgeklärte Menschen dank der Gesundheitsgesetze unbemerkt homöopathischen Hokuspokus mitbezahlen müssen. Freilich ist das doppelbödig – Lauterbach hat andererseits noch nie gefordert, dass die Kliniken ordentlich wirtschaften müssen. Wie sollte er auch, als Klinik-Chef.

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