Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner beklagt, was sie mit ihrer Politik selber anrichtet

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner beklagt, was sie mit ihrer Politik selber anrichtet

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner beklagt, was sie mit ihrer Politik selber anrichtet

Bundesernährungsministerin Ilse Aigner hat zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin vor weltweiten Hungerrevolten gewarnt und wagte manche steile These. Etwa die, der Aufstand in Tunesien gelte nicht dem korrupten Ben-Ali-System, sondern habe seinen Grund “auch in steigenden Lebensmittelpreisen”. Weniger originell lauten ihre sonstigen Schuldzuweisungen. “Verschärft wird die Lage noch durch Spekulationen auf den Agrarmärkten”, behauptet die Ministerin und erklärt:  “Die Welt verbraucht derzeit mehr Weizen und Mais, als sie produziert”. Letztes mag stimmen, ist aber eine unmittelbare Folge auch der Politik der Bundesregierung.

Über die verliert die Ministerin kein Wort. Sie besteht darin, dass die Regierung mit Milliardenaufwand Treibstoffe aus Pflanzen subventionieren. Wie üblich ignoriert sie die vorhersehbaren Folgen, die sich mit dem simplen Grundsatz aus Angebot und Nachfrage erklären. Da die Ölgesellschaften derzeit massenhaft Getreide einkaufen, um daraus den Treibstoff herzustellen, der z.B. der neuen Benzinsorte E10 beigemischt wird, ist folglich die Nachfrage nach Getreide hoch. Da die Märkte darauf reagieren, frachten sie die Vorräte dorthin, wo es den höchsten Erlös gibt. Das nützt den Bauern überall auf der Welt, ganz gleich, für wen sie ihre Produkte anbauen, und es schade denen, die Getreide benötigen, ganz gleich, ob es es sich um Tagelöhner in Bangladesh handelt, die mittlerweile ohne staatliche Unterstützung verhungern würden, oder Autofahrer, die horrendes Geld für einen Liter E10 zahlen sollen, der überdies eine schlechtere Brennleistung hat und damit den Verbrauch kräftig erhöht.

Halten wir fest: Die Ursache haben die Regierungen gesetzt, als sie beschlossen, es sei ökologisch, mehr Biosprit an die Zapfsäulen zu bringen. Das ist es zwar nicht, aber es klingt gut, und die staatlichen Medien verbreiten es in Penetranz und verdummen die Menschheit, obwohl sie ja eigentlich einen Bildungsauftrag haben. Sie könnten ebenso gut behaupten: Wann Winter ist, bestimme ich.

Freilich funktioniert das Spiel nicht ohne irgendwelche Bösewichter, denen die hungernden Tagelöhner in Bangladesh angelastet werden können. Das erledigen Frau Aigner und überwiegend alle Politiker von Regierung und Opposition auf denkbar einfache Weise. Sie erklären eine anonyme Tätergruppe namens Spekulanten zu den Schuldigen. Wie üblich werden sie keinen Versuch unternehmen, einzelne dieser angeblichen Spekulanten wirklich dingfest zu machen und dem Publikum mit Foto und Namen vorzustellen. Der Grund, warum sie das nicht werden, besteht darin, dass es einfach niemanden gibt, der aus schierer Bosheit Nahrungsmittel “hortet” und damit “die Preise macht”. Es gibt lediglich Leute, die bemerken, dass die Regierungen das gerade tun und die darauf auf höchst sinnvolle Weise reagieren. Das tun die nicht aus barmherzigen Motiven, sondern aus geschäftlichen, die vielleicht nicht so gut gemeint sein mögen, aber dafür Gutes tun.

Indem sie nämlich möglichst Vorräte anlegen, solange die Preise noch erschwinglich ist. Das ist ökonomisch deshalb sinnvoll, weil steigende Preise beginnende Knappheit anzeigen. Auch jeder Privatmensch kennt solches Verhalten.  Sollte etwa eine Ölkrise drohen, wäre jeder gut beraten, sich möglichst früh mit einem Vorrat einzudecken, um über den nächsten Winter zu kommen. Nichts anderes tun jetzt Händler und Lagerhalter, weil sie eine von Staaten gemachte Versorgungskrise kommen sehen. Der Effekt dieses eigentlich sinnvollen, von den wirklichen Schuldigen aber fallweise als Spekulation geschmähten Verhaltens, besteht im wesentlichen darin, die fälligen Preissprünge zu dämpfen. Auch das ist einfach zu verstehen, wenn man es denn verstehen möchte: Indem Händler sich mit Vorräten eindecken, sind sie in der Lage, auch dann noch ein Angebot auf den Markt zu bringen, wenn die Felder abgeerntet sind. Damit gewinnen Produzenten Zeit, Nachschub zu erzeugen – wenn es gut läuft, bevor die Krise zur globalen Hungerrevolte ausartet.

Wie die meisten Politiker ignoriert auch Frau Aigner die Ursachen, was ihre Forderung zeigt, die Staaten mögen nunmehr international abgestimmt die Spekulanten bekämpfen und “Warentermingeschäfte auf Agrarrohstoffe” weltweit verbieten. Aus den genannten ökonomischen Gründen würde sie damit das Problem nur verschärfen. Andererseits muss man ihre Forderung auch nicht besonders ernst nehmen. Sie ist ja uralt und wird von Politikern immer dann erhoben, wenn sie durch eigenes Fehlverhalten Märkte deformieren. Gefruchtet hat sie glücklicherweise nie.

1 Antwort

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  1. […] zugestimt. Er hat auch nichts Kritisches verlauten lassen, als seine Minister-Kollegin Ilse Aigner letzten Januar die Proteste in Tunesien als Teil einer Hungerrevolte bezeichnete, was wiederum […]

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