Bahnfahren ist doch immer wieder überraschend. Vorhin hörte ich den Schaffner sich über die Lautsprecheranlage des Regionalexpress zwischen Nürnberg und Petershausen bei den verehrten Fahrgästen entschuldigen, die in Rohrmoos leider nicht aussteigen konnten. Beim nächsten Halt in Pfaffenhofen könnten sie das nachholen. Ausnahmsweise dürften sie ihre Tickets verwenden, um dann in der Gegenrichtung doch noch Rohrmoos zu erreichen. Anschließend verkündete er, dass die Türen 1 in Wagen 2, 1 in Wagen 3, 2 in Wagen 5 und noch eine, an die ich mich erinnere, defekt seien. Weil er schon dabei war, wies er die Fahrgäste auch darauf hin, beim nächsten Halt nur die funktionierenden Türen zu benutzen. Darauf wäre sonst womöglich keiner gekommen.

Während ich im Zug saß und das hörte, las ich in der Zeitung, Bahnchef Grube verhandele mit den Eurostar-Eignern über eine größere Beteiligung. Im Gespräch seien 1,5 Milliarden Euro, die die Deutsche Bahn investieren wolle. Es gebe da die großartige Vision, eines Tages mit einem ICE von Berlin direkt bis London zu fahren. Nur zur Erinnerung: Eurostar – das ist die Verbindung unter dem Ärmelkanal, die offenbar Probleme bei allzu tiefen Wintertemperaturen hat, so dass 2000 Passagiere, unter ihnen Claudia Schiffer, in der kilometerlangen unterirdischen Röhre strandeten.

Sollte die Bahn gerade tatsächlich 1,5 Milliarden Euro übrig haben – wie wäre es dann, zuerst die defekten Türen im Regionalexpress zwischen München und Nürnberg zu reparieren? Oder auch das nach tiefstem Osten (Vorwendeoptik) aussehende Bahnhofshäuschen im ansonsten properen oberbayerischen Petershausen zu renovieren und die mit Brettern vernagelten Fenster mit Glas auszustatten? Oder die Wartung der Berliner S-Bahn endlich vorschriftsmäßig abzuwickeln? Oder darüber nachzudenken, ob Berlin-London vielleicht doch eher eine Flugzeug-Strecke ist?

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