Ja, die ersten Verschwörungstheoretiker mögen Zweifel an bin Ladens Tod äußern und damit ungefähr so richtig liegen wie die Elvis-lebt-Fraktion. Die Leiche zu behalten hätte schlimmeres bedeutet. Und ja, ich versteht durchaus, dass manch einer nicht einverstanden ist, dass seine Exekution ohne Gerichtsverfahren, öffentliche Anklage und Verteidigung ablief. Aber bin Laden ist ein Einzelfall, den man wohl hinnehmen muss. Das Rechtssystem geht davon nicht kaputt.

Für das schnelle Seebegräbnis haben die USA eine gute Begründung geliefert. Nach muslimischem Brauch muss ein Toter sofort bestattet werden. Dass die Suche nach einem Land schwierig gewesen wäre, das ein bin-Laden-Grab mit dem zugehörigen Bohei der al-Kaida-Fans akzeptieren würde, ist offensichtlich. Und was wäre los, hätten die USA seine Leiche öffentlich hergezeigt? Sie wären in der Luft zerrissen worden.

Was, hätten die Navy Seals den Terrorpaten lebend gefangen? Das wäre ein Spaß gewesen… Wohin mit ihm? Wie ihn von seinen Jüngern abschirmen? Wie verhindern, dass er seinen Propagandaschwachsinn weltweit verbreiten kann? Wie, dass die zu erwartende Kompanie von Anwälten (der Mann hätte sich ja so ziemlich jeden Anwalt der Welt leisten können) nicht mit jahrelangen Tricks das Verfahren zur Farce reduziert hätte?

Offenbar haben in den USA einige Leute gründlich überlegt, wie sie mit bin Laden umgehen sollen, wenn sie ihn in die Finger bekommen. Immerhin hatten sie zehn Jahren Zeit dafür.

2 Kommentare
  1. René sagte:

    Es gibt einen weiteren Aspekt:
    Klar, in Kürze wird/könnte es Anschläge als Racheakt geben. Aber ein ObL, lebendig inhaftiert, dürfte ein Flut von Terrorakten heraufbeschwören, um den geliebten Führer freizupressen.

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  2. Mark Eisner sagte:

    1.) gab es auch keine Terrorakte, um Chalid Mohammed freizupressen, der als eigentlicher Kopf hinter 9/11 gilt.

    2.) gab es meines Wissens überhaupt noch NIE einen erfolgreichen Versuch, irgendeinen schwergewichtigen Terroristen mittels Gewaltakten freizupressen. Al Quaida wird wohl wissen, daß die USA einen gefangenen OBL never ever laufen ließen, wenn nur genug Bummbumm gemacht wird.

    3.) Al Quaida ist so strukturiert, daß es auf Einzelne nicht ankommt. Ist OBL weg vom Fenster, ist er „verbrannt“, und es werden keine Ressourcen verschwendet, um ihn freizubekommen. Die sind/waren deshalb so effektiv, weil sie eben keinen Personenkult betrieben.

    Es ist übrigens erschreckend, wie erfreut europäische Politiker die Tötung OBLs kommentieren. Man kann wohl froh sein, daß die EU hohe Hürden aufgebaut hat, um jeden Ansatz einer Wiedereinführung der Todesstrafe im Keim zu ersticken, denn einige Leute scheinen da keine Probleme mit zu haben, wenns um ganz besonders schlimme „Ausnahmefälle“ geht, die sie selbstverständlich nicht so richtig definieren können: ab wieviel Opfern verdient einer die Todesstrafe? Und muß er dazu direkte Gewalt anwenden/befehlen, oder reicht es, wenn er strukturelle Gewalt schafft?

    Dies würde zu nichts führen, außer zu immer weiteren „Ausnahmen“.

    Die Todesstrafe gehört geächtet, immer und in JEDEM Fall.

    Mark

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