Jagte schon als DDR-Kripomann Naonazis: Bernd Wagner

Es gibt nur wenige, die verstehen, wie unterschiedlich die Neonazi-Szenen im Osten und Westen ticken. Der vermutlich wichtigste von ihnen ist Bernd Wagner. Wagner ist früherer DDR-Vopo und spezialisierte sich schon damals auf die Neonazi-Szenen. Das war ungewöhnlich und heikel, weil die DDR-Führung propagandistisch für sich in Anspruch nahm, das Phänomen des Nazismus mit Stumpf und Stiel ausgerottet zu haben. Was die Partei für erledigt erklärte, durfte folglich nicht mehr existieren. Tat es aber eben doch. Es handelt sich um einen Teilbereich der DDR-Diktatur, dessen Folgen nunmehr von Westseite ignoriert werden – nach der nicht unähnlichen Devise, was nicht sein darf, kann dann eben auch nicht sein.

Die kommt auf zweierlei Weise zustande:

Zum einen dadurch, dass praktisch sämtliche Führungsposten bei Polizei, Justiz und Verfassungsschutzämtern nach der Wende von zweitklassigen Wessis besetzt wurden. Die Arbeit der Sicherheitsbehörden ist in den östlichen Bundesländern in erschreckendem Ausmaß von Willkür und Zufall geprägt, verursacht durch massenhafte Unfähigkeit in den Führungsetagen, wobei die Dinge in Thüringen möglicherweise besonders schlimm liegen (siehe hier). Oberstaatsanwälte, Gerichtspräsidenten, Polizeiführer – fast alle stammen aus dem Westen, und für die meisten darf man wohl vermuten, dass sie dort, wo sie herstammen, nie und nimmer die Posten erklommen hätten,  die ihnen im Osten offenstanden. Dass diese Posten mit Westlern besetzt werden mussten lag wiederum daran, dass die DDR hier fast nur belastete Leute hinterließ. Niemand hätte verstanden, wenn alte Stasi-Offiziere im neuen Staat den demokratischen Verfassungsschutz führen. Also tat das in Thüringen der schillernde Helmut Roewer, der vor der Wende in Konstanz promovierte. Während seiner Amtszeit als Thüringer Vassungsschutz-Präsident konnte das Zwickauer Mörder-Trio unbehelligt abtauchen. Von Roewer ist bekannt, dass er Gäste manchmal mit nackten Füßen auf dem Schreibtisch empfing, die eine oder andere weibliche Mitarbeiterin wohl eher nach privaten Präferenzen auswählte und als Ludendorff auf einem Kostümball erschien. Die  Eigenheiten und die Dimension der DDR-Neonazi-Tradition überreißt er offenbar bis heute nicht.

Zum zweiten dadurch, dass das alte Westdeutschland schlicht nicht wahrhaben wollte, wie widerwärtig und verrottet die DDR tatsächlich war und was das SED-System den Menschen wirklich angetan hat. Das Vertuschen des Neonazismus gehörte dazu. Das war deshalb so einfach, weil die DDR-Führung eine Art von Patriotismus verlangte, der einem faschistischen Patriotismus-Ideal auffallend ähnelt. Die Staatsfeinde mochten im Grunde dieselbe Ästhetik und dieselbe grobe Kante wie die Staatsführer. Die Partei predigte Freund-Feind-Denken und chauvinistische Überlegenheit der nach Belieben mal so, mal anders definierten Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-lenistischen Avantgarde. Die Verherrlichung der kleingärtnerischen Lebensverhältnisse passte hervorragend zum amtlich durchgesetzten Fremdenhass. Vertragsarbeiter aus Vietnam wurden weggesperrt und durften weder deutsch lernen noch Gaststätten besuchen. Schwangere wurden zwangsweise abgetrieben oder auf der Stelle heimgeschickt. Kein Wunder, dass die Linkspartei so auffällig schweigsam auf die Entdeckung der Zwickauer Zelle reagiert. Sie ist ein Kind der DDR und damit ein Kind exakt der Partei, die unter neuem Namen in alter Tradition unverändert weiter existiert. Für die notorische westlich geprägte Antifa ist die Ostlastigkeit des deutschen Neonazitums ein unauflöslicher Widerspruch.

Das Gute bei alldem: Jetzt ist die Chose draußen. Die Schönredner und Realitätsverweigerer sind gescheitert. Es ist die Stunde von Bernd Wagner und den wenigen Kundigen, die es wagen, die Dinge beim Namen zu nennen.

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