Es gibt Leute, die sich für wichtig halten, weil sie großes Medienecho bekommen, obwohl sie in Wahrheit unwichtig sind und nur der Bodensatz unserer Gesellschaft. Die Krümelreste, die sich gewaltsam der Aufklärung und Ratio verweigern. Sie kommen in verschiedenen Gewändern, aber ihre Schnittmengen sind groß. Beispielsweise halten sie alle Israel für die größte Gefahr für den Weltfrieden, die Nazi-Bazis, die Koran-Wahnsinnigen und der Hass-Grass, und sie alle haben auch die Neigung zu Verschwörungstheorien gemein.

Neonazi-Aufzug im oberfränkischen Regnitzlosau: Eine Art rituelles Herumstolzieren, um zu zeigen, wer den längsten hat

„Liebe Regnitzlosauerinnen und Regnistzlosauer“, brüllt ein Nazi-Bazi in ein Mikrofon, und seine Stimme quäkt laut und verzerrt aus einem megaphonartigen Lautsprecher, den seine Spießgesellen auf ein Autodach gepappt haben. Der Rest der Rede ist derart quäkig, dass er nicht zu verstehen ist, und die „lieben Regnitzlosauerinnen und Regnitzlosauer“ in Hörweite pfeifen und buhen zudem nach Kräften. Ein Lärmpegel, den das oberfränkische Städtchen so wie am Karsamstag wohl nie zuvor erlebte. Die Nazi-Bazis sind dabei eng von einem Polizei-Ring umschlossen, um den herum sich wiederum die guckenden und pfeifenden Bürger gruppieren. Wacker zieht der unverständliche Nazi-Bazi seine Ansprache durch, als würde sich irgendjemand dafür interessieren, was aber offensichtlich nicht der Fall ist.

Als das Reporter-Mikrofon naht und spontane Sätze ohne Manuskript verlangt werden greift die Verpisserstrategie: Schnell hinter ins Hauptquartier nach Oberprex und Tür verrammeln

Verständlicher ist die Botschaft, die die Nazi-Bazis auf ihren Transparenten zeigen. Professionell gestaltet, solide Grafiker-Arbeit, sauber auf stabilem Folienmaterial gedruckt. Nationaler Sozialismus steht darauf. Die NPD traut sich das noch nicht, die sogenannten freien Kameradschaften schon. Wer sich durch ihre Webseiten klickt, findet irgendwann auch eine Art Grundsatz-Programm. Da ist die Rede von der unterschiedlichen genetischen Abstammung der Rassen, die die Basis allen Seins sei. Hinterher, als die Demo in Regnitzlosau vorbei ist, fahren die Nazi-Bazis zu ihrem Hauptquartier nach Oberprex und feiern hinter verschlossener Tür, die Herrenmenschen, die geborenen Herrscher über Juden und Kaffer.

Bei dem frömmelnden Koran-Großverteiler Ibrahim Abu-Nagi bekommen die Kuffar immerhin die Chance, dem Untergang auszuweichen – vorausgesetzt, sie lassen sich auf mittelalterlichen Koran-Wahn ein. Herr Abu-Nagi scheint es wirklich ernst zu meinen, wenn er sagt, Allah habe höchstpersönlich den Koran verfasst, wobei Herr Abu-Nagi sein heiliges Buch immer mit Q schreibt. Quran. Das sieht scheinbar besonders wichtig aus, ist aber in Wahrheit einfach albern. Die Exemplare des Korans, die Abi-Nagi jetzt verschenkt, fielen ansonsten nicht aus Wolke 7, sondern wurden in einer Ulmer Druckerei mit höchst irdischen Farben auf höchst irdisches Papier gedruckt. Wenn Herr Abu-Nagi spricht, dann sagt er manchmal irgendein heiliges Wort, das er dann mit frömmelden Mantren verziert, die irgendwie wie hrsallalalalala klingen. Herr Abu-Nagi behauptet,  er wisse, wie die Seele nach dem Tod den Körper verlässt und was dann mit ihr passiert. Schön für ihn. Ich denke eher, Herr Abu-Nagi hat den Unterschied zwischen Wissen und Glauben nicht verstanden. Das wiederum ist blöd für ihn, denn der Deutsche neigt an und für sich nicht dazu, an irgendwelchen Hokuspokus zu glauben. Die Koran-Wahn-Szene ist nicht weniger sektiererisch wie die Nazi-Bazis.

Beim Sektenwesen ist jetzt auch Günter Grass angekommen. Man muss sein sogenanntes Gedicht nicht noch einmal auseinander nehmen, das ist jetzt oft genug passiert. Es genügt, daran zu erinnern, dass der Hass-Grass Israel den Erstschlag vorwirft, ohne, dass es für diese Behauptung den geringsten Anhaltspunkt gibt und die Sache nicht unbedingt besser macht, wenn er Israels Regierung jetzt mit dem Stasi-Regime der DDR vergleicht. Ausgerechnet Israel, das schon historisch das einzige Land in Nahost ist, das keine brüderlichen Beziehungen zur untergegangenen DDR pflegte wie sämtliche seiner Nachbarn, was tiefere Gründe hat, weil Israel das einzige Land in Nahost ist, das mit dem System der untergegangenen DDR absolut nichts gemeinsam hat, anders, als sämtliche seiner Nachbarn, von denen ja bekanntlich einige jetzt untergehen, wie das der DDR passierte, und das auch noch aus ähnlichen Gründen.

Günter Grass: Wie muss man drauf sein, wenn man sich vor dem eigenen Bildnis fotografieren lässt?

Man fragt sich, wie es passieren konnte, dass dieser Grass je so wichtig werden konnte. Dabei war dieser Grass schon immer ein Hass-Grass, schon damals in den Sechzigern, als er auf den Podien des Audi-Max der Berliner TU saß, vor hassenden und brüllenden Studenten, gefeiert als Apo-Autor, wichtig genommen von den aus der Studentenbewegung in die Feuilletons und Lehrerzimmer drängenden Links-Akademiker. Grass war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die Leute, mit denen er groß wurde, hassten Israel. Viele seiner damaligen Genossen veränderten zeitlebens keine einzige Position und landeten dennoch bei den Nazi-Bazis, wie Horst Mahler, der damals häufig im selben Saal wie Grass seinen Hass auf Israel kundtat und heute eine Gallionsfigur der Nazi-Bazis ist. Die Studenten gingen gegen den Schah auf die Straße, nicht aber gegen Khomenei. Sie pflegten brüderliche Verbindung zu Arafat und diversen anderen dubiosen Warlords, wobei nur wichtig war, dass die entweder linksradikal, rechtsradikal oder islamistisch waren und sind. Und so wirklich wunderte sich offenbar auch niemand, dass die Wehrsportgruppe Hoffmann und die RAF auf denselben Übungsplätzen in der DDR und auf der arabischen Halbinsel für den Kampf gegen den sogenannten Imperialismus gedrillt wurden.

Sie gehören zusammen, die Nazi-Bazis, der Koran-Wahn und der Hass-Grass. Sie sind vom selben Stamm, beseelt von demselben Gefühl, Elite zu sein und über dem Rest der Menschheit zu stehen. Dabei sind wie, wie gesagt, nur geistiger Bodensatz.

Fotos: Christoph Lemmer (2), Wikipedia

1 Antwort
  1. Andreas sagte:

    Viel Richtiges, Christoph. Dies Aussage, „der Deutsche neigt an und für sich nicht dazu, an irgendwelchen Hokuspokus zu glauben“, scheint mir allerdings  doch ein wenig optimistisch.

    Schließlich glauben die Deutschen wie kein anderes Volk daran, daß Gene und Atome das Böse schlechthin sind und in Sachen Klimaschutzwahn lassen wir uns auch von niemandem übertrumpfen. Von dem weitverbreitetet Glauben, es gäbe keine Arbeitslosen mehr, wenn der Staat endlich über alle Produktionsmittel herrschte und Armut einzelner könnte durch als Steuer getarnte Ausplünderung anderer beseitigt werden, ganz zu schweigen.

    Leider glauben die Deutschen eben doch jede Menge Hokuspokus.

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