Mein Gott, der öffentlich-rechtliche BR meldet die Explosion der Bombe schneller als die Bombe explodieren kann, während Münchens OB im Volkstheater mit Helmut Schmidt bildungsbürgerliche Wahlkampf-Talkshow spielt. Was für ein Panoptikum! Wenig später musste die Redaktion ihre Meldung zurücknehmen. Peinlich. Wie auch manche Rechtfertigung, die dann nachgeschoben wurde. Der betreffende Kollege sei schon den ganzen Tag auf den Beinen, twitterte einer. Und schob nach, es habe einen dumpfen Knall gegeben, den habe man durchaus für die Bombe halten können. Geht’s noch, Kollegen? Und warum gab’s eigentlich keinen Video-Livestream von dem Ereignis, das in München Gesprächsthema Nummer 1 war? Da hätte der Kollege nur auf den Monitor schauen müssen, und dem BR wäre eine Blamage erspart geblieben. Die Frage ist nur: was ist peinlicher – die BR-Panne oder das Programm des privaten München TV? Da lief ungerührt eine Dumpfbackensendung über Dirndl und Bikinis. Aber die bekommen immerhin auch keine GEZ-Gebühren. Ach ja, die BR Rundschau begann dann, als die Explosion unmittelbar bevorstand, mit einem Beitrag über die arbeitenden Rentner – die sowieso schon den ganzen Tag überall on Air war. Nicht zu fassen.

PS. B5, das Informationsradio des Bayerischen Rundfunks, sendet unbeeindruckt vorproduzierte Sportmeldungen, als die Bombe hochgeht. Dann eine Verkehrsmeldung über einen defekten Lkw auf der A3 und ähnliches Zeug. Dann eine Meldung über Verkehrsmeldung über Sperrungen wegen einer Bombenentschärfung in München. Dann folgt der Wetterbericht („teils wolkig, teils klar…“). Dann die 22-Uhr-Nachrichten – und endlich – ja, sie haben den Knall sogar mit einem Mikrofon aufgenommen.

PPS. Dass die Explosion mehrere Dachstühle in Brand setzte, wie die Stadt München Minuten später meldet, interessiert das Informationsradio erstmal auch nicht. Stattdessen gab es Konservenbeiträge über den Flughafenausbau mit vielen Politiker-O-Tönen.

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